Veränderung bringt Erfolg! Vergiss Ziele und Pläne | BUCHSZENE

Ziele? Pläne? Milestones? Und außerdem den roten Faden suchen? Bringt alles nichts, findet Erfolgs-Coach Cordula Nussbaum. Wer Erfolg will, muss bereit sein zu Veränderung. Einen bunten Faden brauchen wir.

Die Erfolgs-Trainerin Cordula Nussbaum erklärt, wieso es nichts bringt, das ganze Leben durchplanen zu wollen

4. Oktober 2019 | Cordula Nussbaum

Ziele, Pläne, Veränderung

© siam.pukkato – Shutterstock-ID: 753613000

Ordnung ist eben nicht das halbe Leben!

Erfolgreiche Menschen haben ein Ziel! Planen ist der Weg zum Erfolg. Ordnung ist das halbe Leben! Jahrelang haben uns Erfolgs-Gurus eingeredet, wir sollten einem roten Faden im Leben folgen – alles andere galt als „nicht erfolgreich“.


Und so war der Weg zum Erfolg ganz klar vorgezeichnet:

• Definier Deine Ziele!
• Erstell einen Maßnahmenplan mit Milestones und Deadlines.
• Zieh diesen Plan durch.
• Ach ja, und: Räum auf!

Und? Hat das bei Dir gefruchtet? Bei mir nicht. Jeden Abend musste ich in meinem Kinderzimmer einen Gang zwischen den Spielsachen schaufeln, um ins Bett zu kommen. Meine Heftführung in der Schule war ständig Grund für schlechte Noten. Und dass ich heute eine erfolgreiche Unternehmerin bin, das stand nie auf irgendeiner „Ziele-Liste“. Roter Faden? Fehlanzeige! Dennoch ging ich meinen Weg. Einen glücklichen Weg. Einen erfolgreichen Weg. Einen Weg ohne Listen. Ohne Ordnung. Ohne nach der SMART-Methode formulierte Ziele.

„Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum.“ Albert Einstein

Die Planungs-Gurus haben recht mit ihrem Ansatz, solange Du ein Ziel erreichen willst, zu dem der Weg bereits sehr gut erforscht ist. Auf einen Marathon kannst Du Dich mit detaillierten Plänen vorbereiten. Du gibst den Tag des Wettkampfs ein, Deine Wunschzeit und bekommst einen Trainingsplan, um Dein Zeit-Ziel zu erreichen.

Unsere Welt ist geprägt von Unsicherheit und Komplexität.

Für unser Leben halte ich die Anstrengung, nach einem roten Faden zu handeln, allerdings für kontraproduktiv. Aus zwei Gründen. Zum einen hat sich unser Alltag verändert. Wir leben heute in einer agilen, dynamischen (Arbeits-)Welt, der VUCA-World, die geprägt ist von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Wer hier langfristige Ziele definiert und glaubt, diese diszipliniert umsetzen zu müssen, wird auf der Strecke bleiben. Oder wie Albert Einstein sagte: „Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum.“

65 % der Grundschüler werden in Jobs arbeiten, die es noch nicht gibt.

Cathy N. Davidson von der Duke University fand heraus, dass 65 Prozent der heutigen Grundschüler später in Jobs arbeiten werden, die es heute noch gar nicht gibt. Genberater? Vor dem Jahr 2001 als versponnene Science-Fiction abgetan – heute unter den Top-Ten-Berufen, mit den größten Chancen am Arbeitsmarkt.

Unser Leben ist ein Meer voller Möglichkeiten.

 

Unser Leben ist ein Meer voller Möglichkeiten. Und täglich kommen neue Möglichkeiten dazu. Wer hier SMART-formulierte Ziele definiert und stoisch daran festhält, der wird irgendwann auf seiner angepeilten Insel landen und feststellen, dass diese gar nicht mehr so traumhaft ist, wie sie vor drei, fünf, acht … Jahren aussah. Aufs Leben bezogen: Du verfolgst einen roten Faden vom Schulabschluss über die Ausbildung rein in den Beruf – und stellst fest, die wahren Cracks Deiner Zunft sitzen heute in Indien oder Pakistan und arbeiten für den Bruchteil Deines angestrebten Gehalts. Jobziel: erreicht. Lebensziel: vergeigt.

Hab den Mut, das Setup deines Lebens zu korrigieren!

