Ich grüße Sie! Ich habe schlechte Nachrichten für dich.
Wissen Sie, früher war alles besser. Da haben die Verbrecher, wenn sie Geld brauchten, einen wenigstens noch richtig überfallen. Heute macht sich ja keiner mehr die Hände schmutzig. Heute Früh zum Beispiel erreicht mich eine E-Mail, die ich Ihnen schlechterdings nicht vorenthalten kann: Ich grüße Sie!, schreibt der Absender: Ich habe schlechte Nachrichten für dich. Schlechte Nachrichten! Ganz ehrlich: Wenn man so etwas um kurz vor acht am Morgen liest, schlottern einem die Hamsterbacken.
Betriebssystem inklusive Konto gehackt und dann noch ein Trojaner.
Na ja, jedenfalls teilt mir mein neuer Freund mit, dass er mein Betriebssystem inklusive Konto gehackt hat. Die Geschichte, wie ihm das gelungen ist, klingt zwar etwas verworren, aber sind Genie und Chaos nicht natürliche Verbündete? So erklärt mein Brieffreund sein Hacking: In der Software des Routers, mit der Sie an diesem Tag verbunden waren, gab es eine Sicherheitsanfälligkeit. Ich habe diesen Router zuerst gehackt und meinen bösartigen Code darauf abgelegt. Bei der Eingabe im Internet wurde mein Trojaner auf dem Betriebssystem Ihres Geräts installiert. Danach habe ich alle Daten auf Ihrer Festplatte gespeichert (ich habe Ihr gesamtes Adressbuch, den Verlauf der angezeigten Websites, alle Dateien, Telefonnummern und Adressen aller Ihrer Kontakte).
Bin ich wirklich ein großer Perverser mit ungezügelter Fantasie?
Nach dem ersten Schreck, denke ich mir: Immerhin spielt er nicht das Unschuldslamm. Den Code, den er auf meinen gehackten Router draufgelegt (!) hat, findet er sogar selber bösartig! Aber auch alles Weitere ist fies durchdacht: Ich wollte dein Gerät sperren, schreibt mein Cyber-Kumpel: Aber ich habe mir die Websites angesehen, die Sie regelmäßig besuchen, und kam zu dem großen Schock Ihrer Lieblingsressourcen. Ich spreche von Websites für Erwachsene. Ich möchte sagen – du bist ein großer Perverser. Sie haben ungezügelte Fantasie!
Wie will mir dieser kleine Kacker das alles eigentlich nachweisen?
Holla, denke ich: Der Schock meiner Lieblingsressourcen ist ganz auf meiner Seite! Denn gesperrt haben möchte ich mein Gerät nicht so gerne. Auch wäre es fatal, würde ich öffentlich als Porno-Jörg und großer Perverser mit ungezügelter Fantasie enttarnt. Das wirkt sich in aller Regel ungut auf das Restleben aus. Aber je länger ich darüber sinniere, umso stärker drängt sich mir ein anderer Gedanke auf: Wie will mir dieser kleine Scheißer das denn eigentlich nachweisen mit den Pornos und dem Perversen, hä?
Er schreibt, er habe mich bei meinem Spaß fotografiert.
Dieser Moment relativer Überlegenheit hält jedoch nur wenige Sekunden vor – bis ich nämlich den nächsten Abschnitt der Ausführungen meines persönlichen Hackers zur Kenntnis nehme: Ich habe einen Screenshot der intimen Website gemacht, auf der Sie Spaß haben (Sie wissen, worum es geht, oder?). Danach nahm ich Ihre Freuden ab (mit der Kamera Ihres Geräts). Es stellte sich wunderbar heraus, zögern Sie nicht.
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