Argovia: ein Werk voller einprägsamer Bilder | BUCHSZENE.DE

Der Bürgerkrieg ist vorbei. Mitten im Chaos kämpft Chan, Erfinder einer telepathischen Droge, für die Rettung der Welt und seine Liebe. Fabian Schaefers „Argovia“ ist ein Werk voller einprägsamer Bilder.

In „Argovia“ entwirft Fabian Schaefer eine Welt der Zukunft, von der wir gar nicht weit entfernt sind

9. Oktober 2020 | Tim Pfanner

Argovia

Die 20 Gewinner*innen von je einem Exemplar des Buchs „Argovia“ stehen fest. Wer gewonnen hat, finden Sie hier heraus!


Auf die Herzen der Toten wurden weiße Wellen gezeichnet

Die Schweiz im Jahr 2031. Zwölf menschliche Körper hängen an Plastikseilen über Gleis 18. Sorgsam hat man sie in der Nacht aufgehängt. Jede der Leichen an einem eigenen Pfeiler. Junge, sportliche Männer, unbekleidet. Die gebrochenen Augen nicht friedlich geschlossen, vielmehr aufgerissen und voller Leid. Der Hals, um den sich der Strick windet, ist leicht in die Länge gezogen. Die Knochen der Männer, die sich in der wächsernen Haut abzeichnen, tragen ebenfalls noch zum Unwirklichen und Künstlichen bei. Abwechselnd aufgereiht fehlen sechs von ihnen die Beine, sechs die Arme. Allen das Geschlecht. Unter den Aufgehängten liegen deren Herzen, behutsam gesäubert und ausgelegt auf den Schwellen des Gleises. Auf jedem dieser Herzen sind mit weißer Farbe drei Wellen gezeichnet. Die Flusswellen des Wappens von Argovia.

Der Bürgerkrieg ist vorbei – übernehmen jetzt Banden die Macht?

Argovia ist ein Teil der Schweiz. Es liegt zwischen den höher entwickelten Agglomerationen Turikum und Basilea. Vor wenigen Wochen ist Argovia im Bürgerkrieg unterlegen. Ironischerweise hatte es ihn selbst begonnen. Es muss wieder aufgebaut werden, was aufwendig ist. Auf den Straßen herrscht das Chaos. Viele Gebäude sind zerstört, wichtige Verkehrsverbindungen sind noch immer unpassierbar. Banden ehemaliger argovischer Soldaten ziehen marodierend umher. Auch die zwölf Leichen über dem Gleis sind diesen Terroristen zum Opfer gefallen. Sie gehörten einer Grenzwacht an und wurden seit Tagen vermisst. Zudem hat der Bürgerkrieg viele Vertriebene hervorgebracht, die lediglich behelfsweise in Flüchtlingsheimen untergebracht sind. Allerdings arbeiten im Kloster Fhar bereits hochrangige Vertreter auf eine stabile Nachkriegsordnung hin.

Chan ist Erfinder einer Wunderdroge mit telepathischer Wirkung

Chan Effas, siebenunddreißig und Biochemiker, ist mit seiner Partnerin durch Argovia auf dem Weg nach Turikum, um eine neue Variante des von ihm entwickelten Stoffs Tylamid zu testen. Die telepathische Weltdroge hat ihm eine Karriere beschert. Es braucht intensives Training, um Tylamid – eine Weiterentwicklung von LSD – zu beherrschen. Wochenlang üben die Teens, bis sie tatsächlich miteinander, zueinander in Gedanken sprechen können. Man sagt, wenn es einem gelingt, dann ist man ein Mann oder eine Frau. Nur sehr wenige schaffen es, ihre Gedanken weiter als einige Dutzend Meter zum anderen zu übertragen. Chans Gefährtin Xhyna schafft es mit ihrer Telepathie manchmal sogar über weite Strecken. Tyla ist in den entwickelten westlichen Ökonomien praktisch überall verbreitet und aus Kommunikation, Konsum und Freizeitgestaltung nicht mehr wegzudenken.

Eine Welt der Iris-Scans, ID-Kontrollen und Hyperloops

Es ist eine Welt der Drohnen und Iris-Scans, der Gedankenkontrolle und Hyperloops, der ID-Checks und Repression, in der Chan und Yhyna leben. Doch wenn Chan dachte, er kenne die schlimmsten Nachteile und Gefahren Argovias, dann hat er geträumt. Durch einen Zufall erfährt er von einer Ungeheuerlichkeit, welche die Welt, die er kennt, in ihrem Innersten bedrohen könnte. Bald muss Chan sich entscheiden. Und dabei geht es nicht nur um Politik und Biochemie, sondern auch um Liebe.

Fabian Schaefers „Argovia“ ist wie ein Sachbuch über die Zukunft

Fabian Schaefer entwirft in seinem Roman „Argovia“ eine völlig neue Zukunftswelt. Geschickt knüpft er seine fantasievollen Entwicklungen an technische und naturwissenschaftliche Errungenschaften an, die es in der Gegenwart bereits gibt. Seine Geschichte erzählt er aus mehreren Perspektiven – immer wieder schlüpft er auch in die Gedankenwelt seiner Hauptfigur Chan. Zwischen die erzählerischen Passagen montiert er Infokästen, die sachbuchartig die Hintergründe der neuen Welt, die die Bühne für seine Story bildet, erklären. „Argovia“ ist ein erstaunliches Buch.


Wir gratulieren den 20 Gewinner*innen von je einem Exemplar des Buchs „Argovia“:

Karin Borisch aus Bischofswerda
Claudia Wüthrich aus Frauenfeld
Gabriele Kobes aus Berlin
Carola Gutewort aus Oranienburg
Katja Dirmeier aus Lahnau
Monika Wallat aus Braunschweig
Antje Petznick aus Voerde
Manfred Walgenbach aus Dortmund
Sophia Haustein aus Leverkusen
Peter Kochhan aus Mainz
Nicole Becklönne aus Halver
Ingeborg Satony-Wadewitz aus Aarbergen
Sabine Glesmann aus Mörlenbach
Margit Reichert-Wondrak aus Langenbrettach
Andrea Prior-Lind aus Achern
Rudi Marbach aus München
Heidi Dangelmaier aus Nattheim
Matthias Sperber aus Neustadt
Andrea Hielscher aus Erfurt
Christoph Altmann aus Markt Schwaben


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