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Britische Höflichkeit und britischer Humor
Der Onkel meiner Frau ist Brite und ich mag ihn sehr. Vor Jahren hatte er uns in Paris zu einem Aperitif mit dem ehemaligen amerikanischen Botschafter eingeladen. Die Gattin des Botschafters hatte ihren Drink relativ schnell leer getrunken. Natürlich bot der Onkel meiner Frau ihr noch einen Drink an. Allerdings verwendete er eine Formulierung, die für mich die ideale Kombination aus britischer Höflichkeit und britischem Humor ist. Er fragte: „Möchtest du jetzt die zweite Hälfte von deinem Drink?“
Britisches Essen
Eine unfaire Legende ist ja, dass es in England nichts Gutes zu essen gäbe. Das ist ein Irrtum. Sicherlich kann man darüber diskutieren, ob fettige Fish & Chips gesund sind. Aber sie schmecken! Ich habe vor einiger Zeit in Jamie Olivers Fisch & Chips-Laden in Notting Hill welche verzehrt. Die waren fettig, aber auch unendlich köstlich. Muss immer alles nur gesund sein? Und was das Frühstück angeht, ist ja bereits die britische Durchschnittsfamilie wirklich großartig aufgestellt: Die Vielfalt an Cornflakes und Müslis, die ich von englischen Freunden an einem ganz normalen Tag zur Frühkost angeboten bekommen habe, wurde mir von deutschen Gastgebern noch nie offeriert. Oder der britische Käse – wer einmal Cornish Yarg, Stinking Bishop oder The Huntsman probiert hat, der weiß, dass die Franzosen nicht die einzigen sind, die hervorragende Käsesorten hervorbringen. Schließlich ist gerade London derart international, dass man dort ohnehin jede Küche der Welt auf den Tisch bekommt. Und zwar schon seit einem halben Jahrhundert. Ich erinnere mich, dass ich chinesisches Essen das erste Mal in London probiert habe. Das war in den 1970er-Jahren und meine Gasteltern holten es in einem Take-away. Solche Mitnehm-Restaurants gibt es heute bei uns auch überall. Aber in England war das schon vor Jahrzehnten völlig normal.
Das britische Englisch
Immer, wenn ich Briten Englisch sprechen höre, wäre ich gerne einer von ihnen. Es gibt keine Sprache, die vergleichbar vornehm und sympathisch hochnäsig klingt. Das amerikanische Englisch klingt dagegen wie ein Mund voller Kaugummi.
Die britischen Socken
Ein Kollege von mir lebt seit einigen Jahren in London. Zu Weihnachten schenkte er mir Herrensocken mit Aufdruck. Auf dem einen Paar steht „My drinking socks“. Auf dem zweiten ist „My lucky socks“ eingewebt. Und auf dem dritten: „Old Fart!“ Ein „fart“ ist ein Pups, ein „Old fart“ ein Langweiler oder „alter Sack“. Auf den Etiketten stehen exzentrische Sätze wie „At my age, I’ve seen it all and done it all. (Unfortunately, I’ve also forgotten it all!)“. Darüber ist das Bild eines älteren Herrn abgebildet.
Die britische Literatur
Was bitte wären wir ohne Joanne K. Rowling und „Harry Potter“? Oder ohne Jane Gardams so unglaublich kluge wie menschliche Romane „Ein untadeliger Mann“, „Eine treue Frau“ oder „Weit weg von Verona“ – Jane Gardams Werke wurden übrigens von der deutschen Bestsellerautorin Isabel Bogdan („Der Pfau“) übersetzt.
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