Hörbuch-Tipp: Beethoven für Kinder – mit Interview | BUCHSZENE.DE

Wenn einer Kinder für klassische Musik begeistern kann, dann er: Marko Simsa macht herrlich lebendige Hörbücher und umwerfende Live-Konzerte. Wir sprechen mit ihm über sein neues Werk: „Beethoven für Kinder“!

Marko Simsa im Interview über sein Hörbuch „Beethoven für Kinder – Freude für alle! Königsfloh und Tastenzauber“

27. Januar 2021 | Interview: Jörg Steinleitner

Beethoven für Kinder - Freude für alle

Kind: © Luis Molinero, Shutterstock / Marko Simsa Foto: Erika Mayer, Kindermusikfestival St. Gilgen

Herr Simsa, Ihr neues Werk ist ein Kinder-Hörbuch über Beethoven. Der große Komponist würde in diesem Jahr 250 Jahre alt. Warum kann es für Kinder wertvoll sein, ihn kennenzulernen?

Ich denke, es ist für die meisten oder für alle Menschen bereichernd, Musik unterschiedlichster Stile kennenzulernen. Denn Musik bereichert unser Leben.

Die klassische Musik ist ein wichtiger Teil dieses Spektrums und wenn nun ein Jubiläum ins Haus steht, dann ist das ein schöner Anlass, den Fokus eben zum Beispiel auf Ludwig van Beethoven als einen der wichtigsten Vertreter der klassischen Musik zu richten. Insofern will ich sagen, es kann für Kinder insgesamt wertvoll sein, in die große Welt der klassischen Musik einzutauchen – und Beethoven bietet da natürlich viele schöne Möglichkeiten.

Sie gehen mit Ihren Hörwerken für Kinder ja sehr geschickt vor: Einerseits versuchen Sie, die jungen Hörer*innen über die spannende Biografie des Komponisten zu locken, andererseits suchen Sie im wahrsten Sinne des Wortes „aufregende“ Musik heraus. Was an Beethovens Biographie beeindruckt Kinder?

Zuerst einmal: Danke für das Lob! Und ja, es geht mir in erster Linie um das Vorstellen und Schmackhaftmachen aufregender und spannender Musik! Die Biografie eines Komponisten interessiert mich für meine Konzerte und musikalischen Bilderbücher nur soweit, wie ich sie für Kinder als interessant und zugänglich erachte. So erlebte bzw. erlebe ich es z.B. auf jeden Fall mit Mozart. Und auch Beethoven bietet allerhand biografische Details. Bereits im Alter von 7 Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne. Er war bestimmt ein unangepasster und eigenwilliger Mensch, oftmals aufbrausend, dann aber wieder komponierte er sanfteste Melodien. Er verlor sein Gehör und komponierte trotzdem Werke wie die 9. Symphonie. Alles zusammen also ein dichtes Universum für spannende Musikgeschichten …

Vor allem wollte ich bei meinem Buch „Beethoven für Kinder – Königsfloh und Tastenzauber“ aber zeigen, wie unglaublich breit gefächert Beethovens Werke sind. Deshalb mache ich mich in diesem Buch mit meiner Nichte Laura auf, um unser liebstes Lieblingsstück von Beethoven zu finden und zu küren! Es versteht sich natürlich von selbst, dass das gar nicht so einfach ist, da er ja so unglaublich viele tolle Stücke komponiert hat.

Manchmal ist Ihr Zugang aber auch gar nicht der Komponist, sondern eine berühmte Musik?

Genau, ich habe neben meiner Komponistenporträts auch viele große Werke als „Musikalische Bilderbücher“ veröffentlicht. Denn oftmals sind es ja gerade diese Werke, die Kindern einen besonders guten Zugang zu klassischer Musik ermöglichen. Denken Sie nur an DEN großen Klassiker „Peter und der Wolf“, an das Märchenballett „Der Nussknacker“ oder die Märchenoper „Hänsel und Gretel“. Zu erwähnen sind hier natürlich auch Smetanas „Die Moldau“, Mozarts „Die Zauberflöte“, Saint-Säens „Der Karneval der Tiere“ oder Vivaldis „Vier Jahreszeiten“! Das Spektrum ist also riesengroß und bietet erstaunlichste Vielfalt!

Und welche Musiken spielen Sie auf Ihrem Hörbuch „Beethoven für Kinder – Freude für alle! Königsfloh und Tastenzauber & Beethoven-Hits für Kinder“ vor?

Will ich einen Komponisten vorstellen, dann versuche ich jedes Mal, eine abwechslungsreiche Mischung aus sehr bekannten Hits aber auch weniger bis beinahe unbekannten Geheimtipps zusammenzustellen. So war das schon 2006 im Mozart-Jahr mit meiner CD „Mozart-Hits für Kinder“ und so ist es auch bei meinen zwei Beethoven-Projekten im Hamburger JUMBO-Verlag.

Die CD „Beethoven für Kinder – Königsfloh und Tastenzauber“ erschien auch als Buch mit CD. Und weil ich noch so viel Musik „im Köcher“ hatte, veröffentlichten wir dann noch die CD „Beethoven-Hits für Kinder“.

