Camilla Läckberg: No mercy – Rache ist weibli... | BUCHSZENE

Sie werden misshandelt, betrogen, enttäuscht. Doch eines Tages ist das Maß voll – und Camilla Läckbergs Heldinnen schlagen zurück. „No mercy – Rache ist weiblich“ ist ein raffinierter, aktueller Krimi.

In Camilla Läckbergs „No mercy – Rache ist weiblich“ werden Frauen von Opfern zu Täterinnen

31. Juli 2020 | Stephanie Pointner

Titelbild No Mercy: Rache ist weiblich

©Masarik shutterstock-ID 1358587592

„No mercy – Rache ist weiblich“ basiert auf der #MeToo-Bewegung

Die schwedische Bestseller-Autorin Camilla Läckberg fördert seit Jahren Projekte junger Frauen und kämpft damit aktiv für eine Gleichstellung von Mann und Frau. Basierend auf ihrer Tätigkeit und der #MeToo-Bewegung ist dieser Roman entstanden. In „No mercy – Rache ist weiblich“ kämpfen drei äußerst unterschiedliche Frauen gegen sexuelle, psychische und häusliche Gewalt. In einem Internetportal schmieden sie einen weitreichenden Plan, der alle ihre Probleme lösen soll, doch bei der Umsetzung läuft nicht alles wie geplant.

Als russische Katalogfrau landet Viktoria in Schweden

Viktoria ist Russin und sehnt sich nach nichts mehr als Reichtum und Luxus. Daher kommt es ihr gerade recht, dass Juri, ein bekannter Drogenbaron, sie zur Partnerin wählt, auf Händen trägt und ihr das erträumte Luxusleben ermöglicht. Eines Tages wird Juri auf offener Straße ermordet und Viktoria überlebt den Anschlag nur knapp. Der jungen Frau wird bewusst, dass sie zahlreiche mächtige Feinde in Russland hat und flüchten muss. Sie sucht als Katalogfrau nach einem Partner im Ausland und landet bei Malte in einem kleinen schwedischen Dorf. Anfangs verwöhnt er Viktoria, aber nach und nach nutzt er die Abhängigkeit seiner Partnerin aus. Malte trinkt zu viel, missbraucht, beleidigt und schlägt Viktoria regelmäßig. Diese will nicht länger sein Eigentum sein, kann aber aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit nicht flüchten. Für Viktoria steht nach Maltes jüngstem Wutausbruch fest, dass er sterben muss.

Brigitta Nilsson ist eine Lehrerin kurz vor der Pensionierung

Brigitta ist eine schwedische Lehrerin, die ein unscheinbares Leben führt und in wenigen Jahren in Rente gehen wird. Sie ist schon lange mit Jakob verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne, die allerdings noch finanziell von den Eltern abhängig sind. Nach außen wirkt die Familie glücklich, aber hinter verschlossenen Türen schlägt Jakob seine Frau regelmäßig. Brigitta erduldet dies stillschweigend, aus Sorge, dass Jakob ansonsten den Söhnen den Geldhahn zudreht. Doch als Brigitta eine Krebsdiagnose erhält und herausfindet, dass Jakob Firmengelder veruntreut, beschließt sie, dass Jakob sterben muss.

Die Vorzeigemutter Ingrid Steen findet Übles über ihren Mann heraus

Ingrid war eine erfolgreiche schwedische Journalistin und in ihrer Arbeit häufig Opfer sexueller Übergriffe. Nach der Geburt ihrer Tochter hat sie ihre Arbeit schweren Herzens aufgegeben um ihrem Ehemann Tommy die Karriere nicht zu verbauen. Als Ingrid herausfindet, dass Tommy seit Monaten eine Affäre hat und zudem hochrangige Arbeitskollegen, die übergriffig gegenüber jungen Journalistinnen wurden, deckt, bricht für sie eine Welt zusammen. Ingrid wünscht sich nichts mehr als die Trennung, aber laut Ehevertrag steht ihr dann kein Geld zu. Daher ist für Ingrid eines klar: Tommy muss sterben.

„No mercy – Rache ist weiblich“ ist kurz, aber raffiniert

Camilla Läckbergs Roman ist mit 160 Seiten (inklusive Leseprobe für ihr neues Buch) sehr kurz, aber dennoch fesselnd, mitreißend und unterhaltsam. Besonders raffiniert ist der Aufbau. Die Handlung wird aus dem Blickwinkel aller drei Frauen erzählt und diese Kapitel wechseln sich immer ab. Dies erhöht die Spannung enorm, da beinahe jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet und man das Buch somit kaum zur Seite legen kann. Zudem werden die drei zuvor losen Handlungsstränge nach und nach zu einer runden Handlung verflochten. Besonders gelungen ist Camilla Läckbergs einfühlsamer Schreibstil, der häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe nicht verharmlost, sondern aufzeigt, dass sich keine Frau, egal welchen Hintergrund sie hat, dies gefallen lassen soll. Es gibt keine Entschuldigung für ein derartiges Verhalten.

Camilla Läckbergs Heldinnen wehren sich gegen ihre Opferrolle

Im ersten Teil von „No mercy – Rache ist weiblich“ lernen wir die drei Frauen Viktoria, Ingrid und Brigitta näher kennen und solidarisieren uns mit zunehmender Seitenzahl immer mehr mit ihnen. Camilla Läckberg beschreibt nicht nur die erfahrene Gewalt sehr authentisch, bildlich und glaubwürdig. Sie ermöglicht auch Einblicke in das Privatleben der Frauen, deren Wünsche und Träume sowie in den Kennenlernprozess mit dem jeweiligen, gewalttätigen Partner. Gerade in Brigittas Kapiteln hat gewinnt man das Gefühl mindestens eine Frau zu kennen, die ähnliche Erfahrungen machen musste. Die Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit der Frauen ist auf jeder Seite greifbar und versetzt einen auch beim Lesen in eine gewisse Ohnmacht. Dennoch wollen sich die Frauen ihrer Opferrolle nicht kampflos ergeben, sondern schmieden Pläne, wie eine der anderen Frauen den jeweiligen Ehemann töten soll.

Der zweite und dritte Teil des Krimis zeigt ein paar Schwächen

In den weiteren Teilen setzen die Frauen die Pläne in die Tat um und werden von Opfern zu Täterinnen. Ich finde die Idee dieser Rollenumkehr äußerst interessant, auch wenn die Umsetzung ein paar Schwächen hat. So sind diese Kapitel leider nicht sonderlich ausführlich. Daher bleibt viel Potenzial ungenutzt. Man hat den Eindruck, dass Camilla Läckberg die Umsetzung der Rachepläne schnell durchdrücken will und sie nur dazu dienen, dass die liebgewonnen Hauptfiguren ein Happy End bekommen. Die Morde sind unblutig und werden binnen weniger Zeilen erzählt. Sie wirken unglaubwürdig und konstruiert, da alles viel zu reibungslos abläuft.

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