Silikon-Puppen-Krimi – „Schwabentod“ | BUCHSZENE.DE

Rosa lackierte Leichen, künstliche Intelligenzen und Menschen, die sich ihren Alltag mit lebensechten Puppen teilen. Sybille Baecker spricht im Interview über ihren Kriminalroman „Schwabentod“.

Sybille Baecker erklärt im Interview, wie sie auf die Idee kam, in ihrem Krimi „Schwabentod“ von Real Dolls zu erzählen

30. Dezember 2020 | Interview: Jörg Steinleitner

Titelbild Schwabentod

©MyArtSTD shutterstock-ID 1397087969

Frau Baecker, für Ihren neuesten Kriminalroman „Schwabentod“ haben Sie sich für die Inszenierung der Leiche ein besonders schräges Arrangement ausgedacht. Das müssen Sie erklären!

Die Opfer wurden von Kopf bis Fuß mit rosa Lack eingesprüht, dann wurden sie in einer marionettenartigen Position arrangiert. Abgesehen von der Frage, warum der oder die Täter*innen die Opfer derart arrangiert haben, stellt es Ermittler und Rechtsmediziner vor ganz praktische Fragen: Die eindeutige Identifizierung der Opfer, Einfluss der Lackierung auf die Leichenstarre und somit auf die Eingrenzung der Tatzeit, Überdeckung von Anzeichen für weitere Gewaltanwendung wie Drossel- oder Fesselungsmarken, Hämatome etc.

In seinem 9. Fall taucht Kommissar Andreas Brander von der Kripo Esslingen ein in die Welt der „Real Dolls“. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Inspiriert hat mich ein Bericht über Menschen, die mit Puppen leben. Die vorgestellten Menschen besaßen diese Puppen nicht aus rein sexuellen Gründen, sondern für sie war die Puppe eine Art Partnerersatz. Sie leben mit ihr, essen mit ihr, sehen mit ihr fern und machen sogar Ausflüge.

Im Roman steht jedoch nicht so sehr das Zusammenleben der Menschen mit einer Puppe im Vordergrund, sondern mehr die technische Seite: Die künstliche Intelligenz, die in diesen Puppen steckt und welche Chancen und Gefahren damit verbunden sind.

Was können diese Silikonpuppen alles?

Die Puppen sind interaktiv, das heißt via WLAN mit dem Internet verbunden. Einmal abgesehen davon, dass man sie als Sextoy nutzen kann, kann man mit ihnen auf begrenzte Art kommunizieren. Das funktioniert im Prinzip ähnlich wie die Kommunikation mit gängigen Smart-Speakern wie Alexa, Siri und Co. Zudem können sie minimal Augenlider und Mund bewegen.

Meinen Sie, solche Puppen werden in Zukunft menschliche Beziehungen ersetzen?

Ich denke, davon sind wir noch weit entfernt. Eine Puppe kann eine menschliche Beziehung nicht ersetzen. Dazu fehlen ihr zu viele Eigenschaften wie beispielsweise Empathie, Bewusstsein, Moral oder Kreativität. Das sind Skills, die das zwischenmenschliche Miteinander spannend und lebendig machen.

Sie haben als ehemalige IT-Prozessingenieurin auch viel mit Computertechnik gearbeitet. Ist das der Grund, warum Sie sich in „Schwabentod“ mit dem Thema künstliche Intelligenz befassen?

Das Grundwissen aus dieser Zeit war zumindest eine gute Basis für dieses sehr komplexe Thema. Zudem ist das Ländle mit „Cyber Valley“ in Tübingen und Stuttgart Europas Hochburg der KI-Forschung, sodass es sich einfach anbot, Kommissar Brander – der sein Smartphone eher zum Telefonieren denn zum Chatten oder Surfen nutzt – in diese Welt hineinschnuppern zu lassen.

Brander ist bekennender Whiskytrinker. Sie verbinden Ihre Lesungen oftmals mit Whisky-Verkostungen. Viele sagen ja, das ist ein Männergetränk. Wie stehen Sie dazu?

