Zu dritt geht es nicht – Elke Heidenreichs „Alles kein Zufall“

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Zu dritt geht es nicht – Elke Heidenreichs „Alles kein Zufall“

Elke Heidenreich

© Leonie von Kleist

BUCHSZENE-Faktor:

Romantik


Komik


Weisheit


Gänsehaut


Unterhaltung


25. Mai 2016 | Bernhard Berkmann | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Von der Liebe und von Briefträgern, vom Sterben und vom Reisen, von Musik und Alltagsphilosophie und vielem mehr erzählt dieses Buch. Manche Texte umfassen nur wenige Zeilen, die längsten wenige Seiten. Und so lang wie Elke Heidenreichs über 70-jähriges Leben ist, gibt es da spannende, lustige, aber auch weniger interessante Momente. Dieses Buch zu lesen macht tatsächlich Spaß, wenngleich es einen Punkt gibt, der jüngere Leser nerven kann.

Die ideale Lektüre für die reifere Leserin abends vor dem Einschlafen oder auch am Strand

Dieses Buch besteht aus erzählten Miniaturen, aus Erinnerungsfetzen aus Elke Heidenreichs Leben. Es geht um die Liebe, um menschliche Begegnungen, um kleine Streiche, Freunde, Familie, Philosophie, Musik, ums Unterwegssein und dabei gemachte Beobachtungen am Wegesrand. Manche Texte umfassen nur wenige Zeilen, die längsten wenige Seiten, die meisten etwa eine halbe Seite. Und so lang wie ein über 70-jähriges Leben ist, gibt es da spannende, lustige, aber auch weniger interessante Momente. Von allem findet sich etwas in diesem Band.

Auch in der Vielfalt der Stimmungen, die dem Leser aus den Geschichten entgegenströmen, spiegelt sich das Leben wieder: Mal beschreibt Heidenreich heitere Augenblicke, mal schwelgt sie in Nostalgie, mal zeigt sie Trauer und Schmerz. Weil Heidenreich eine gute Beobachterin mit einem intakten Bauchgefühl ist, bilden ihre literarischen Mosaiksteinchen ziemlich oft die Wahrheit ab. Fast immer sind sie unterhaltsam.

Man liest dieses Buch schnell und mühelos, die Seiten fliegen dahin. Deshalb eignet es sich perfekt für vielfältige Lesesituationen: Abends im Bett kann man auch nur eine Seite Lesen und schon schläft man mit einer kleinen netten Geschichte im Kopf ein. Oder auf Reisen, in der U-Bahn zur Arbeit, am Strand: Ganz gleich, wie oft man beim Lesen unterbrochen wird, man wird nie den Faden verlieren, denn man nimmt immer wieder einen neuen auf. Dieses Buch erfordert keine hohe Konzentration. Aber man taucht auch nicht tief in es ein.

Eines nervt aber richtig an diesem Buch

Ganz ehrlich muss man sagen: Manche Texte sollen lustig sein, sind es aber nicht. Und manchmal wirken Heidenreichs Geschichten auf einen jüngeren Leser etwas tantig. Was schließlich regelrecht nervt, sind die häufigen Anspielungen auf die Selbstverständlichkeit, mit der man seinen Partner wechselt. Das ist wohl Heidenreichs Zugehörigkeit zur 68er-Generation geschuldet und soll Emanzipiertheit signalisieren. Diese Anspielungen mögen reifere Leser belustigen, doch wenn man nicht zu dieser Generation gehört, dann wirken sie in der heutigen Zeit etwas aus der Welt. Gegenwärtig ist es nicht mehr ein Zeichen von Unabhängigkeit, ohne Zögern den Freund zu verlassen, wenn er nicht mehr zu einem passt – sondern es ist schade. Damit zu kokettieren wie dies Heidenreich etwa in „Reigen“ tut, ist ein Relikt aus vergangener Zeit. Die heutige Generation hat tatsächlich andere Probleme.

Kleine und große Lebensweisheiten – absolut gelungen

Dennoch ist „Alles kein Zufall“ ein gelungenes Buch voller kleiner und großer Lebensweisheiten. Berührend ist es, wenn Heidenreich von den letzten Lebensminuten und Worten ihrer Freundin Elienne schreibt: Nachdem Heidenreich der auf dem Totenbett vor sich hin dämmernden Sterbenden von gemeinsamen Erlebnissen wie der Gespensterkatze und der Ausstellung Pup! erzählt hat („in der es nur um Scheiße ging“), öffnet die Freundin ein letztes Mal die Augen und sagt: „Liebe, liebe Elke.“

Der Teufel sitzt im Navigationsgerät

Unterhaltsam ist das Buch etwa, wenn Heidenreich von den Englischlernversuchen ihrer 80-jährigen Mutter erzählt: „Oooooooh, Elizabeth … Der Engländer lispelt bei s.“ Auch die Logik der Mutter ist umwerfend: Wenn man „doing“ mit o spricht, fragt sie sich, warum dann nicht auch „going“? Und wirklich sehr, sehr lustig ist Heidenreich, wenn sie einen Dialog im Auto wiedergibt, der zwischen ihr, einem nicht näher benannten Fahrer und einem Navigationsgerät seinen Lauf nimmt: Sie berichtet dem Fahrer von der Rezension eines Buchs, die sie schreiben soll. Das Navi erklärt den Weg. Und der Fahrer gerät herrlich durcheinander, weil die noch zu fahrenden Meter und die Anzahl der Buchseiten teuflisch verwirrend miteinander korrespondieren. Als dann auch noch die Ausfahrten und Abgabetermine durcheinander geraten, schließt Heidenreich mit der Erkenntnis: „Ich gebe auf. Zu dritt geht es nicht.“ Wie Recht sie hat.

Elke Heidenreich

Geboren 1943 im hessischen Korbach, studierte Elke Heidenreich Germanistik, Publizistik, Theatergeschichte und Religionswissenschaft, verließ die Universität aber ohne Abschluss. Sie startete beim Radio und wurde schließlich einem großen Publikum bekannt…
Zur Biografie von Elke Heidenreich

Elke Heidenreich

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