Die beiden CDs gibt es jetzt auch als Doppel-CD in einer schönen Box unter dem Titel „Beethoven für Kinder – Freude für alle!“

Darauf zu hören sind u.a. so bekannte Werke wie Mondscheinsonate, „Für Elise“, Ausschnitte aus Symphonien und Klavierkonzerten, aus der Frühlingssonate und die Ouvertüre aus Fidelio. Dazu aber gesellen sich, und das macht für mich den absoluten Reiz der CDs aus, weniger bekannte Stücke wie Beethovens „Türkischer Marsch“ (ja, da gibt es nicht nur einen von Mozart!), manche kleine verspielte Tänze, eine wunderbare Sonate für Horn und Klavier oder das bezaubernde Lied „The Elfin Fairies“, aus 12 Irish Songs.

Im deutschsprachigen Raum gelten Sie als der wichtigste Botschafter für klassische Musik für Kinderohren. Sie machen das unglaublich kreativ. Als Sie selbst die Klassik für sich entdeckten, gab es vermutlich keinen Marko Simsa. Wie und wann entwickelte sich Ihre Begeisterung?

Mein Vater war begeisterter und interessierter Musikhörer und Museumsbesucher! Und ich denke, das hat er mir als Vorbild einfach so „mitgeliefert“! Ich bekam keine spezielle Erziehung in diese Richtung, habe ja nicht einmal ein Instrument gelernt oder später Musik studiert. Das Vorleben hat gereicht.

Sie haben sich als Kind wirklich gleich für klassische Musik interessiert?

Als ich in jungen Jahren meinen ersten Plattenspieler geschenkt bekam, war die erste Platte, die ich meinem Vater „abwarb“, eine LP mit Musik von Mozart. Darauf zu hören u.a. „Eine kleine Nachtmusik“ und der „Türkische Marsch“. Und dann ergab sich alles ganz von selbst. Die Musik gefiel mir einfach, ohne dass ich ein kleiner Klassik-Narr wurde. Die zweite Platte war mit Boogie Woogie und auf der dritten gab es Volksmusik. Und genau diese Vielfalt ist es, die ich jungen Menschen zeigen will.

Beethovens Musik ist sehr emotional. Was sollte ein Kind anhören, wenn es so richtig wütend ist?

Ganz bestimmt, das war zumindest meine eigene Erfahrung schon als junger Mensch, kann uns Musik in vielen Situationen helfen, das Leben zu meistern, zu verschönern, zu beruhigen. Wahrscheinlich muss aber jeder selbst herausfinden, welche Musik in welcher Gemüts- oder Lebenslage am besten für ihn passt. Wollen Sie z.B., wenn Sie wütend sind, kräftige Musik, die Sie emotional bestätigt? Oder sanfte Klänge, die beruhigen? Oder fröhliche Musik, die Sie Ihre Wut vergessen lässt? Nun ja: Vielleicht kann es ein Kind mit der „Wut über den verlorenen Groschen“ versuchen. Das klingt jetzt vielleicht zu naheliegend, lenkt aber bestimmt recht schön von Wut und Ungemach ab.

Und haben Sie auch einen Tipp, wenn es traurig ist?

Hier würde ich persönlich den zweiten Satz der Klaviersonate Pathétique wählen. Das ist für mich wunderbar tröstende Musik. Aber wie gesagt, das muss jeder und jede für sich selbst finden.

Beethoven hatte keine so glückliche Kindheit. Sein Vater war sehr streng. Als Siebenjähriger trat Beethoven zum ersten Mal auf. Würden Sie sagen, er war ein Genie?

Die Frage ist wohl eindeutig mit Ja zu beantworten. Denken Sie nur an die vielen und unterschiedlichsten Stücke, die er komponierte und die heute in unserem Konzert- und Musikleben fest verankert sind. Es schüttelt auch nicht jeder so einfach eine Komposition aus dem Ärmel, die zu recht würdig ist, als Europahymne erkoren zu werden!

Viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder die klassische Musik für sich entdecken. Haben Sie eine Empfehlung, wie man das im Youtube-Zeitalter hinbekommen kann?

Da kann ich nur auf Ihre Frage zu meinem Zugang als Kind verweisen. Die Vorbildwirkung ist bestimmt prägend für Kinder. Und ich finde auch, man sollte für viele Dinge nicht fixe Ziele haben, was sein Kind alles erreichen soll oder muss. Vielmehr würde ich Angebote machen und schaffen. Was sein darf oder kann ist bestimmt interessanter, als was sein muss. Aber ehrlich gesagt, ich bin da kein Erziehungsexperte. Habe eher immer aus dem Bauch heraus gehandelt.

Kann klassische Musik auch ein schönes Familienerlebnis sein?

Da darf ich ein erfrischendes „Ja!“ hinausposaunen! Und zwar kann das Familienerlebnis sowohl daheim wie auch – wenn es endlich wieder sein wird dürfen – im Konzertsaal stattfinden! Gerade habe ich ein kleines Video einer Familie erhalten, die mir zeigt, wie sie alle zusammen, Eltern und Kinder am Sofa sitzen bzw. liegen und einem meiner Hörspiele lauschen! Und immer wieder höre ich von Eltern, die mit ihren Kindern meinen Tanzeinladungen folgen und sich im Wohn- oder Kinderzimmer z.B. an einem Menuett von Mozart oder an der „Ohne Sorgen“-Polka von Johann Strauß versuchen.