Das halte ich für überholt. Auch, wenn Männer in dem Bereich sehr präsent sind, begeistern sich immer mehr Frauen für das Lebenswasser. Das erlebe ich bei meinen Veranstaltungen oder wenn ich als Gast an Tastings teilnehme.

Allerdings ist es tatsächlich so, dass bei meinen Lesungen mit Whiskytasting der Anteil der männlichen Gäste signifikant höher ist, als bei einer klassischen Lesung ohne Tasting, wo der Frauenanteil meistens überwiegt.

Sie trinken selbst auch Whisky?

Das muss ich sogar berufsbedingt – für jeden Kommissar-Brander-Fall bin ich auf der Suche nach neuen Whiskys. Die Vielfalt ist groß und der Whisky muss zu der Szene passen, in der Brander ihn genießt. Es gibt für jede Situation einen passenden Whisky.

Was ist das Spannende an Ihrer Arbeit?

Jedem Kriminalfall liegt ein individuelles Thema zugrunde, für das ich recherchiere. Dabei bekomme ich Einblicke in verschiedenste Bereiche. So habe ich im Laufe der Jahre sehr viel über die Arbeit der Kriminalpolizei erfahren und konnte hier und da hinter die Kulissen schauen. Das Gleiche gilt für die Rechtsmedizin. Hinzu kommen die Themen, mit denen sich der jeweilige Roman befasst. Zu „Schwabentod“ bekam ich beispielsweise eine individuelle und sehr interessante Führung durch „Cyber Valley“ in Tübingen und hatte spannende Gespräche mit Fachleuten.

Sie leben wie Ihr Kommissar in Schwaben. Aber eigentlich kommen Sie aus Niedersachsen. Wie kann man als Niedersächsin im Ländle überleben?

In dem man Krimis schreibt – dadurch habe ich gute Kontakte zu Polizei, Rechtsmedizin und Staatsanwaltschaft und stehe quasi unter behördlichem Schutz. Nein, ernsthaft: Ich habe mich vom ersten Tag an im Ländle wohlgefühlt. Ich engagiere mich in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich, wodurch ich viele tolle Menschen kennengelernt habe. Zudem lebe ich in einer wunderbaren Landschaft: den Naturpark Schönbuch direkt vor der Haustür, dazu die Schwäbische Alb und den Schwarzwald um die Ecke.

Was fehlt Ihnen im Ländle?

Was wirklich schwer für mich ist, ist die große Entfernung zur Nordsee. Ich versuche, mindestens einmal im Jahr in den Norden zu fahren, um mir eine Brise salzige Meeresluft ins Gesicht wehen zu lassen.


Wer ist Andreas Brander? – 3 Fakten über den Kommissar

++Brander als Ermittler++

Brander hält gern die Zügel in der Hand, ist aber dennoch ein Teamplayer. Er ist Ermittler mit Herz, Verstand und einer guten Portion Humor. Mit seiner Kollegin Persephone Pachatourides versteht er sich bestens. Die beiden können sich die Meinung sagen, passen aber auch gut aufeinander auf.

++Brander als Familienmensch++

Brander ist glücklich verheiratet. Natürlich gibt es auch in der Ehe mit Cecilia mal Reibereien, die werden aber konstruktiv gelöst. Branders große Herausforderung ist seine Pflegetochter Nathalie, die als Teenager zu ihm kam und ihm so manche schlaflose Nacht beschert.

++Brander als Whiskygenießer++

Brander ist Genussmensch. Alkohol ist für ihn kein Problemlöser, sondern etwas, das man mit guten Freunden genießt. Mit seinem besten Kumpel Karsten probiert er sich durch zahlreiche verschiedene Whiskys – natürlich immer erst nach Dienstschluss.

Über Sybille Baecker

In diesem Beitrag geht es um: , , , ,

Logo BUCHSZENE.DE