Ein Blick, zwei Silben, vier Buchstaben – und der Betrachter weiß, das kann nur von Niki de Saint Phalle sein. Unverkennbar. Einzigartig. Groß. Nana

Am 21. Mai 2022 jährt sich Niki de Saint-Phalles 20. Todestag – eine Hommage an die Erfinderin der Nanas

25. Mai 2022 | Redaktion

Ihre Nana-Plastiken erschließen sich erst im biographischen Kontext

Als hätten sich Fernando Botero mit seiner üppig-barocken Formensprache und Joan Miró mit seiner überbordenden Farbigkeit zusammengetan, um starke, bunte und voluminöse Frauenplastiken zu schaffen, auf die sie und wir mit großer Freude schauen. Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man zum ersten Mal einer Nana von Niki de Saint Phalle gegenübersteht. Allein – dem Künstlerduo hätte nicht nur der weibliche Blick und die sich nach außen wendende, feministische Introspektive der Künstlerin gefehlt. Denn Niki de Saint Phalles ab Mitte der 60er-Jahre scheinbar leicht zugängliches Werk – ihre Großplastiken lassen sich sogar betreten, erkunden und durchwandern – erschließt sich in seiner Gesamtheit erst im schmerzhaften biografischen Kontext von Kindheit, Jugend und deren künstlerischer Bewältigung.

Missbrauchserfahrungen als Kind – Kunst als Rettungsanker

Als die französisch-schweizerische Malerin und Bildhauerin am 21. Mai 2002 in San Diego, Kalifornien, stirbt, ist sie eine der bekanntesten Künstlerinnen der Moderne. Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle, genannt Niki, geboren am 29. Oktober 1930 bei Paris, verbringt den Großteil ihrer Jugend in den USA. Ihr Vater, der seine Tochter ab ihrem 11. Lebensjahr über mehrere Jahre sexuell missbrauchen wird, ist ein börsenkrachgeschädigter, französischer Börsenmakler, ihre Mutter ist Amerikanerin. Von 1936 bis 1945 besucht Niki eine Klosterschule in New York. Eine Erfahrung, die sie, zusammen mit dem Missbrauchsschock, über eine Therapie zur Kunst führen wird. „Ich umarmte die Kunst als Erlösung und Notwendigkeit“, wird sie später bekennen.

Niki de Saint-Phalle wird Fotomodell und „Terroristin der Kunst“

Die Heirat der 18-Jährigen mit ihrem Jugendfreund Harry Mathews ist eine Rebellion gegen ihre Eltern. Karriere als Fotomodell. Nervenzusammenbruch. Eine Tochter, ein Sohn. Kunst als Ventil ihrer Verzweiflung. 1960 Scheidung. Da ist Niki mit Gemälden, Aktionen und ihren aggressiven Schießbildern, mit denen sie ihre Wut gegen Männer, ihre Familie und die Menschheit ausdrücken kann, bereits in der Kunst angekommen: „Statt Terroristin zu werden, wurde ich zu einer Terroristin der Kunst.“ Aus Wut wird nachlassender Schmerz.

Ihre Nanas spielen eine wichtige Rolle in der Pop Art

Befreit tritt sie Mitte der 60er-Jahre in ihre von der Pop Art geprägte Nana-Phase ein, setzt sich mit dem Slogan „Alle Macht den Nanas!“ zeitlich vor die Emanzipationsideen der Frauenbewegung der späten 60er, und wird weltberühmt. 1971 heiratet sie den Schweizer Maler und Bildhauer Jean Tinguely, mit dem sie bereits seit den späten 50er-Jahren künstlerisch verbunden ist. Die Nanas, diese freien, starken, selbstständigen, fröhlichen, üppigen, runden, bunten Frauen aus Polyester, werden sie ihr Leben lang begleiten.

Text: Klaus-dieter Müller

 

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