No risk, no fun

Home >> Schriftsteller >> Interviews >>

No risk, no fun

29. März 2015 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten


Krimiautorin Maria Pfannholz über Heimatkrimis, Mord und Totschlag im Spessart und die empfehlenswerte Bewaffnung für Waldspaziergänge.

Frau Pfannholz, in Ihrem neuen Kriminalroman inszenieren Sie Mord und Totschlag im Spessart: Umweltschützer und Förster kriegen sich in die Haare, eine Frau wird getötet und bald schon jagen etliche Menschen nach einem Schatz. Sie selbst leben in Oberbayern, wo es auch Wälder gibt. Weshalb haben Sie diesen Tatort gewählt?

Es gab im Spessart tatsächlich eine Konfrontation zwischen Greenpeace und den Bayerischen Staatsforsten, gepaart mit erheblicher Aufregung im ganzen Umfeld. Obendrein ist dieser wunderbare Wald von altersher auch literarisch verschrien als Räubernest. Insofern ist der Spessart also ein idealer Nährboden für eine spannende Geschichte.

Ihr Buch ist hinsichtlich der Beschreibungen der Forstarbeit und Ihrer Menschen sehr präzise und realistisch. Woher wissen Sie das alles?

Ich habe Forstwissenschaften studiert und habe auch weiterhin in meinem Leben mit ziemlich vielen Forstleuten Kontakt – ganz abgesehen davon, dass ich einen Forstmann geheiratet habe.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Journalist Jo Murmann. Was ist das für ein Typ?

Murmann ist schon ein wenig angegraut und eher gemütlich, wirkt auf andere Menschen vertrauenerweckend und kommt deshalb gut ins Gespräch. Er blickt auf eine lange Erfahrung in der politischen Berichterstattung zurück, versucht immer den Hintergrund eines Konfliktes zu verstehen und Schwarz-Weiß-Denken zu vermeiden. Er liebt einfaches Essen, ein gutes Glas Wein und seine Frau, die Psychologin ist.

Sie sind die Tochter des berühmtem Schriftstellers Carl Amery. Beeinflusst diese große Vaterfigur Ihr Schreiben?

Es ist wohl ausgeschlossen, dass er mich nicht beeinflusst hat, aber das aufzudröseln ist schier unmöglich. Wenn man in diesem Umfeld aus bayerischer Kultur und politischem Engagement aufgewachsen ist, färbts halt sowieso ab. Wichtig für mich ist, dass ich wissenschaftlich und als Fachbuchautorin gearbeitet habe, das gibt mir die Basis, um mich unbefangen auf das väterliche Erbe einzulassen, das wohl großteils auch einfach in der Freude am Schreiben besteht.

Ihr erster Krimi hieß Heimatkrimi. Das ist ein lustiger Titel. Was zeichnet für Sie einen typischen Heimatkrimi aus – und ist Ihr Heimatkrimi wirklich einer?

Heimatkrimi ist ein ironischer Titel, der Murmann will ja einen schreiben und diskutiert mit den Kollegen, wie das gehen soll. Manchmal frag ich mich, ob zum Beispiel „Der dritte Mann“ heutzutage als „Wiener Heimatkrimi“ aufgelegt würde. Die Grenzen des Genres werden von den Verlagen für eine Zielgruppe gesteckt, die angeblich besonders dran interessiert ist, ihre eigene Gegend dargestellt zu finden. Und ich merke an mir selbst, wie das zurückwirkt, wie ich versuche, besonders auf die Gegend einzugehen, ein selbstbestätigender Kreislauf also. Heimatkrimi ist streng genommen keiner, weil ich den Landkreis „Werdenheim“, in dem der spielt, aus politischen Gründen erfinden musste.

Wie Sie den Wald beschreiben, ist er ein gefährliches Terrain. Tragen Sie Waffen bei Ihren Waldspaziergängen?

Nein. Im Übrigen müsste jeder Mensch im Wald, wenn man ihn aus dem Blickwinkel der Arbeitsschutzvorschriften betrachtet, einen Helm tragen. Wer will denn das schon! No risk, no fun.

Maria J. Pfannholz

Maria J. Pfannholz wurde in München geboren. Sie studierte Forstwissenschaften an der LMU München und widmete sich nach dem Staatsexamen der Schriftstellerei. Neben Fachliteratur erschien von ihr 1989 der Science-Fiction-Roman…
Zur Biografie von Maria J. Pfannholz

Maria J. Pfannholz

Maria J. Pfannholz wurde in München geboren. Sie studierte Forstwissenschaften an der LMU München und widmete sich nach dem Staatsexamen der Schriftstellerei. Neben Fachliteratur erschien von ihr 1989 der Science-Fiction-Roman…
Zur Biografie von Maria J. Pfannholz

Mehr zur Rubrik
Annina Safran über „Der Spiegelwächter“, den ersten Band ihrer neuen Serie „Die Saga von Eldrid“
Der Spiegelwächter

Interviews Kinderbücher Slider posts | 14. Januar 2019 | Jörg Steinleitner

Böse Mächte wollen das magische Licht stehlen. Doch die 15-jährige Ludmilla stellt sich ihnen entgegen. Im Interview spricht Annina Safran über „Der Spiegelwächter“, Band 1 ihrer neuen „Saga von Eldrid“.

Klaus Heller über „Cyberkriege und andere Katastrophen besser überleben – Das kleine Krisenhandbuch“
Titelbild Cyberkriege und andere Katasrophen überleben

Interviews Slider posts | 10. Januar 2019 | Jörg Steinleitner

Was tun, wenn plötzlich ein Cyberangriff oder Terroranschlag unser Land lahmlegt? Im Interview über sein Buch „Cyberkriege und andere Katastrophen besser überleben“ gibt Klaus Heller konkrete Tipps.

Sabine Vöhringer im Interview über ihren Krimi „Das Ludwig Thoma Komplott“
Das Ludwig Thoma Komplott

Interviews | 17. Dezember 2018 | Bernhard Berkmann

Das Manuskript eines berühmten Schriftstellers. Ein gefährliches Geheimnis. Und eine Mordserie im Vorfeld der Olympiade in München. Sabine Vöhringer im Interview über „Das Ludwig Thoma Komplott“.

Friedrich Ani im Interview über seinen Kriminalroman „Der Narr und seine Maschine“
Titelbild der Narr und seine Maschine

Interviews | 26. November 2018 | Jörg Steinleitner

Ein Schriftsteller verschwindet aus dem Hotelzimmer, in dem er seit Jahren lebt. Tabor Süden heftet sich an seine Fersen. Friedrich Ani im Interview über seinen Krimi „Der Narr und seine Maschine“.