Von Hacker erpresst mit Porno-Fotos – 500 Euro | BUCHSZENE

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19. Dezember 2018 | Kolumne: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Er habe mich gehackt, schrieb der Mann, und sei im Besitz intimer Fotos, die mich beim Betrachten von „Erwachsenen-Websites“ zeigten. Ob ich wolle, dass meine Familie, meine Kollegen davon erführen?


Gehackt! Eines Morgens erpresste mich ein Cyber-Krimineller mit Porno-Fotos – Steinleitners Woche


Jörg Steinleitner zerhackt einen LaptopIch grüße Sie! Ich habe schlechte Nachrichten für dich.

Wissen Sie, früher war alles besser. Da haben die Verbrecher, wenn sie Geld brauchten, einen wenigstens noch richtig überfallen. Heute macht sich ja keiner mehr die Hände schmutzig. Heute Früh zum Beispiel erreicht mich eine E-Mail, die ich Ihnen schlechterdings nicht vorenthalten kann: Ich grüße Sie!, schreibt der Absender: Ich habe schlechte Nachrichten für dich. Schlechte Nachrichten! Ganz ehrlich: Wenn man so etwas um kurz vor acht am Morgen liest, schlottern einem die Hamsterbacken.

Betriebssystem inklusive Konto gehackt und dann noch ein Trojaner.

Na ja, jedenfalls teilt mir mein neuer Freund mit, dass er mein Betriebssystem inklusive Konto gehackt hat. Die Geschichte, wie ihm das gelungen ist, klingt zwar etwas verworren, aber sind Genie und Chaos nicht natürliche Verbündete? So erklärt mein Brieffreund sein Hacking: In der Software des Routers, mit der Sie an diesem Tag verbunden waren, gab es eine Sicherheitsanfälligkeit. Ich habe diesen Router zuerst gehackt und meinen bösartigen Code darauf abgelegt. Bei der Eingabe im Internet wurde mein Trojaner auf dem Betriebssystem Ihres Geräts installiert. Danach habe ich alle Daten auf Ihrer Festplatte gespeichert (ich habe Ihr gesamtes Adressbuch, den Verlauf der angezeigten Websites, alle Dateien, Telefonnummern und Adressen aller Ihrer Kontakte).

Bin ich wirklich ein großer Perverser mit ungezügelter Fantasie?

Nach dem ersten Schreck, denke ich mir: Immerhin spielt er nicht das Unschuldslamm. Den Code, den er auf meinen gehackten Router draufgelegt (!) hat, findet er sogar selber bösartig! Aber auch alles Weitere ist fies durchdacht: Ich wollte dein Gerät sperren, schreibt mein Cyber-Kumpel: Aber ich habe mir die Websites angesehen, die Sie regelmäßig besuchen, und kam zu dem großen Schock Ihrer Lieblingsressourcen. Ich spreche von Websites für Erwachsene. Ich möchte sagen – du bist ein großer Perverser. Sie haben ungezügelte Fantasie!

Wie will mir dieser kleine Kacker das alles eigentlich nachweisen?

Holla, denke ich: Der Schock meiner Lieblingsressourcen ist ganz auf meiner Seite! Denn gesperrt haben möchte ich mein Gerät nicht so gerne. Auch wäre es fatal, würde ich öffentlich als Porno-Jörg und großer Perverser mit ungezügelter Fantasie enttarnt. Das wirkt sich in aller Regel ungut auf das Restleben aus. Aber je länger ich darüber sinniere, umso stärker drängt sich mir ein anderer Gedanke auf: Wie will mir dieser kleine Scheißer das denn eigentlich nachweisen mit den Pornos und dem Perversen, hä?

Er schreibt, er habe mich bei meinem Spaß fotografiert.

Dieser Moment relativer Überlegenheit hält jedoch nur wenige Sekunden vor – bis ich nämlich den nächsten Abschnitt der Ausführungen meines persönlichen Hackers zur Kenntnis nehme: Ich habe einen Screenshot der intimen Website gemacht, auf der Sie Spaß haben (Sie wissen, worum es geht, oder?). Danach nahm ich Ihre Freuden ab (mit der Kamera Ihres Geräts). Es stellte sich wunderbar heraus, zögern Sie nicht.

Nun möchte er die Porno-Fotos meinen Freunden und Kollegen zeigen.

Er nahm mir also meine Freuden ab (mit der Kamera meines Geräts) und es stellte sich wunderbar heraus! Für mich klingt das irgendwie biblisch. Im weiteren Verlauf zeigt er sich dann obendrein noch einfühlsam: Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie diese Bilder Ihren Verwandten, Freunden oder Kollegen nicht zeigen möchten. Ich denke, 500€ sind ein sehr kleiner Betrag für mein Schweigen. Außerdem habe ich viel Zeit mit dir verbracht!

Einer seiner letzten Tipps lautet: Ich möchte, dass du umsichtig bist.

Wohl wahr! Umsichtig ist gut! Gezahlt werden soll in Bitcoins. Sogar für den Fall, dass ich nicht weiß, wie das geht, hat mein Buddy einen Tipp: Sie wissen nicht, wie Sie die Bitcoins senden sollen? Schreiben Sie in einer Suchmaschine „wie Sie Geld an die BTC-Geldbörse senden“. Das ist mal ein top Tipp. Und auch die Frist, die er mir setzt, ist großzügig: Für diese Zahlung gebe ich Ihnen etwas mehr als (genau 10 Stunden). Keine Sorge, der Timer startet in dem Moment, in dem Sie diesen Brief öffnen. Ja, ja … es hat schon angefangen! Wenn ich die angegebene Menge nicht von Ihnen erhalte, wird Ihr Gerät gesperrt, und alle Ihre Kontakte erhalten ein Foto mit Ihren „Freuden“. Ich möchte, dass du umsichtig bist.

Haben Sie schon mal was vom Hacker-Ehrenkodex gehört?

Sie können es sich denken: Natürlich bin ich umsichtig und lösche die E-Mail dieses Analphabeten sofort. Der soll erst mal das kleine ABC üben, ehe er einen auf Erpresser macht. Im P.S. schreibt er übrigens noch: Ich garantiere Ihnen, dass ich Sie nach der Bezahlung nicht mehr stören werde, da Sie nicht mein einziges Opfer sind. Dies ist ein Hacker-Ehrenkodex. Ich empfehle Ihnen von nun an, gute Antiviren-Programme zu verwenden und regelmäßig (mehrmals täglich) zu aktualisieren! Sei nicht böse auf mich, jeder hat seine eigene Arbeit. Abschied.

Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.


Zur Biografie von Jörg Steinleitner


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