Erzählen Sie bitte noch was von Ihren Live-Familienkonzerten!

Am liebsten ist mir, die ganze Familie kommt zum Konzert! Einerseits entstehen dabei wegen der Durchmischung aller Altersgruppen – Kinder, Eltern, Großeltern – teils sehr lustige und charmante Situationen. Und andererseits können Kinder und Erwachsene nach dem Konzert dann ihr Konzerterlebnis nachbesprechen und vielleicht daheim noch ein bisschen weiterhören, weitersingen, weitertanzen. Ich will aber unbedingt noch erwähnen, dass mir auch die Konzerte vor Schülergruppen ein großes Anliegen sind, denn bei denen erreiche ich auch viele Kinder, die zuhause wahrscheinlich nicht mit klassischer Musik in Berührung kommen.

Sie sind ein begnadeter Live-Performer und machen richtig große Kinderkonzerte. Wie geht es Ihnen in Corona-Zeiten, wenn alles verboten ist?

Nun ja, lustig ist anders … Aber ich bemühe mich, die gute Laune zu behalten. Zugegeben, gerade vorigen März, als alles begonnen hat und unser aller Spielpläne und Vorhaben wie ein Kartenhaus in sich zusammengestürzt sind, da war es nicht immer einfach. Mittlerweile hat man sich ja schon eine gewisse Übung im Umgang mit der Situation erarbeitet. Ich habe halt auch den Vorteil, schon sehr lange im Geschäft zu sein. Stünde ich am Anfang bzw. wäre ich gerade gekündigt worden und hätte daheim zwei kleine Kinder und all die Zahlungen liefen weiter … Ich denke, da gibt es viele, die schlimmer dran sind!

Immerhin haben wir das Glück, mitten in Europa zu leben, da gibt es zumindest einige Auffangnetze. Wenn ich z.B. meinem syrischen Kollegen zuhöre: Erst waren schon zehn Jahre Krieg und jetzt kommt auch noch Corona. Und glaubst du, es gibt staatliche Unterstützung? Also, denke ich für mich, schön bescheiden bleiben, froh sein, dass ich in Österreich lebe und die viele Zeit, die mir jetzt bleibt, sinnvoll nützen.

Was sagen Sie einem Kind, das behauptet, klassische Musik sei uncool?

Meine erste Reaktion wäre wahrscheinlich: Gut, wenn du das so siehst! Das ist okay, denn die Geschmäcker und Vorlieben sind eben sehr unterschiedlich! Aber natürlich würde das in mir erst die Freude und das Feuer des „Konzertonkels“ wecken und ich sähe es als große Herausforderung, diesem Kind zu zeigen, was mit klassischer Musik alles zu erleben ist. Die Erfahrung mit meiner Hauptzielgruppe der Kinder zwischen vier und zehn Jahren ist allerdings ohnehin eine andere und das hängt bestimmt damit zusammen, dass Kinder viel offener und neugieriger im Umgang mit unterschiedlichsten Arten von Musik sind als Erwachsene. Kinder haben weniger fix vorgefertigte Meinungen, sie lassen sich gern von unterschiedlichsten Geschichten und Musikstilen mitnehmen und begeistern. Das ist auch das Schöne an meinem Beruf und vielleicht gelingt es uns, viele Kinder zu Freunden der Klassik zu machen. Wer das später oder auch gleich nicht hören mag, auch gut, aber zumindest wurde es mal angeboten.

Bekommen Sie manchmal negative Rückmeldungen von Kindern?

Ich kann ehrlich sagen, dass mir das in den 35 Jahren meines Bühnenlebens extrem selten passiert ist – also, dass Kinder nach dem Konzert kommen und sagen, das war jetzt vielleicht ein Käse. Eher passiert genau das Gegenteil. Aber gut, vielleicht kommen die Kinder, die es uncool finden, ja hinterher nicht bei uns vorbei, wer weiß … Es ist aber ohnehin eine der wichtigsten Erfahrungen, die man als Künstler besser möglichst schnell erfährt: Du wirst es nie allen recht machen können! ABER das Ziel ist zumindest, es so gut es geht zu erreichen.

Und was machen Sie jetzt gleich noch?

Ich arbeite an verschiedenen Buchprojekten, natürlich geht es wieder um Musik! Aber ehrlich gesagt, fiebere ich schon den Zeiten entgegen, in denen wir wieder Live für unser Publikum auf die Bühne dürfen! Denn ab und zu ein Video ins Netz stellen ist ja schön und gut, aber letztlich ist unser Beruf doch gerade deshalb so schön und er wird auch deshalb nie aussterben, weil hier eben Menschen auf Menschen treffen! Menschen, die etwas zu erzählen und zu zeigen haben und Menschen, die sich gern verzaubern, unterhalten und beglücken lassen!

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