Kurskorrekturen oder Zielveränderungen gehören heute mehr denn je zu unserem Leben. Hab den Mut, das Setup Deines Lebens zu korrigieren und Dich weiterzuentwickeln. Vor Kurzem war ich mit meiner Familie beim Segeln zwischen den griechischen Inseln. Morgens entschieden wir, welche Insel wir anlaufen wollten, berechneten den Kurs und setzten die Segel. Ich stand am Steuer und schlug genau den Kurs nach Kompass ein. Was schätzt Du, wie oft musste ich das Steuerrad ein paar Zentimeter nach links, ein paar nach rechts drehen, damit ich den gewünschten Kurs halten konnte? Ständig! Keine drei Sekunden konnte ich das Steuer starr festhalten oder gar festbinden, sonst hätten wir sofort den angepeilten Kurs verlassen. Wind und Strömung versetzten das Boot ständig, und Nachjustieren war eine Pflicht. Und genau so ist es im Leben!

Korrigieren, Verändern, Nachjustieren – das ist das echte Leben.

Es ist eine Fehlannahme, dass wir mit dem perfekten Setting (perfekter Partner, perfekte Ausbildung, perfekter Body) und einem festen Blick auf ein Ziel einem roten Faden folgen können. Nein, das Leben ist ein ständiges Korrigieren, Verändern, Nachjustieren. Wie auf dem Meer sind wir auch im Leben ständigen Strömungen und Winden ausgesetzt, wo wir mit leichter Hand das Steuer neu ausrichten dürfen.

Verändern ist der ganz normale Alltag und keineswegs lästige Pflicht.

Ist das anstrengend? Anstrengend ist es nur, wenn Du das Justieren als Kampf betrachtest. Als unnötigen Kraftakt. Wenn Du jede Veränderung, jedes Einstehen für Dich, jede Abweichung vom Kurs als lästige Pflicht betrachtest. Wenn Du Dir aber klarmachst, dass ein Segelboot nur auf Kurs bleibt, wenn Du ständig justierst, dann weißt Du, dass Verändern der ganz normale Alltag ist. Korrekturen sind Bestandteil des Lebens!

In der Psychologie gibt es fünf verschiedene Persönlichkeitstypen.

Zweiter Grund, warum ein roter Faden der Tod von Erfolg ist: Viele Menschen fühlen sich von „klaren Zielen“ eingeschränkt. Weil sie lieber die Träumer sind, und nicht die Planer. Weil das Leben ein Meer der Möglichkeiten ist, in dem sie entdeckungsfreudig herumpaddeln wollen. In der Persönlichkeitspsychologie können wir unterschiedliche Persönlichkeitstypen wissenschaftlich valide messen und darstellen. Für meine ersten Bücher gab ich ihnen einen Namen. Da gibt es die Dr. Annaliese Logisch als Protagonistin der Zahlen-Daten-Fakten-Menschen, den Otmar Ordentlich als Protagonist der systematischen Planer und Zeitmanager sowie den Marc Macher als Vertreter der zielstrebigen Antreiber. Ich rief in der Welt der Kreativen Chaoten den Ideensprudler und Ausprobierer Igor Ideenreich ins Leben, die lern-freudige Wanda Wills-Wissen sowie die empathische Unterstützerin Hanni Herzlich.

Als Kreativer Chaot brauchst du keinen Lebensplan fürs Glück.

Jeder von uns ist in einer dieser Typenwelten zu Hause und hat entsprechend eine völlig andere Herangehensweise an das Thema „den roten Faden leben“. Mach Dir klar, dass Du als Kreativer Chaot keinen Lebensplan brauchst, um glücklich zu werden. Viele Kreative Chaoten setzen sich zwar regelmäßig hin, definieren ihre Ziele. Doch sobald diese notiert sind, verlieren sie die prickelnde Attraktivität, und sie werden überhaupt nicht angepeilt.

Such nicht nach einem roten Faden im Leben, web dir einen bunten!

Oder die Kreativen Chaoten ziehen zwar los in Richtung Ziel, kommen aber unterwegs vom Weg ab – und fühlen sich schlecht. Selbst wenn die neu entdeckte Alternative sehr viel schöner war – es bleibt das schale Gefühl, einfach keine Disziplin zu haben, keinen roten Faden. Such nicht nach dem roten Faden im Deinem Leben – web Dir einen bunten! Eigne Dir eine gelassene LMAA Haltung an. Denn: Abenteuer beginnen, wenn Pläne enden.


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