Megan Goldin: The Escape Game. Buchkritik | BUCHSZENE

Ein Team erfolgreicher Banker, eingesperrt im Aufzug. Ein mysteriöser Selbstmord. Und eine junge Bankerin in Gefahr. Die Lektüre von Megan Goldins „The Escape Game“ sorgt für Herzrasen und Angst.

Megan Goldins Thriller „The Escape Game – Wer wird überleben?” spielt an der Wall Street

24. April 2020 | Stephanie Pointner

Titelbild The Escape Game

©Azat Valeev shutterstock-ID 536853592

Ein harmloses Meeting endet in „The Escape Game“ in einem Albtraum

Vincent, Sylvie, Jules und Sam sind erfolgreiche Banker an der Wall Street und arbeiten im selben Team. Eines Tages erhalten sie eine E-Mail der Personalabteilung, in welcher sie zu einem kurzfristig angesetzten Meeting einberufen werden. Alle vier begeben sich zu dem Treffpunkt und besteigen denselben Fahrstuhl. Als dieser unerwartet stecken bleibt, gehen die Arbeitskollegen noch von einem technischen Defekt aus, doch schon bald tauchen erste Hinweise auf. Und diese weisen auf ehemalige Teamkollegen, Todesfälle und firmeninterne Intrigen hin. Im Laufe der Zeit wächst unter den vier Bankern – gezielt von außen geschürt – das Misstrauen und verwandelt sich in Hass. Bald wird den Arbeitskollegen klar, dass sie nicht in einem harmlosen Spiel gefangen sind, sondern in einen Kampf ums nackte Überleben.

Lucy deckt ein schwerwiegendes Verbrechen in ihrer Firma auf

Megan erzählt ihre Geschichte auf zwei Ebenen: Kapitel rund um die Geschehnisse im Aufzug wechseln sich ab mit solchen, die um die junge Bankerin Sara Hall kreisen. Sara gehörte einst zum Team, ist aber laut den Hinweisen im Aufzug mittlerweile verstorben. In den Sara-Kapiteln wird ihre Arbeit, ihr belastendes Privatleben und ihre Freundschaft mit einer weiteren Arbeitskollegin Lucy näher erläutert. Als Leser*in schließt man die junge, engagierte Frau sofort ins Herz und folgt diesen Kapiteln daher gerne und wie gebannt. Hier erfährt man auch von Lucys angeblichem Suizid und von Saras Gedanken, die hinter dem Tod einen Mord vermutet. Entgegen aller Warnungen beginnt Sara zu ermitteln und deckt dabei schwerwiegende Verbrechen innerhalb ihrer Firma auf. Die junge Frau unterschätzt allerdings die Macht der Wall Street und verliert alles, was ihr wichtig ist.

Dieser Thriller verursacht Herzrasen und schlaflose Nächte

Megan Goldins „Escape Game – Wer wird überleben?“ besteht aus kurzen Kapiteln, aber ausnahmslos jedes wird mit einem Cliffhanger beendet, wodurch man gar nicht anders kann, als weiterzulesen, da die Spannung ansonsten nicht auszuhalten ist. Daher muss man diesen Thriller in kürzester Zeit beenden und hat die eine oder andere schlaflose Nacht. Die Geheimnisse, Missstände und Verbrechen, die sich erst nach und nach offenbaren, jagen einem einen Schauer über den Rücken und bescheren einem Angstzustände und Herzrasen. Zudem überzeugt Megan Goldin mit ihren äußerst authentischen Protagonisten. Alle Figuren haben sowohl sympathische Züge als auch Schwächen, Ängste und Sorgen. Bei ausnahmslos jeder ihrer Figuren schlummert etwas Böses unter der Oberfläche, sei es Geldgier, Machtmissbrauch oder Rachegelüste. All diese Abgründe offenbaren sich erst nach und nach. Als Leser*in muss man daher sein anfängliches Bild über die einzelnen Charaktere immer wieder revidieren.

Megan Goldin beschreibt die Wall Street sehr authentisch

Besonders gelungen fand ich die authentischen Beschreibungen der Arbeitsverhältnisse an der Wall Street. Der ständige Druck, die beste Leistung zu liefern, der viele Banker in die Drogensucht treibt, der Schlafmangel und die Missgunst zwischen den Kollegen werden ebenso glaubwürdig beschrieben wie die untergeordnete Stellung der weiblichen Mitarbeiterinnen. Neben sexuellen Übergriffen stellt Megan Goldin hier die schlechtere Bezahlung von Frauen bei gleicher Leistung immer wieder anschaulich dar. Aber auch die fehlenden Sozialkontakte aufgrund der langen Arbeitszeiten und deren Auswirkung auf Beziehungen und Affären finden ihren Platz im Buch. Als Leser*in kann man sich den psychischen Druck und die ständige Angst ausgetauscht zu werden, förmlich spüren – und man fragt sich, ob Geld einen derartigen Einfluss auf die Lebensqualität haben sollte.

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