Camilla Sten: „Das Dorf der toten Seelen“. Kritik | BUCHSZENE

Die Polizei macht in einem schwedischen Dorf eine erschreckende Entdeckung: Alle Einwohner sind weg! Filmemacherin Alice geht dem Rätsel von Camilla Stens „Das Dorf der toten Seelen“ auf die Spur.

„Das Dorf der toten Seelen” ist Camilla Stens Thrillerdebüt, der Tochter von Vivica Sten

21. April 2020 | Stephanie Pointner

Titelbild Das Dorf der toten Seelen

©TTstudio shutterstock-ID268734875

Eine auf dem Marktplatz gesteinigte Frau und ein Säugling in der Schule

Camilla Stens „Das Dorf der toten Seelen“ versetzt uns ins Jahr 1959. Silvertjärn ist ein abgelegenes Dorf in Schweden. Knapp 900 Menschen leben hier. Früher lebte der Ort vom Grubenbau, doch dieser wurde eingestellt. Nach und nach verzweifeln die Bewohner über die zunehmenden Arbeitslosenzahlen und den damit einhergehenden Alkoholismus. Da plötzlich keiner der Einwohner mehr in den Nachbarorten gesehen wird, begibt sich eine Polizeistreife in das Grubendorf und macht eine entsetzliche Entdeckung: Eine Frau wurde auf dem Marktplatz gesteinigt und in der Schule des Dorfs finden die Ermittler einen frisch entbundenen Säugling. Von der restlichen Bevölkerung hingegen fehlt jede Spur. Schnell stellt sich die Frage, wie ein ganzes Dorf von einem auf den anderen Tag verschwinden kann, ohne Spuren zu hinterlassen. Diese Frage wird trotz intensiver Ermittlungen für lange Zeit unbeantwortet bleiben.

Die junge Alice startet ein Filmprojekt und geht dem Rätsel auf die Spur

Sechzig Jahre später beendet Alice ihr Studium an einer Filmhochschule. Da die junge Frau keine Aufträge erhält, beschließt sie ihr eigenes Filmprojekt zu starten. Alices Großmutter hat der Enkelin von frühester Kindheit an von dem Rätsel von Silvertjärn erzählt. Auch ihre Eltern und die kleine Schwester waren damals spurlos verschwunden, sie war über den Verlust nie hinweggekommen. Mit diesem persönlichen Hintergrund und der Hoffnung mit dieser Geschichte den Durchbruch als Regisseurin zu schaffen, begibt sich Alice gemeinsam mit einer vierköpfigen Crew in das Grubendorf um den damaligen Geschehnissen auf den Grund zu gehen.

Einzelne Teammitglieder berichten von beunruhigenden Erlebnissen

Während das Team den Ort, die heruntergekommenen Gebäude und den umliegenden Wald erkundet, reagieren einzelne Crewmitglieder paranoid auf die Situation. So berichten sie von einer unheimlichen Gestalt, Gelächter aus dem Walkie-Talkie und kirchlichen Gesängen. Alle diese Ereignisse lassen sich jedoch noch einigermaßen erklären – bis ein Mitglied der Gruppe ermordet wird. Steckt jemand aus dem Filmteam hinter der Tat oder geht in Silvertjärn tatsächlich etwas Unerklärliches vor sich?

„Das Dorf der toten Seelen“ lässt ein beklemmendes Gefühl entstehen

Camilla Sten wechselt in ihrem Thriller zwischen zwei, auf unterschiedlichen Zeitebenen spielenden Erzählsträngen ab. Auch beendet sie jedes Kapitel mit einem Cliffhanger, weshalb man gar nicht anders kann, als weiterzulesen. Die in der Vergangenheit spielenden Kapitel sind aus Sicht einer Dorfbewohnerin erzählt und offenbaren nach und nach die extremen und erschreckenden gesellschaftlichen Entwicklungen im Dorf. Jene Kapitel rund um die aktuellen Geschehnisse sind in der Ich-Perspektive von Alice verfasst. Letzteres verstärkt das beklemmende und beängstigende Gefühl, welches man als Leser*in das gesamte Buch über hat. Zudem beginnt man beim Lesen beinahe schon fanatisch nach dem Hintergrund der damaligen Geschehnisse zu suchen.

Camilla Sten gelingt ein düsteres, beinahe mystisches Thrillerdebüt

Wie Camilla Sten schließlich die Hintergründe des Verschwindens der Dorfbewohner auflöst, ist so einfach wie genial und glaubwürdig. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin, da es im Laufe der Geschichte ja genügend Hinweise gibt. Den Mord hingegen konnte ich mir ganz einfach erklären, allerdings bewegte ich mich hier für lange Zeit komplett auf einem Irrweg und war von der Auflösung richtig überrascht.

Brillant inszenierte Spannung und authentische Atmosphäre

Camilla Stens Thrillerdebüt „Das Dorf der toten Seelen“ überzeugt neben der brillant inszenierten Spannung auch durch seine authentische Atmosphäre. Diese ist durchgehend düster, beklemmend und hat teilweise etwas Mystisches an sich. Bei der Lektüre entsteht großes Kopfkino und man kann sich gut vorstellen, selbst in dem verlassenen Ort und den verfallenen Gebäuden nach geeignetem Filmmaterial zu suchen. Dazu kommt das Gefühl, dass hinter jeder Ecke ein Schatten und Gefahr lauert, was beim Lesen sehr beklemmend und teilweise sogar verstörend wirkt.


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