„Moooahhhh, was ihr nur immer alle von mir wollt.“
Ein Buch, in dem ein Schauspieler von seiner Zeit an der Schauspielschule erzählt, könnte ein witziges Buch sein, das man aber nicht unbedingt lesen muss. Dass angehende Schauspieler während ihrer Ausbildung alberne Übungsaufgaben bekommen – á la „Spiele Effi Briest als Nilpferd!“ – ist allgemein bekannt. Daher startet der Burg-Schauspieler Joachim Meyerhoff mit einer gewissen Hypothek in sein Vorhaben, von seinen Anfängen im Bühnenfach zu erzählen. So ein Buch könnte gnadenlos scheitern, unlustig sein, doof, einfallslos, klischeehaft. Aber keine Sorge: Dies ist nicht der Fall. Vielmehr reitet „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ auf einer Welle champagnerfrischen Humors.„Die Haushälterin war, und das blieb ewig ein Rätsel, immer barfuß.“
Viel hat dieses geglückte Experiment biographischen Erzählens mit der Tatsache zu tun, dass der angehende Darsteller für die Zeit seiner Ausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule bei seinen Großeltern wohnen musste. Er fand auf dem Münchner Wohnungsmarkt keine bezahlbare Bleibe. Und so kam es, dass Meyerhoff uns Einblick gibt in das Innenleben eines Ehepaars, über das man sich schlechterdings nur schieflachen kann. Allerdings nicht, weil diese beiden so lächerliche Figuren wären, sondern wegen der niveauvollen Unverfrorenheit, mit der sie ganz offensichtlich ihre Leben genossen.„Schon nach ein paar Wochen wusste ich alles über sie. Über Orson Welles, Oskar Werner und Sarah Bernhardt.“
Meyerhoffs Großmutter war einst Schauspielerin, gab diesen Beruf aber beizeiten auf, weil „das Theater zu abgeschmackt“ geworden sei, wie sie es ausdrückte. „Es konnte passieren“, schreibt Meyerhoff, „dass sie wie von einem tiefen Schmerz durchdrungen den Blick in die Ferne schweifen ließ, so langsam die Arme hob, dass nicht einmal die goldenen Armreife aneinanderklackten, und erst, als sie sicher war, dass alle am Tisch gebannt zu ihr sahen, sagte sie: ‚Moooahhhh …‘, und dann, nach einer langen, spannungsgeladenen Pause, ‚der Brie ist ja ein Gedicht heute Abend.‘“„Er will so an den Text rankommen.“ „Als Nilpferd?“ „Du Armer, wer hat sich denn diesen Humbug ausgedacht?“
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
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