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Mrs. Moyes, im Zentrum Ihres Romans „Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“ stehen sechs mutige Frauen, die in der Satteltaschenbücherei – der Packhorse Library – von Baileyville arbeiten. Ist das ein feministisches Statement?
Das ist es wohl – obwohl ich mir das nicht explizit vorgenommen hatte. Ich wollte ein Buch schreiben, in dem Frauen handlungsfähig und einfallsreich sind und tolle Sachen zustande bringen, anstatt mich auf ihre Beziehungen und ihr Äußeres zu konzentrieren. Zudem wollte ich, dass sich die Frauen gegenseitig unterstützen; im Gegensatz zum gängigeren Narrativ, dass wir stets miteinander konkurrieren müssten. Das entspricht auch nicht meiner Erfahrung. Aber ich bin sehr einverstanden, wenn mein Roman als feministisches Statement betrachtet wird. Ich hoffe, dass es genau das ist – und eine gute Geschichte! Übrigens enthält der Roman auch ausgezeichnete Männerfiguren …
Bislang galten Sie ja als Spezialistin für sogenannte Frauenliteratur, die schwierige Themen wie Behinderung, Armut, Selbstmord eher ausklammert. Dieses Buch ist anders: Wie sind Sie auf Ihren Stoff gestoßen – die dramatischen Geschehnisse rund um die Packhorse Library in den späten 1930er-Jahren in Kentucky?
Durch einen Online-Artikel in dem Magazin The Smithsonian, der außergewöhnlich bebildert war: Fotos von Frauen auf Pferden, die sich bereitmachten, in diese gewaltige, raue Natur zu reiten, um isoliert lebenden Familien Bücher zu bringen. Im Grunde geht es um all meine Lieblingsdinge: Pferde, starke Frauen, Bücher, wilde Landschaften. Ich wusste sofort, dass ich darüber schreiben wollte. Ich hatte dieses brennende Bedürfnis und sah den Plot quasi unmittelbar vor mir.
Vieles, was Sie beschreiben, ist historisch verbürgt: das Packhorse Library Project, das 1935 bis 1943 als Teil der Works Progress Administration stattfand, das starke Engagement der First Lady Eleanor Roosevelt. Gibt es auch ein Vorbild für Ihre eigenwillige Bibliothekarin Margery O’Hare?
Nicht im Speziellen. Ich habe viel über Kentucky und die damaligen Lebensbedingungen gelesen. Es gab unglaublich toughe Frauen – was sie häufig auch sein mussten, um zu überleben. Und es gibt viele Berichte darüber, wie schwer es Frauen in dieser Männerwelt hatten, wie groß die Brutalität war, unter der sie oft litten – aber es gibt eben auch Beispiele von Frauen, die das mit gleicher Münze heimzahlten. Ich liebe solche Figuren in Romanen, das Packhorse Library Project war der ideale Anlass, selbst so eine Figur zu erschaffen. Ich wollte über die Art von Charakter schreiben, die dich inspiriert, als junge Frau loszulegen und zu sagen: „Oh ja, ich werde alles machen, was ich will!“
Neben Gewalt gegen Frauen geht es um Bigotterie im ländlichen Kentucky, um Rassismus, katastrophale Arbeitsbedingungen und gnadenlose Ausbeutung der Natur. Dafür haben Sie sicher viel recherchiert?
Ich recherchiere immer gründlich, weil ich nicht glaube, dass ein Roman sonst wirklich zum Leben erwacht. Doch diesmal hat sich das auf einem ganz anderen Level abgespielt. Ich habe dreimal die Gegend bereist, musste dafür jeweils zwei Flugzeuge nehmen und eine lange Autofahrt überstehen. Zudem habe ich wissenschaftlich recherchiert: über Bergbau, bewaffnete Kohlekonflikte, über die damaligen Zustände in Gefängnissen, Todesstrafe und Gerichtsverhandlungen. Ich musste die Bibliothekarinnen kennen und die Landschaft. Die Landschaft ist alles entscheidend: Ich bin die damaligen Routen der Bibliothekarinnen abgeritten, was sehr hilfreich war: die Stille in den Wäldern, mir zu Pferd einen Weg durch ebendieses Gelände zu bahnen … all das sickert in das geschriebene Wort.
Es ist sehr leicht, sich mit ihren Heldinnen Alice und Margery zu identifizieren. Ihr Kampf um Glück, Freiheit, Unabhängigkeit und das Recht, den eigenen Weg zu gehen – all das beschäftigt uns auch heute. Bücher und Bildung sind für die Frauen der Packhorse Library essenziell. Spielen Bücher heutzutage eine vergleichbare Rolle?
Sicherlich müssen Bücher in einer Zeit, in der es so viele andere Medien gibt, bisweilen um Aufmerksamkeit kämpfen. Doch mein Eindruck ist, dass viele Menschen spüren, wie gut Lesen der psychischen Gesundheit tut – es gibt dir eine Auszeit von deinen Gedanken, wie es Smartphones oder Computer nicht leisten können. In Großbritannien zeichnet sich gerade ein immenser Trend zum Hörbuch ab. Ich glaube also, dass Geschichten nach wie vor beliebt sind. Eher mache ich mir Sorgen über die Rolle des Internets bei der Verbreitung von Fake News.
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