
Ein Feuer, ein Neuanfang und ein fernes Paradies voller Geheimnisse: Mit „Aufbruch ins Paradies“ startet Tara Haigh eine historische Saga, die Sehnsucht und Abenteuerlust weckt. Auf BUCHSZENE.DE spricht sie über ihre Inspiration, die koloniale Epoche – und die dunklen Seiten des Aufbruchs in die neue Welt.
Frau Haigh, mit „Aufbruch ins Paradies“, dem Auftaktband zu Ihrer Papua-Neuguinea-Saga nehmen Sie uns mit in das Leben der Familie Berger, die im Jahr 1884 eine Möbelfabrik in Karlsruhe betreibt. Doch dann geschieht ein Unglück und die Zukunft der Bergers steht auf dem Spiel. Was ist passiert?
Die Bergers entschließen sich zu einem mutigen Schritt – dem Aufbruch in ein vermeintliches Paradies. Friedrich, der Bruder des Patriarchen Gustav Berger, hat dort bereits Fuß gefasst und macht der Familie die neue Welt schmackhaft. Das große Geld, so verspricht er, liege in den neuen Kolonien: Wer von Anfang an dabei ist, könne sich seinen Platz an der Sonne sichern. Zunächst bleiben alle skeptisch – bis die Holzmanufaktur und das Möbellager in Flammen aufgehen. Zwar kommen die Versicherungen für einen Großteil des Schadens auf, doch nichts wird mehr so sein wie zuvor.
Die Familienvilla ist nur noch eine Ruine …
… und ein Arbeiter kommt in den Flammen ums Leben. Verbrannte Erde – in jeder Hinsicht. Zudem soll Ludwig, Gustavs Sohn, seinen Dienst als Pfarrer in der Einöde antreten. Der missionarische Ruf lockt ihn: Er möchte seiner Berufung folgen und den „Heiden“ den Weg zu Gott zeigen statt in der Provinz ein belangloses Leben zu führen. Für ihn und seine Frau Clara gibt es kein Halten mehr. In jenen Jahren suchen zudem viele Deutsche ihr Glück in der Ferne. Die Deutsche Kolonialgesellschaft bietet Unterstützung, und mit Tropenholz, so heißt es, lasse sich gutes Geld verdienen. Aus der Not wird eine Tugend – und die Familie begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, die ihr alles abverlangen wird.
Wer sind die Bergers?
Gustav Berger leitet eine traditionsreiche Karlsruher Möbelmanufaktur und hält – entgegen dem Zeitgeist – an der Fertigung hochwertiger, verspielter Möbel fest. Sehr zum Unbehagen seiner älteren Tochter Hedwig, die über die Finanzen des Unternehmens wacht. In ihrer Vernunftehe mit dem Sohn eines alten Adelsgeschlechts, das über große Forstgüter verfügt, findet sie weder Glück noch Leidenschaft. Anna, die jüngere Tochter, will auf eigenen Beinen stehen. Sie arbeitet in einem Importkontor mit Verbindungen nach Südostasien, hat große Ambitionen und glaubt, ihr Glück im Ausland finden zu können. Und dann ist da noch Gustavs Sohn, der statt den Betrieb zu übernehmen, Pfarrer geworden ist. Einen Enkel hat er seinem Vater aus der Ehe mit Clara nicht geschenkt – eine doppelte Enttäuschung. Auch Hedwigs Ehe ist bislang kinderlos geblieben. Der Aufbruch in die neue Welt wird die Familie vor eine harte Probe stellen – und längst schwelende Konflikte an die Oberfläche bringen …
Wie ist das Leben zu jener Zeit in Papua-Neuguinea? Welchen Stand haben Europäer dort?
Als die Bergers ankommen, ist die Siedlung noch im Entstehen. Sie treffen auf einfache, fast primitive Lebensverhältnisse. Finschhafen – benannt nach dem Kaufmann und Forschungsreisenden Otto Finsch – erweist sich entgegen Friedrichs schillernden Beschreibungen als kaum mehr als eine Ansammlung von Pfahlbauten am Rande des Dschungels. Einige wenige Abenteurer, Pflanzer und Siedler versuchen sich noch vor offizieller Gründung der Siedlung in der Landwirtschaft, legen erste Plantagen an und ringen dem Boden mühsam Erträge ab. Erste Kontakte zu den Einheimischen werden geknüpft – und sogleich durch unfairen Handel überschattet: Werkzeuge und Stoffe werden gegen Land getauscht, das den Stämmen damit faktisch abgeluchst wird. Die Spannungen wachsen. Die Fremden werden zu Eindringlingen, die den Einheimischen nicht nur Besitz, sondern auch ihren Glauben nehmen wollen – den Glauben an das Krokodil als Schöpfer der Welt. Für die Bergers kein leichter Stand …
Wie wollen die Bergers in der neuen Heimat im Südpazifik ihr Geld verdienen?
Anna träumt vom großen Geschäft mit der Kokosnussernte: Sie will Öl gewinnen und Kopra produzieren, das in der Industrie weltweit als Grundlage für begehrtes Schmiermittel gilt. Ihr Vater Gustav versucht sich am Export von Tropenhölzern und an der Herstellung von Möbeln. Max, der Abenteurer, wittert Gold in den Flussläufen. Sohn Ludwig hingegen sucht nicht nach weltlichen Gütern – er will die Abergläubischen auf den „rechten Weg“ führen. Doch so einfach ist das nicht. Wer in dieser neuen Welt bestehen will, braucht Land, das nur die Neuguinea-Gesellschaft zuteilen kann. Und wer sich der Ausbeutung der Einheimischen widersetzt, hat einen schweren Stand.
Warum haben Sie Papua-Neuguinea als Schauplatz Ihrer neuen Saga ausgewählt?
Seit jeher fasziniert mich die Zeit des Imperialismus – jene Epoche der großen Entdeckungen und kolonialen Bestrebungen vor dem Ersten Weltkrieg. Abenteuer, spannende Schicksale, fremde Länder und exotische Kulturen: Es gibt kaum einen Film über diese Zeit, den ich mir entgehen ließe. Gerade die Gegensätze, das Wechselspiel von Licht und Schatten, machen ihren Reiz aus. Kein Wunder also, dass es mich im „Weißen Blut der Erde“ nach Malaysia zog, im „Zwilling von Siam“ nach Thailand und im „Ruf des schwimmenden Gartens“ nach Madeira. Schon meine ersten Romane handelten von den Deutschen auf Hawaii. Papua-Neuguinea schließlich – mit seiner überwältigenden Flora und Fauna, den vielfältigen indigenen Gruppen, Bräuchen und Ritualen – erschien mir als ein literarisch besonders lohnender Ort: so fern, so fremd, so reich an Geschichten aus der Zeit der Entdecker und ersten Siedler.
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