
Frau Förg, jüngst ist „Neue Chancen“, der zweite Band Ihrer Mittsommerwind-Serie erschienen. Eigentlich sind Sie ja bekannt für Ihre sehr erfolgreichen Krimi-Bestseller rund um Irmi Mangold bzw. Kommissar Weinzirl. Warum haben Sie diese Pferde-Reihe für junge Leserinnen gestartet?
Der Wunsch wurde an mich herangetragen, und es ist ja wirklich ein klein wenig überraschend, dass ich quasi den umgekehrten Weg gewählt habe. So einige bekannte Autorinnen haben mit Jugendbüchern begonnen und sind dann auf die Erwachsenen gekommen. Ich habe mich aber vor Jahren an das Genre nicht herangetraut, weil ich einen Heidenrespekt davor hatte, für Jugendliche zu schreiben. Nun habe ich mich getraut, vor allem aber auch dem Umstand geschuldet, dass ich viele Mädchen im Lesealter über Jahre bei uns am Hof begleitet habe, ihnen Reitunterricht gegeben habe und versucht habe, ihr Verständnis für Pferde zu wecken. Es gab auch konkreten Input von den Mädels aus der Zielgruppe.
Reiten Sie selbst jeden Tag?
Nein, um ehrlich zu sein, nur ein- bis zweimal die Woche. Aber ich pflege täglich Umgang mit Pferden, sei es bei Putzen, Misten und „Betüddeln“ – wir haben auch Tiere aus schlechter Haltung, die immer mal dieses Mehr an Pflege brauchen – auch mal Medikamente.
Ist es denn dann nicht sehr teuer, so viele Tiere zu versorgen?
Das ist ein eigener Fall von Relativität. Wenn Pferde relativ gesund sind, hält sich das in Grenzen, aber wenn so ein Tier krank wird – akut und/oder chronisch – wird es relativ schnell relativ teuer. Wir halten die Pferde am eigenen Hof, erzeugen zum größeren Teil unser eigenes Heu, natürlich in Spitzenqualität, was dann eher relativ günstig ist, aber relativ viel Arbeit bedeutet. Und vor allem eben relativ viele Emotionen, die zauberhaften aber auch die einen schwer beuteln. Wenn man 24/7 so nahe dran ist, dann ist man an allem nahe dran: von Koliken bis Todesfall …
Wie viele Pferde und Ponys haben Sie?
Fünf, zwei Shettys, die liebe Tamara und den pfiffigen Littlefoot, den etwas sturen Huzulen Vigor, den superhübschen Fjordwallach Pelle und Olga, eine ewig kurz vor dem Verhungern stehende dicke Kaltblutmixstute.
Die Hauptfigur in den Mittsommerwind-Romanen ist das Mädchen Ida. Was ist sie für ein Typ?
Ida ist ein klares, eher bodenständiges Mädchen, die Bodenhaftung hat sich von den Großeltern in Odelzhausen, wo sie ja lebt. Sie ist eine Hübsche, aber kein Modepüppchen und findet ihre „mausbraunen“ Haare langweilig und sich sonst auch ziemlich mittelmäßig. Sie hat so ihre Probleme mit ihrer Mutter, die ihr oft zu „verkopft“ vorkommt und die vor lauter Arbeit Ida auch oftmals nur mit halbem Ohr zuhört.
In „Neue Chancen“ verbringt Ida gemeinsam mit ihrer besten Freundin Anna die Sommerferien bei Idas Mutter auf deren Reiterhof Drömhäst in Schweden …
Idas Eltern leben ja getrennt und Idas Mutter hat sich mit dem neuen Lebensgefährten, einem schwedischen Tierfilmer, einen Lebenstraum erfüllt: ein Hotel mit Reitbetrieb. Ida hat es sich im letzten Sommer – in Band 1 der Reihe: „Idas Entscheidung“ – nicht leicht gemacht: Zieht sie nach Schweden zur Mutter oder bleibt sie in Bayern und verbringt alle Ferien in Schweden? Sie hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden und will nun Anna, BFF, „ihr“ Schweden zeigen.
Aber die Stimmung auf dem Hof ist schlecht.
Ja, es gibt negative Internet Bewertungen, alle glauben, dass das Fake-Bewertungen sind. Aber wer macht so was? Und warum? Und dann verschwindet auch noch dauernd Essen, Dinge fallen um wie durch Zauberhand. Man könnte an ein Gespenst glauben …
Und die Mädchen, zu denen auch Larissa aus Wien gehört, die Tochter der Hotelmanagerin, legen sich auf die Lauer.
Und staunen nicht schlecht: Am Heuboden campiert ein Mädchen, Alice, deren Eltern auch einen Reiterhof haben. Allerdings ganz im Süden und der Hof soll wohl aufgegeben werden, die Pferde verkauft, weil Alices Vater sehr krank ist. Aber warum gibt Alice das Phantom? Was will sie? Und können die Drömhest-Girls ihr helfen?
Sie leben auf Ihrem eigenen Hof im Allgäu. Wieso spielt Mittsommerwind in Schweden?
Zum einen habe ich als Mädchen wirklich alles an Pferdebüchern gelesen, was der Markt hergab. Vor allem die Britta-Serie von Lisbeth Pahnke, ich wollte unbedingt nach Schweden auswandern, dort erschien mir alles für Pferdemädels besser zu sein. Zum anderen bin ich ja als Reisejournalistin – was ich zu einem kleinen Teil noch bin – ins Berufsleben gestartet und war immer ein Fan rauer und skandinavischer Länder. Ich liebe Schottland, Island, Norwegen oder eben Schweden, das so viel fürs Herz und die Seele bietet.

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