John Grisham: Der Polizist im Bestseller-Check | BUCHSZENE.DE

Eines Nachts erschießt der 16-jährige Drew seinen Ziehvater, weil dieser seine Mutter regelmäßig misshandelt. John Grishams „Der Polizist“, der um die Todesstrafe für Teens kreist, im Bestseller-Check.

John Grishams Roman „Der Polizist“ ist ein Justizroman mit dem altbekannten Strafverteidiger Jake

16. September 2021 | Jörg Steinleitner

John Grisham

Der Polizist

ISBN 978-3-453-27315-3

671 Seiten | € 24,00

Heyne
Bestseller-Button Belletristik

Romantik (3/5)

Komik (1/5)

Weisheit (4/5)

Gänsehaut (4/5)

Unterhaltung (4/5)

Im Zentrum von „Der Polizist“ steht ein alter Bekannter aus „Die Jury“

John Grisham kann es einfach: Auch nach dreißig Romanen legt er mit „Der Polizist“ einen 671-Seiten-Schmöker vor, der handwerklich sauber gearbeitet ist und keine Sekunde langweilt. Im Mittelpunkt steht der Rechtsanwalt Jake, den Grisham-Leser*innen bereits seit 1989 kennen, als „Die Jury“ erschien, oder 2013, als „Die Erbin“ publiziert wurde. Man versteht die Handlung auch gut, wenn einem diese Romane unbekannt sind.

Eine kleine Familie leidet unter der Gewalt eines Polizisten

„Der Polizist“ erzählt eine schlimme Geschichte: Josie, eine attraktive Frau Anfang dreißig, lebt mit ihren beiden Kindern Drew und Kiera – sie sind sechzehn und vierzehn – seit einem Jahr bei dem Polizisten Stuart. Josie, Drew und Kiera könnten eigentlich froh sein, bei dem Deputy Obdach gefunden zu haben, denn ihre letzten Stationen waren u.a. ein Wohnwagen, eine Brücke, und im Auto hatte die Familie auch schon gewohnt. Doch mit Stuart, der als Polizist einiges Ansehen genießt, gibt es ein Problem: Er trinkt. Und wenn Stuart betrunken ist, dann wird er gewalttätig.

Eines Nachts greift der sechzehnjährige Drew zur Pistole

In der verhängnisvollen Nacht, um das der gesamte Roman „Der Polizist“ kreist, kehrt Stuart sturzbetrunken von einer Sauftour zurück. Die Kinder haben sich im Kinderzimmer verschanzt, Josie versucht Stuarts Gemüt in eine positive Stimmung zu bringen, indem sie ihn mit einem aufreizenden Negligé empfängt. Der Versuch misslingt gehörig, es kommt zum Streit, bei dem der Polizist die junge Frau derart hart schlägt, dass diese zu Boden geht und das Bewusstsein verliert. Im weiteren Verlauf der Nacht kommt Josies schmächtiger Sohn in den Besitz von Stuarts Dienstwaffe und erschießt ihn.

War es Mord oder Notwehr? Ist die Todesstrafe anwendbar?

Die zu klärenden Fragen sind: War es Mord oder war es Notwehr? Muss einem Sechzehnjährigen in den USA nach Erwachsenenstrafrecht oder nach Jugendstrafrecht der Prozess gemacht werden? Darf gegen einen sechzehnjährigen Mörder die Todesstrafe verhängt werden? Hier kommt der Strafverteidiger Jake ins Spiel, ein Kleinstadt-Anwalt mit schöner Frau, Tochter, rotem Saab und Geldproblemen.

Da, wo viele Autoren aufhören, beginnt bei John Grisham die Story

Viele andere Schriftsteller würden an dieser Stelle mit dem Erzählen ihrer Geschichte aufhören, denn der Fall ist eigentlich klar. Bei John Grisham geht es hier erst los: Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks erzählt er, wie die amerikanische Justiz – mit all ihren erschreckenden Schwächen – ihre Arbeit aufnimmt. Minutiös zeigt er auf, wie ein Prozess in Gang gesetzt, wie Geschworene ausgewählt werden und welche gruseligen Taktierereien hinter den Kulissen ablaufen. Er schildert die Reaktionen der einzelnen Beteiligten – von der Familie des Toten bis zu seinen Kollegen und der Gegenseite. „Der Polizist“ ist ein Roman, der einem viele Stunden beste Unterhaltung bietet.

 

 

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