Philosophie für Kinder. Zwei tolle Bücher. Rezension | BUCHSZENE

Dorothee Schwabs „Alles und Nichts“ und Britta Teckentrups „Worauf wartest du“ beantworten philosophische Kinderfragen.

Philosophiebücher für Kinder – „Alles und nichts“ von Dorothee Schwab und „Worauf wartest du“ von Britta Teckentrup

15. Juni 2017 | Tina Rausch

Vor fünf Jahren unternahm Richard David Precht eine philosophische Reise. Er durchwanderte mit seinem Sohn Oskar Berlin, beantwortete dessen Fragen zu Gott, Mensch, Tier und die Welt und dokumentierte die Konversation in seinem ersten Philosophiebuch für Kinder: „Warum gibt es alles und nicht nichts?“ Dorothee Schwab und Britta Teckentrup beschäftigten sich mit ähnlichen Fragen – gingen aber einen anderen Weg: Statt auf wortreiche Erklärungen setzen die Illustratorinnen in ihren beiden neuen Büchern auf die Kraft von Bildern.


Was ist alles und was ist nichts?

Das ist schon erstaunlich für ein Philosophiebuch: Dorothee Schwab kommt seitenweise ganz ohne Buchstaben aus. Für ihr quadratisches Bilderbuch „Alles und Nichts“ erstellte sie kleinteilige Collagen zu verschiedenen Themen wie Licht, Liebe, Wasser, Wohnen, Zeit und Kommunikation. Während diese auf der linken Seite jeweils in ihrer Vielfalt zu sehen sind, stellt ihnen Schwab rechts ein Symbol gegenüber: Sonne, Meer, Hände, ein Mund. Nicht jedes Thema lässt sich auf den ersten Blick erfassen, doch genau das macht es spannend. Wer über die Gemeinsamkeit der Abbildungen aus Zeitungsschnipseln, Karton, Papier- und Stoffresten auf einer Doppelseite nachdenkt, landet irgendwann bei der Frage, die die österreichische Künstlerin umtreibt: Was ist alles und was nichts?

Warum kann nicht alles so bleiben, wie es ist?

Britta Teckentrup macht es ihren Leserinnen und Lesern in „Worauf wartest du? – Das große Buch der Fragen“ etwas leichter, denn sie liefert zumindest die Fragen mit. „Kann man an nichts denken?“ „Warum kann nicht alles so bleiben, wie es ist?“ „Wieso ist es oft überhaupt nicht langweilig, wenn nichts passiert?“ „Träumen wir denn nicht so, als ob alles im Traum wirklich wäre?“ Knapp hundert solcher existenzieller (Kinder-)Fragen finden sich in dem Bilderbuch – meist eine pro Doppelseite. Daneben stehen keine Antworten, sondern luftige, farbige Illustrationen und Collagen in Scherenschnittoptik. Nur wenige Figuren zeigen ihr Gesicht, mehrere sind von hinten zu sehen. So bleibt Raum zum Selberdenken – und die Erkenntnis, dass es die eine richtige Antwort oft nicht gibt. Denn möglich ist vieles. Vielleicht sogar alles.

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