Der Millionär erkennt ihre Tochterschaft nicht an. Also beschließt Grace, ihre Familie zu töten. Bella Mackies Thriller „How to kill your family“ in der Kritik.

Grace, die Hauptfigur, von Bella Mackies „How to kill your family“ verfolgt einen skrupellosen Mordplan

11. November 2022 | Jörg Steinleitner

Bella Mackie

How to kill your family

ISBN 978-3-453-27370-2

432 Seiten | € 22,00

Heyne

Romantik (2/5)

Komik (2/5)

Weisheit (3/5)

Gänsehaut (3/5)

Unterhaltung (3/5)

Titelbild How to kill your family

Hauptfigur Grace ist das Ergebnis einer Affäre mit einem Superreichen

Die Hauptfigur von Bella Mackies Roman „How to kill your family” ist die junge Grace Bernard. Grace ist das nichteheliche Kind eines der reichsten Männer Großbritanniens. Allerdings will Simon Artemis nichts mit ihr und ihrer Mutter zu tun haben. Für ihn war die Beziehung nur eine Affäre und als Graces Mutter ihm von der Schwangerschaft erzählte, forderte er sie zur Abtreibung auf. Die Mutter entschied sich für Grace und lebte fortan das harte Leben einer Alleinerziehenden: mehrere schlecht bezahlte Jobs, keine Zeit für sich und ihr Kind.

Der Vater weigert sich, für seine Tochter Verantwortung zu übernehmen

Als Grace ein Teenager ist, erkrankt ihre Mutter schwer. Auch hier weigert sich Simon Verantwortung für die kleine Familie zu übernehmen und verweist darauf, dass er ihr deutlich gesagt habe, dass er das Kind nicht wolle. Graces Mutter stirbt und Grace beschließt, wenn sie erwachsen ist, die gesamte Artemis-Familie zu töten. Zum einen, um die Ungerechtigkeit zu rächen, die ihrer Mutter widerfahren ist, zum anderen, um am Ende selbst von dem millionenschweren Familienerbe zu profitieren.

Graces Plan: die Auslöschung der kompletten Millionärs-Familie

Als Grace erwachsen ist, macht sie sich an die Umsetzung ihres Mordplans. Sie will ihre Großeltern, ihre Stiefmutter, ihre Halbschwester, ihren Cousin, ihren Onkel und ihren Vater Simon ermorden. Ob ihr dies gelingt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Festhalten können wir, dass Grace unterschiedliche Mordmethoden anwendet, einige davon sind ziemlich ungewöhnlich, weil sie mithilfe moderner Technik oder an einem spektakulären Tatort wie einem Sexclub erfolgen.

Bella Mackie kennt sich mit den Dekadenzen des Jetset aus

Im Verhältnis zum gesamten Thriller nimmt die Beschreibung der Morde allerdings einen für einen Spannungsroman eher geringen Teil der Erzählung ein. Stattdessen beschäftigt sich Bella Mackie intensiv mit den Lebensgewohnheiten der internationalen High Society. Die dekadente Haltung des Jetset, für den Geld und Moral keine Rolle spielen, sind für die Täterin ein starkes Mordmotiv. Bella Mackie kennt sich bestens mit den modischen Vorlieben, bevorzugten Marken, Partygewohnheiten, Arroganzen, ihren Unterdrückungsmethoden gegenüber Angestellten und sämtlichen Gesprächsthemen der Neureichen aus und sie weiß sie auch gekonnt widerzugeben.

In „How to kill your family” gibt es einen einzigen sympathischen Mann

Zum anderen dekliniert Bella Mackie alle Spielarten männlicher Schwächen und Bösartigkeiten durch. Im gesamten Thriller gibt es nur einen Mann, der keine verabscheuenswürdige Kreatur ist. Die übrigen Männer sind sexgeil, geldgierig, egoistisch, skrupellos, liebesunfähig, eitel, dominant und überheblich.

Ist es realistisch, aufgrund dieses Mordmotivs sieben Menschen zu töten?

Es ist klar, dass Bella Mackie, um ihre Täterin glaubwürdig erscheinen zu lassen, starke Gründe für diese beispiellose und kaltblütig durchgeführte Mordserie anführen muss. Allerdings führt dies dazu, dass sie hier allzu oft übertreiben muss und man sich als Leser*in die Frage stellt, ob es denn wirklich realistisch ist, dass man sieben Menschenleben auslöscht, nur weil sie einer dekadenten Oberschicht angehören und sich herzlos benehmen. Einen oder zwei Morde würde man sich vielleicht noch vorstellen können, aber sieben? Hier schwächelt die Glaubwürdigkeit von Bella Mackies Thriller gehörig. Aber auch an anderer Stelle.

Auch diese Frage muss sich Bella Mackie gefallen lassen

Je mehr Morde begangen wurden, fragt man sich, was eigentlich die Polizei unternimmt. Ist es nicht sehr auffällig, wenn ein Familienmitglied nach dem anderen stirbt? Würde man da nicht erwarten, dass die Ermittler Nachforschungen anstellen, ob es nicht jemanden geben könnte, der ein Interesse daran hat, all diese Menschen umzubringen? Müsste die Polizei da nicht auch das Umfeld der Familie nach potentiellen, nichtehelichen Kindern absuchen? Nichts davon geschieht.

Wem empfehlen wir „How to kill your family” zur Lektüre?

Diese beiden Faktoren – die Tatmotivproblematik und die Untätigkeit der Polizei – nerven bei der Lektüre zunehmend. Außerdem der überzogene Hass auf den verantwortungslosen Lebensstil der Reichen und Schönen und die pauschale, klischeehafte Kritik an männlichen Verhaltensweisen. Dennoch kann Bella Mackies Thriller einer gewissen Leserschaft empfohlen werden. Dies wären alle, die sich für die internationale High Society interessieren. Bella Mackie weiß offensichtlich genau, wie diese Menschen leben und man erfährt man allerhand Überraschendes und Erschreckendes. Und womöglich kann dieser Thriller auch eher von Frauen mit Gewinn gelesen werden. Denn was der typische Mann so alles verbricht, wird hier doch ziemlich schonungslos aufgedeckt. Insgesamt hat aber vermutlich vor allem der provokante Titel “How to kill your family“ dazu geführt, dass der Kriminalroman auf Platz 1 der Bestsellerliste der Sunday Times landete. Der ist nun wirklich genial.

 

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