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Jaron Laniers „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ im Bestseller-Check

Titelbild Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst Jaron Lanier

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9. September 2018 | Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Social Media gefährden unsere Freiheit. Sie machen uns zu schlechten Menschen und Daten-Sklaven. Jaron Laniers „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ im Bestseller-Check.


Jaron Lanier erklärt, warum Social Media unsere Freiheit bedrohen

Jaron Laniers „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ ist eine lohnenswerte Lektüre für alle, die sich im Internet bewegen. Denn anders als viele andere Bücher über das Netz zeigt Jaron Laniers Werk nicht nur die Auswirkungen von Social Media auf jeden einzelnen von uns. Der Autor, der zu den Tech-Pionieren des Silicon Valley zählt, erklärt vor allem auch, wie gefährlich Social Media für unsere freiheitliche Gesellschaft ist. Dabei verdammt er Social Media keineswegs.

Wir sollten jetzt aus Social Media aussteigen, um ein neues, besseres Netz zu ermöglichen

Jaron Lanier sagt nur, dass wir jetzt sofort aussteigen sollten, um einen Neustart zu ermöglichen. Weil die Grundidee von Social Media eigentlich brillant ist. Weil aber die bestehenden Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter & Co. unter Fehlern leiden, die bereits jetzt den Zusammenhalt unserer Gesellschaften und damit unsere Demokratie gefährden. Die sechs Thesen, die er „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ zugrunde legt, sind drastisch formuliert: Social Media führe zur „Arschloch-Herrschaft“, zu totaler Überwachung, es zwinge seinen Nutzern Inhalte auf und verändere ihr Verhalten auf ungute Weise, es sei ein „perverses Geschäftsmodell“ und es fördere die Existenz von Fake People und Lüge.

„Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ erklärt die „Arschloch-Herrschaft“

Die „Arschloch-Herrschaft“ werde dadurch begründet, so Jaron Lanier, dass extremere Inhalte sich in Social Media schneller verbreiten als gemäßigte. Die totale Überwachung kennen wir alle. Ihr mildestes Anzeichen sind die Werbeanzeigen, die an uns ausgespielt werden; und die natürlich gar nicht zufällig häufig Produktgruppen präsentieren, nach denen wir kürzlich erst zum Beispiel bei Google gesucht haben. Dadurch, dass die Algorithmen entscheiden, welche Inhalte wir sehen, ist es uns unmöglich, uns ein unabhängiges Bild von einem Thema zu machen. Die Suchmaschine zwingt uns Inhalte auf. Wir sehen nur das, was sie uns zeigen will. Wir verlieren damit auch die Fähigkeit, uns in die Gedankenwelten anderer Menschen hineinzuversetzen. Es ist das Filterblasenphänomen. Damit einher geht eine Radikalisierung: Jemand, den die Social Media Plattform als grundsätzlich offen für Trump-Sprüche erkannt hat, wird sie mit immer mehr Trump-Sprüchen füttern.

Wir tun nicht mehr das, was wir tun wollen, sondern das, was als Post gut ankommt

Aber auch unser individuelles Verhalten verändert sich durch Social Media: Wir tun nicht mehr, was wir tun wollen, sondern das, was auf Social Media gut ankommt. Kürzlich stand ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der davon berichtete, dass Hotels ihr Design zunehmend so gestalten, dass es Instagram-tauglich ist. Es geht nicht mehr darum, sich in einem schönen Hotel wohlzufühlen, sondern es geht darum, dort gute Fotos für Posts machen zu können, die häufig geliked werden. Wobei geliked zu werden noch die angenehmere Seite von Social Media ist. Jaron Lanier sagt, dass die schlimmere, die fiesere Seite die Bestrafung ist. Er nimmt Bezug auf Erfahrungen, die jeder schon einmal gemacht hat: Man postet etwas, von dem man glaubt, dass es gut ankommt. Aber es wird dann wider Erwarten nicht häufig angeklickt. Man versteht es nicht. Jaron Lanier schreibt, dass es hier auch häufig nichts zu verstehen gibt. Denn Social Media sei auch Willkür und Ungerechtigkeit. Mit der Bestrafung bringt die Plattform den Nutzer dazu, das nächste Mal etwas Extremeres zu posten. Denn wie der Pawlowsche Hund lechzt der Mensch nach Belohnung.

Jaron Laniers Buch hat kleine Schwächen, aber am Ende steht ein Traum

„Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ ist kein Buch, nach dessen Lektüre man sich gut fühlt. Es macht einen wütend und/oder traurig. Es liest sich auch nicht so flüssig wie es sich lesen könnte. Jaron Lanier mag ein Tech-Pionier und angesehener Journalist und Wissenschaftler sein, aber er ist kein sehr eleganter Autor. Seine Argumentationsweise ist nicht immer logisch und seine Sprache ziemlich drastisch. Doch werden diese Schwächen des Buchs dadurch ausgeglichen, dass er wirklich anschaulich macht, weshalb wir sofort unsere Social Media Accounts löschen sollten. Nur so können wir die Dominanz der bestehenden Plattformen brechen und eine neues, besseres Internet begründen. Mit Social Media, die wirklich sozial sind und Menschen wirklich verbinden; und uns nicht nur ausbeuten. Das ist der schöne Hippiegedanke, der hinter „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ steckt. Wir sollten aufhören zu träumen und handeln. Ehe es zu spät ist und die Trumps der Welt die Herrschaft komplett übernommen haben.

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