Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind | BUCHSZENE

Susanne Fritz‘ Roman „Wie kommt der Krieg ins Kind“ in der Buchempfehlung

Titelbild Wie kommt der Krieg ins Kind

© Pearl-diver shutterstock-ID: 117329755

5. November 2018 | Martina Darga


In ihrem für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman „Wie kommt der Krieg ins Kind“, begibt sich Susanne Fritz auf die Suche nach ihrer Mutter als gefangenes Kind. Ein persönliches, eindrückliches Werk.


Ein Fingerabdruck der Mutter, hinterlassen bei der Geheimpolizei

„Ein Fingerabdruck, hinterlassen vor gut siebzig Jahren mit blauer Tinte auf gelbem Karton, entlockt mir einen unhörbaren Schrei. Es ist der Fingerabdruck meiner Mutter. Zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung im April 1945 durch die GPU, die sowjetische Geheimpolizei, vierzehn, bei Aufnahme in das polnische zentrale Arbeitslager Potulice/Potulitz gerade fünfzehn Jahre alt.“

In „Wie kommt der Krieg ins Kind“ erzählt Susanne Fritz von ihrer Familie

Von dem frühen Schicksal ihrer Mutter weiß Susanne Fritz nur Bruchstückhaftes, nach dem Tod der Mutter beginnt sie zu recherchieren. Sie möchte mehr erfahren, über ihre Familie und über sich selbst. Ihr dringendes Bedürfnis, die verborgenen Auswirkungen der damaligen Ereignisse auf ihr eigenes Dasein zu verstehen, lässt sie in ein tiefes Gespräch mit der Vergangenheit eintauchen. So entsteht „Wie kommt der Krieg ins Kind“ – eine sehr persönliche Spurensuche, deutsch-polnische Geschichtsschreibung und berührende Erzählung in einem.

Die Frage nach Menschlichkeit und Verrat, Identität und Sprache

Susanne Fritz stützt sich auf Tagebücher, die ihre Mutter erst nach der Entlassung aus der Gefangenschaft geschrieben hat – und die sie selbst erst vier Jahre nach dem Tod der Mutter liest. Auch zieht sie historische Dokumente zu Rate und spricht in Polen mit Zeitzeugen und Familienmitgliedern. So leuchtet sie in „Wie kommt der Krieg ins Kind“ nicht nur die eigene Familiengeschichte aus, sondern das deutsch-polnische Verhältnis über zwei Weltkriege hinweg mit all den historischen Umwälzungen und ihren Auswirkungen auf die Einzelnen. Und während sie ihre Suche nach dem Familienschicksal beschreibt, fragt sie nach Menschlichkeit und Verrat, Identität und Sprache.

„Wie kommt der Krieg ins Kind“ – Longlist des Deutschen Buchpreises 2018

„Schwer vorstellbar, wie ein literarisches Werk dieser Tage tiefer in das Herz der Gegenwartsdebatten vordringen sollte als dieses“, schreibt die Süddeutsche Zeitung über diesen Roman, der auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis stand. Genau so ist es.

Mehr zur Rubrik
Der frisch gegründete Ecco Verlag präsentiert seine ersten Werke
Titelbild Ecco Verlag vier Romane

Gegenwartsliteratur | 2. April 2021 | Tina Rausch

Eine Frau, die sich wehrt. Eine Frau, die keine Kinder will. Eine Frau, die alle Männer verzaubert. Und eine Hochzeit in Polen. Wir präsentieren vier starke Romane des Ecco Verlags.

Katharina Fuchs‘ Roman „Lebenssekunden“ erzählt ein packendes Stück Zeitgeschichte
Titelbild Lebenssekunden

Gegenwartsliteratur Gewinnspiel-Highlights | 1. März 2021 | Bernhard Berkmann

Die eine ist Fotografin. Die andere Spitzensportlerin. Beide haben Träume, die von Bundesrepublik und DDR in Frage gestellt werden. Katharina Fuchs‘ fesselnder Roman „Lebenssekunden“ im Buchtipp.

Stefanie Gregg, Mitglied des Syndikats, über die berührenden Reaktionen auf ihren Roman „Nebelkinder“
Titelbild Nebelkinder

Gegenwartsliteratur Werkstattbericht | 9. Dezember 2020 | Stefanie Gregg

Von Hunger, sexuellem Missbrauch und Essen als Liebessersatz erzählen die Zuschriften, die Stefanie Gregg von den Leser*innen ihres Romans „Nebelkinder“ bekommt. Die Autorin gewährt berührende Einblicke.

Mit „Das Museum der unerfüllten Versprechen“ versetzt uns Elizabeth Buchan nach Prag, Paris und Berlin
Titelbild Das Museum der unerfüllten Versprechen

Gegenwartsliteratur | 9. Oktober 2020 | Stephanie Pointner

Ein Au-Pair, ein rebellischer Musiker und eine durch und durch ungewöhnliche Museumsidee. Elizabeth Buchans „Das Museum der unerfüllten Versprechen“ ist ein Roman über Liebe, aber auch über Politik.


Logo BUCHSZENE.DE