Naomi, die Heldin in Nora Roberts‘ Thriller „Die Stunde der Schuld“ ist zwölf, als sie feststellt, dass ihr gläubiger Vater in einem Kellerloch eine Frau gefangen hält. Frau Bluhm hat den Roman gelesen.
Frau Bluhm liest „Die Stunde der Schuld“: 5 von 5 Bluhmen
Nora Roberts‘ Hauptfigur entlarvt den eigenen Vater als Monster
Naomi ist nicht ganz zwölf Jahre alt, als ihr etwas passiert, was keinem Kind ihres Alters jemals passieren sollte: Während eines nächtlichen Gewitters in West Virginia erwacht sie und beobachtet ihren Vater, der draußen durch den Garten geht. In der Annahme, er würde an einer Überraschung für ihren bevorstehenden Geburtstag arbeiten, schleicht sie ihm hinterher und entdeckt dabei, dass ihr strenger, gläubiger Vater eine junge Frau in einem Erdkellerloch versteckt hält. Naomi hilft der jungen, gequälten und schwer verletzten Frau zu entkommen und gleichzeitig der Polizei, in ihrem Vater einen gefürchteten Serientäter zur Strecke zu bringen.
Naomi lebt unter falschem Namen und ohne festen Wohnsitz
Seit diesem Tag hat Naomi ihren Vater nie mehr gesehen oder gesprochen, und doch werden seine Verbrechen und ihre Heldentaten von Journalisten im ganzen Land verbreitet und in unzähligen Artikeln, Büchern und sogar einem Film verarbeitet. Naomi hat seitdem nur einen Wunsch: Dies alles hinter sich zu lassen. Und so tingelt sie als freischaffende Fotografin durchs Land, unter falschem Namen und niemals mit festem Wohnsitz.
Plötzlich erfüllen sich ihre Träume – bis der Horror erneut beginnt
Das ändert sich allerdings schlagartig, als sie sich an der Westküste in ein Haus auf den Klippen verliebt. Sie beginnt es umzubauen, Fuß zu fassen und sogar Freunde zu finden. Niemals erfuhr Naomi Stabilität und Verlässlichkeit, doch nun hat sie ein Haus, und sogar einen Hund und schließlich sogar einen Freund, Xander, den attraktiven Automechaniker. Alles läuft gut für Naomi, bis sie unweit ihres Hauses über eine Leiche stolpert.
Entführt, missbraucht, entstellt – Naomi beschleicht ein Verdacht
Die junge Frau wurde entführt, missbraucht und entstellt. Alles erinnert an die Opfer von Noras Vater. Doch der sitzt seit 17 Jahren sicher verwahrt in Haft. Naomis Geheimnis beginnt in der Kleinstadt bekannt zu werden und eine weitere Frau verschwindet. Naomi muss der Vergangenheit ins Auge blicken, um zu verstehen, was passiert und gerät dabei selbst in allergrößte Gefahr.
Ich kenne jedes Buch, das Nora Roberts geschrieben hat
Im Jahr 1979 irgendwo im winterlichen Maryland, passierte etwas, das auf mein Leben, so wie auf das vieler anderer, einen großen Einfluss hatte. Und das, obwohl ich noch nicht mal geboren worden war. Während eines Schneesturms eingeschneit, begann die damals knapp 30-jährige Nora Roberts vor Langeweile all die Geschichten aufzuschreiben, die sie so im Kopf hatte. Welch ein Glück für uns, denn sehr bald darauf wurde klar, dass diese Frau einfach kann was sie tut. Ich habe so gut wie alles gelesen, was sie jemals veröffentlicht hat. Und obwohl ihre Bücher natürlich einen unverwechselbaren Stil haben, bin ich doch immer wieder beeindruckt davon, wie sie sich von Roman zu Roman immer wieder neu erfindet. Klar, ein Schema ist natürlich erkennbar, und doch ändert das nichts an der Tatsache, dass jedes ihrer Bücher wieder eine neuartige Geschichte mit guten Protagonisten und spannender Handlung aufweisen kann. „Die Stunde der Schuld“ bildet dabei keine Ausnahme.
„Die Stunde der Schuld“ lässt eindringliche sprachliche Bilder entstehen
Das Buch beginnt mit einem ziemlich langen Einstieg über die junge Naomi und deren schreckliche Erlebnisse in jener Nacht, die alles veränderte. Ziemlich lang, wie gesagt, aber unbestreitbar wortgewaltig und spannend. Ich war sehr beindruckt, wie Nora Roberts von Anfang an eindringliche sprachliche Bilder entstehen lässt, die durch ihre Begabung zum atmosphärischen Aufbau und der Entwicklung des Spannungsbogens nur noch unterstrichen werden.
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