Ein Zelt in der Küche – der Breaking-Bad-Moment mit dem Nachbarn
Kürzlich hatte ich mit meinem Nachbarn so einen Breaking-Bad-Moment. Rigoberto wohnt in der Wohnung neben dem italienischen Ferienappartement, in dem wir jedes Jahr Urlaub machen. Wir kennen ihn seit über zwanzig Jahren. Er war mal ein reicher Mann mit großer T-Shirt-Fabrik. Doch dann kamen die Chinesen und machten billigere T-Shirts und Rigoberto verlor alles. Pfändung, Zwangsversteigerung, Krankheit. Am Ende war er so verzweifelt, dass er mit einem Vorschlaghammer durch die Fabrikräume rannte und alles kurz und klein schlug. Seither ist er depressiv und kommt nicht mehr aus dem Haus, außer zum Blumengießen. Rigoberto sieht ein bisschen aus wie ein dick und grau gewordener Jean Reno und er liebt Pflanzen.
Scheinwerfer, feines Werkzeug – produzierte er nun heimlich Drogen?
Als wir vor einigen Tagen im Dunkeln an der Ferienwohnung ankamen, stand das Fenster zu Rigobertos Küche offen. Zwischen Küchenzeile und Tisch stand ein mindestens hüfthohes weißes Zelt, grell beleuchtet mit Scheinwerfern. Ob die Scheinwerfer innen oder außen angebracht waren, konnten wir nicht genau erkennen. Wir sahen Rigoberto, wie er über das Zelt gebeugt mit einem feinen Werkzeug hantierte. Er trug seinen dunkelblauen Adidas-Anzug und eine Kippe im Mundwinkel. Er wirkte sehr konzentriert und gar nicht depressiv wie zuletzt immer. Hatte Rigoberto ein neues Geschäft aufgemacht? Produzierte er nun heimlich Drogen, um seinen Lebensstandard wieder dahin bringen, wo er einmal gewesen war?
Schreie in der Nacht, vermutlich eine Rockerspezialität
Das mit den Nachbarn ist ja so eine Sache. Das erste Mal, als mir bewusst wurde, dass das Nachbarschaftsverhältnis ein besonderes ist, da war ich elf. Die schrillen Schreie einer Frau hatten mich mitten in der Nacht geweckt. Im Halbdunkel der Wohnung fand ich eines unserer Fenster gekippt. Die Schreie kamen von unter uns. Es war die Frau des Motorradrockers, die da schrie. Ihre Töne machten mir nicht direkt Angst, aber sie verstörten mich. Ich lauschte eine Weile und wunderte mich. In der Schule hatten wir Aufklärung schon gehabt. Aber da war nicht die Rede davon, dass Frauen so laut kreischten. Ich vermutete, dass es eine Motorradrocker-Spezialität war.
Über Nacht ist er mit seinem Drogenlabor umgezogen
Rigoberto hat gemerkt, dass wir sein Zelt entdeckt haben. Denn ab dem Folgetag war sein Küchenfenster immer verschlossen und der Vorhang zugezogen. Und als es mir am übernächsten Tag gelang, einen Blick hineinzuwerfen, da war es weg. Rigoberto war mit seinem Drogenlabor umgezogen.
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