
Frau Hufnagl, die meisten Ihrer Gedichtbände – auch der neueste „Sommer & Winter im Dienst“ kreisen um zwei Figuren – um den Arzt Sommer und die Haushaltshilfe Winter. Wie kamen die beiden in Ihre Bücher?
Die Bravo hat den Doktor Sommer. Eines schönen Sommertages dachte ich bei einer längeren Radausfahrt: Was wäre jetzt, wenn der Doktor Sommer eine Haushaltshilfe hätte, die Winter heißt. Und wenn ich die beiden dann gereimte Abenteuer erleben ließe? – Ja, so hat sich das ergeben.
Ihre Reime sind ja in jedem Sommer-und-Winter-Band von A-Z sortiert …
Genau, und ich überlege mir jeden Tag aufs Neue, welches Wort ich ‚bereime‘. Mit einer kleinen Geschichte, in der die beiden natürlich die Hauptrollen ‚ums Wort herum‘ spielen.
Obwohl das Buch „im Dienst“ heißt, ist da auch viel von Freizeitfreuden wie Camping, Baden und anderen sommerlichen Freuden die Rede. Sie sind ein Draußenmensch – stimmt’s?
Stimmt absolut! Das Bewegungsgen wurde mir vererbt.
Es gibt Sommer und Winter nicht nur gereimt, sondern auch gezeichnet. Wer malt diese fröhlichen Bilder?
Die Titelbilder zeichnet die Illustratorin des net-Verlages. Ich schreibe dazu nur ein paar Sätze, wie ich mir das Bild so vorstelle. Sie setzt das so gelungen um! Die Verlagsleiterin Maria Weise und ich, wir sind da beide am Staunen und Loben.
Das Konzept Ihrer Lyrik ist es – so scheint es – mit jedem Gedicht um einen Begriff zu kreisen; das kann das Wort „Montag“ sein oder der „Fuß“ oder das „Wunder“. Um diese Begriffe herum dichten Sie eine Geschichte, die sich reimt und den jeweiligen Begriff möglichst häufig verwendet. Wie kommt man auf so was?
Meine ersten Reimbücher kreisten ‚nur‘ um Begriffe. Um Worte. Um Berufe – ich wollte mir etwas Neues ausdenken und kam dann eben, wie in der Antwort auf die erste Frage beschrieben, auf die Idee. Es war, ehm, beim Radeln auf einer langweiligen Geraden im Wald.
Gibt es Menschen, die Sie und Ihre Lyrik ein bisschen verrückt finden?
Verrückt nicht. Ich bin in München und drumherum mit ‚Reimkabarett‘ auf Bühnen aufgetreten. Ein Moderator war recht begeistert und ich durfte öfter auftreten. Er sagte zum Publikum vorab stets ‚Obacht, bei der reimt sich’s mitten im Satz!‘ Er kündigte mich auf der Tafel vor der Bühne als ‚Reimkönigin‘ an. Das fand ich natürlich sehr nett. Und ich übte. Und im Netz ‚geistern‘ zehn professionell gemachte Videos der ‚Hofnärrin Hufnagl‘ herum. Ich rappe, singe und lisple Reime. Es gibt einen Krimi-Reim. Den Bier-Reim mit 42mal dem Wort ‚BIER‘ darin. Ich finde halt, man muss dem Publikum etwas bieten. Nur reimen ist bisschen langweilig.
Ihre Gedichte sind heiter. Können Sie immer dichten oder braucht es da eine besondere Stimmung?
Die Frage gefällt mir. Ich hab glücklicherweise den Humor in den Genen. Die Stimmung hab ich deshalb immer – ich kann jederzeit ‚losreimen‘. Und, pssst – manchmal träum‘ ich sogar nachts schon ein Reimthema ‚voraus‘, sozusagen.
In einem Gedicht heißt es: „SOMMER hat am ‚Internationalen Tag der VOGELwelt‘ / VOGELwilde VOGELliebhaber zum VOGELpark zur VOGELzählung hinbestellt! / WINTER zeigt SOMMER den VOGEL, trällert VOGELlieder / und lauscht VOGELgesang, während SOMMER immer wieder“. Das ist rhythmisch, lustig und kurios. Was ist der Ausgangspunkt, die Inspiration für so ein Gedicht – haben Sie etwas über den „Internationalen Tag der Vogelwelt“ in der Zeitung gelesen oder wie kommt die Idee zu Ihnen?
Es ist viel einfacher! Ich mach‘ da manchmal auf einem Blatt Papier seitlich eine Sammlung von Worten, die VOGEL beinhalten. Dann – oft schon beim Wortesammeln, entspinnt sich in meinem Gehirn die Geschichte dazu. Maria Weise vom net-Verlag nennt mich eine ‚Reimmaschine‘. Sie hat da wohl recht. Insgesamt hab‘ ich auf Word mittlerweile um die 3.000 Reime.
Wer es jemals versucht hat, weiß, wie schwierig es ist, auch nur eine gereimte Geschichte zu erzählen. Sie haben den Schwierigkeitsgrad für sich noch erhöht, indem stets ein Begriff ganz oft vorkommen muss. Gehen Ihnen die Gedichte dennoch so leicht von der Hand wie sie sich lesen, oder ist das harte Arbeit?
KEINE harte Arbeit. Sie gehen so leicht von der Hand, wie sie sich lesen, das ist korrekt. Und es reimt sich nach jedem 5., 6. oder 7. Wort, das geht wegen der beidseitigen Einrückungen auf den Seiten so ein bisschen verloren, finde ich. Man muss die Worte nachzählen. Dann kommt man drauf.
Wie lange arbeiten Sie an einem Gedicht?
Hm, das ist unterschiedlich. Ein, zwei Stunden, allerdings hangle ich mich gewissermaßen während des Kaffee-Aufgießens und des Zähne-Putzens von Satz zu Satz … Es kann auch länger dauern, wenn ich am Vorabend eine schriftliche Wortsammlung anlege. Siehe ‚VOGEL‘. Bei einfachen Wörtern brauch‘ ich keine Sammlung, die geht dann ‚aus dem Kopf heraus‘.
Einer Ihrer Gedichtbände heißt „Eigenreimzulage“. Dieser Titel ist mir gleich aufgefallen. Das ist ein schönes Wortspiel.
Eigenreimzulage heißt jetzt nur der Titel. Der fiel mir halt so ein – die Gedichte darin sind wieder von A-Z sortiert. Mein dünnster Band. Da sind viele Berufsgruppen bereimt. Ein Reim heißt da, nur so als Beispiel, ‚ARCHITEKT Archibald und GUMMIfabrikbesitzerin Gundel.

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