Begeisternd, inspirierend, zeitgemäß
In der Monopoly Edition Stuttgart ist sie die Top-Adresse, und jenseits der Welt beliebter Brettspiele eine der zehn meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands: die Königstraße in Stuttgart. Hier, in der Nr. 30 am Schlossplatz, findet sich das Stammhaus der 1867 gegründeten Buchhandlung Wittwer. Das Buchhaus Wittwer ist, zusammen mit vier weiteren Filialen, nicht nur eine der großen und bekanntesten Buchhandlungen Baden-Württembergs, sondern darüber hinaus auch eine der ersten Adressen im deutschen Buchhandel. Eine Buchhandlung, in der Tradition und Moderne lebendig und zukunftsfähig nebeneinander stehen – wobei sich Tradition nicht als Anbetung der Asche, sondern als Weitergabe der Glut versteht. Sie wird von der fünften Generation der Familie Wittwer geleitet, deren buchhändlerisches Selbstverständnis im steten Blick auf die Bedürfnisse ihrer Kunden gründet. „Bei allem, was wir tun“, sagt Dr. Konrad Wittwer, Inhaber und mit Rainer Bartle einer der beiden Geschäftsführer von Wittwer, „wollen wir Ihnen das gute Gefühl vermitteln, dass wir mit Freude und Engagement unseren Beruf zu Ihrer Zufriedenheit ausüben.“ Darüber hinaus liegt den Stuttgartern „die Ausbildung junger Menschen in einem schönen Beruf mit vielen Möglichkeiten der fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung“ besonders am Herzen. Zu Recht ist man „der festen Überzeugung, dass nur der, der heute hier in die Zukunft investiert, morgen auch auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken kann.“ Wie erfolgreich diese engagierte Firmenphilosophie in Stuttgart gelebt und umgesetzt wird, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass das Buchhaus Wittwer, zusammen mit weiteren unabhängigen deutschen Sortimentern, am 5. Oktober 2016 in Heidelberg von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit dem Deutschen Buchhandlungspreis 2016 ausgezeichnet wurde.
Nix gschwätzt isch gnuag globt – geschwiegen ist genug gelobt, heißt es im Ländle. Weil die Buchhandlung des Monats aber diesmal Wittwer heißt, haben wir mit Rainer Bartle dann doch mal ein wenig über Buchhandel und Kommunikation, Werbung und Marketing und das Neuerfinden im Allgemeinen und für Wittwer im Besonderen „gschwätzt“.
Herr Bartle, die Buchhandlung Wittwer erfindet sich derzeit neu. Warum?
Zunächst, weil wir unseren Kunden zeigen wollen, dass wir mindestens genauso spannend und modern sind wie die Online-Konkurrenz oder die Einkaufscenter am Stadtrand. Dann, weil Wittwer, wie andere, fest in ihrer Stadt verankerte, oft inhabergeführte Buchhandlungen, über einen bestimmten Mehrwert verfügt. Der heutzutage, in der die Digitalisierung – der wir uns alles andere als verschließen – viele Bereiche bestimmt, oft unterzugehen droht: „Der menschliche Faktor“. Wir sind an den Menschen, die bei uns ihre Bücher kaufen, näher dran. Wir verstehen sie, weil wir ihnen, unseren Kunden, „nahe stehen“. Ganz einfach, weil wir da sind – wir sind vor Ort! Hier reagieren nicht Algorithmen auf eingetippte Anfragen, hier treffen Menschen auf Menschen. Auf Ansprechpartner. Gestandene Buchhändlerinnen und Buchhändler. Gegebenenfalls auch persönliche Kümmerer. Das alles wollen wir deutlich machen und transportieren. Hier, wo wir Bücher verkaufen, und über unser lokales Buchhandelsmarketing.
Geben Sie uns drei Adjektive: Was macht gutes Buchhandelsmarketing aus?
Es ist freundlich, überraschend und zeitgemäß.
Sie haben einmal in der Stuttgarter Innenstadt eine verrückte Guerillamarketing-Aktion gestartet.
Ja, allerdings, mit den Blue-Men. Das war eine Kampagne, deren Wirkung uns selbst überrascht hat. Eine andere große Buchhandlung in Stuttgart hatte ihre Filiale geschlossen. Für ehemalige Kunden dieser Buchhandlung konnte das natürlich beängstigend wirken: Wo soll ich denn in Zukunft meine Bücher kaufen? Also haben wir gesagt, wir müssen darauf hinweisen, dass es in Stuttgart weiterhin Bücher gibt. Schwäbisches Understatement, offensiv kommuniziert.
„Das Lesen geht weiter“ hieß Ihr Slogan.
Genau. Damit wollten wir die Leute wirklich überraschen. Also haben wir die Blue-Men, eine Artistentruppe in eng anliegenden blauen Anzügen, um vier Uhr morgens auf die Straße geschickt. Die haben dann mit Kärchern, Wasserfarbe und Schablonen den „Das Lesen geht weiter“-Slogan auf die Königstraße gesprüht. Die Resonanz war überwältigend. Wir setzen die Blue-Men seither auch für andere Marketingaktionen ein.


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