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Jan Christophersens Hauptfigur Steen ist ein prominenter Schriftsteller
„Komm, lass uns abhauen. Noch ist Zeit.“ Diesen Satz spricht der Erzähler auf der zweiten Seite von Jan Christophersens Roman „Ein anständiger Mensch“. Und erst in der Rückschau begreift man, dass Steen Friis auf unheimliche Art geahnt haben muss, was alles noch kommen wird oder zumindest könnte. Steen, er ist fernsehbekannter Schriftsteller und zählt zu Deutschlands Geistesgrößen, sagt diesen Satz zu seiner Frau. Eigentlich sind die Philosophin Frauke und der „Anstandsonkel“, wie er auch scherzhaft genannt wird, weil er für seine Bücher über Anstandsfragen berühmt ist, auf dem Weg zu einem unverfänglichen Treffen: Sie wollen am Hafen Freunde abholen.Gero sieht aus wie eine jüngere Version von Robert Redford
Ute ist Steens Lektorin und ihr Lebensgefährte, mit dem sie noch nicht so lange liiert ist, heißt Gero und arbeitet als Computerspezialist für ein Startup, das Schönheitsprodukte aus Quallen herstellt. Die vier wollen ein gemeinsames Wochenende auf der dänischen Insel verbringen, auf der Steen ein Häuschen besitzt. Hierher zieht er sich regelmäßig für Wochen zum Schreiben zurück. Frauke und Steen fahren im Auto zum Hafen, wo ihre Gäste mit Geros schickem Boot einlaufen werden. Steen mag kein Wasser, kein Meer und von daher auch das Segeln nicht. Gero sieht aus wie eine jüngere Version von Robert Redford und hat Wirkung: „Gero presste Frauke auf eine Art an sich, als wären sie schon seit Ewigkeiten befreundet, dabei gehörte er als Utes ‚Neuer‘ erst seit knapp eineinhalb Jahren dazu.“Wie eine Katze streicht Ute um den Mann der anderen herum
Auch die Begrüßung zwischen Ute und Steen schildert Jan Christophersen mit Worten, die in Leserin und Leser eine gewisse Erwartungshaltung entstehen lassen: „Wie eine Katze strich sie direkt vor mich, erfasste auch meine andere Hand und führte beide hinter dem Rücken zusammen. Ich konnte die beginnende Rundung ihres Hinterns spüren. Bauch und Oberkörper drückte sie gegen mich und blickte mir von schräg unten in die Augen.“Die beiden Paare haben Überkreuz-Geheimnisse und Abenteuerlust
Von Anfang an liegt erotische Spannung über dem Zusammentreffen der zwei Paare. Mit der Präzision eines Schriftstellers, der genau weiß, was er tut, enthüllt Jan Christophersen Scheibchen für Scheibchen, dass es Überkreuz-Geheimnisse zwischen den Paaren gibt, vor allem zwischen Steen und seiner Lektorin Ute. Mit fein ausgewählten Bildern macht er Andeutungen, die der Lektüre eine immer stärkere Sogwirkung verleihen. Interessant dabei ist, dass Jan Christophersen die Paarbeziehungen jeweils als in sich intakt darstellt, und doch ist bei beiden Paaren eine Bereitschaft zum Abenteuer zu spüren.„Ich habe da eine verrückte Idee im Kopf“, sagt Frauke leise …
Das entscheidende Gespräch findet zwischen den Eheleuten Frauke und Steen statt: „Frauke drückt ihr Gesicht in meine Haare. Ich höre ihren Atem direkt an meinem Ohr. „Ich habe da eine verrückte Idee im Kopf“, sagt sie leise. „Aber ich muss dich erst fragen.“ Die Idee, die Frauke elektrisiert – man ahnt es schon – hat mit Freiheit und Sex zu tun. Steen stellt sich dumm. Aber Frauke insistiert: „An diesem Wochenende könnte sich da was ergeben. Könnte. Ich weiß nicht, ob es passiert. Aber ich würde schon gerne. Verstehst du?“Schließt „Ein anständiger Mensch“ eine solche Wette ab?
Ein anständiger Mensch
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