Eine Bucket List ist kein Pflichtprogramm | BUCHSZENE

Auf eine Bucket List oder Löffelliste schreiben wir Dinge, die wir noch tun wollen, so lange wir leben. Wie man damit umgehen sollte, erklärt Cordula Nussbaum auch anhand einer 27-jährigen Krebspatientin.

Eine Bucket List kann inspirieren, findet Cordula Nussbaum, aber sie sollte nicht zum Pflichtprogramm werden

17. Oktober 2019 | Cordula Nussbaum

Bucket-List ist kein Pflichtprogramm

© Rawpixel.com – Shutterstock-ID: 480527896

Zwei krebskranke Männer schreiben auf, was sie noch erleben wollen.

Kennst Du die Idee der Löffelliste? Den Sinn einer „Bucket List“? Vielleicht hast Du den Film „Das Beste kommt zum Schluss“ gesehen, in dem die beiden krebskranken Männer Edward und Carter aufschreiben, was sie noch erleben wollen, bevor sie den Löffel abgeben. Viele Amerikaner erstellen seit Langem eine Bucket List mit Dingen, die sie unbedingt machen wollen, bevor sie abtreten. „Kick the bucket“ heißt wörtlich „den Eimer treten“ und frei übersetzt „den Löffel abgeben“.

Promis treffen, einen Elefanten waschen, eine Stiftung gründen.

Spätestens seit dem Film-Debüt 2007 kritzeln Kneipenbesucher ihre Lebenswünsche in trauter Runde auf Bierdeckel, Blogger veröffentlichen ihre Listen im Internet und an so mancher Schlafzimmertür hängen Plakate mit den intimsten Träumen aus den Bereichen Luxus (auf einer 25-Millionen-Dollar-Jacht schlafen), Promis (Richard Branson zum Kaffee treffen), Reisen, Natur, Tiere (einen Elefanten waschen), Sport, Mut (dem Chef die Meinung sagen), Ehrgeiz (meinen Doktor machen) oder Nächstenliebe (eine Stiftung gründen).

Wer nur Highlights hinterherhetzt, verpasst die wahren Glücksmomente.

Lass Dich von den Listen anderer Menschen inspirieren. Klar wirst Du einige Dinge der anderen banal finden oder überzogen – aber wir sind eben alle sehr unterschiedlich, und damit auch unsere Löffellisten. Erstell Deinen persönlichen Wunschzettel, was Du im Leben an coolen Sachen machen willst. Und nimm diese Liste dann mit einer gesunden Portion LMAA an. Denn wenn Du jetzt denkst, das sei eine To-do-Liste, die Du abgearbeitet haben musst, bevor es zu spät ist, dann kann es passieren, dass Du nur mehr den vermeintlichen Highlights im Leben nachhetzt – und die wahren Glücksmomente an Dir vorüberziehen.

Eine Bucket List ist kein Pflichtprogramm für ein erfülltes Leben.

Wir werden keinen Deut glücklicher oder unglücklicher sterben, wenn die Liste nicht „abgearbeitet“ ist – also sieh sie bitte nicht als Pflichtprogramm für ein „erfülltes Leben“.

Es sind vor allem auch banale Aktivitäten, die uns glücklich machen.

Ja, es macht Sinn, darüber nachzudenken, was uns Spaß macht im Leben. Wobei wir Freude hätten. Und es fühlt sich wild und inspirierend an, „unmögliche“ Sachen zu notieren. Weil es dem Leben mehr Farbe geben kann – aber nicht, weil wir uns ärgern würden, es nicht getan zu haben, wenn wir körperlich nicht mehr in der Lage sind. Träume, sei wild und unersättlich in Deiner Bucket List. Aber hol jetzt und heute schöne Aktivitäten in Deinen Alltag. Aktivitäten, die banal wirken, aber die uns tief im Inneren glücklich machen. Jeden Tag.

Es lohnt sich, sich Holly Butchers Bucket List genauer anzusehen.

Holly Butcher war erst 27 Jahre alt, als sie am 4. Januar 2018 an Knochenkrebs starb. Auf ihrem Facebook-Account hat die Australierin eine ganz besondere Bucket List hinterlassen:

• Nicht darüber beschweren, wie schrecklich die Arbeit oder wie anstrengend das Workout ist – sondern dankbar dafür sein, dass man körperlich dazu in der Lage ist.
• Kein Geld horten, bis man stirbt – materielle Dinge sind egal, wenn das Leben zu Ende geht.
• Freunden eine Freude machen, anstatt ein neues Kleid, Schmuckstück oder Kosmetikprodukt für die nächste Hochzeit zu kaufen.
• Die Zeit anderer wertschätzen – pünktlich sein und niemanden warten lassen.
• Geld für Erlebnisse ausgeben, nicht für materielle Dinge.
• Mehr Zeit in der Natur verbringen.
• Den Moment genießen und festhalten, anstatt ihn mit der Handykamera für andere Leute zu fotografieren.
• Hin und wieder versuchen, früher aufzustehen, um den Vögeln zu lauschen und die Sonne aufgehen zu sehen.
• Musik hören und dabei richtig zuhören.
• Mit Freunden sprechen und das Handy weglegen.
• Das Haustier kraulen.
• Verreisen, wenn das der eigene Wunsch ist.
• Arbeiten, um zu leben, nicht umgekehrt.
• Das tun, was einen glücklich macht.
• Kuchen essen mit null Schuldgefühl.
• Nein sagen, wenn man etwas nicht möchte.
• Sich nicht von anderen Menschen unter Druck setzen lassen, die zu wissen meinen, was für einen ein erfülltes Leben ist.
• Den Liebsten sagen, dass man sie liebt, wann immer man die Chance dazu hat. • Sich dessen bewusst sein, dass man die Kraft hat, Dinge oder Situationen zu ändern, die einen unglücklich machen.

Was steht auf Deiner Löffelliste?


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