Clive Cussler, Burcell "Der Schatz des Piraten" | BUCHSZENE

Frau Bluhm liest Clive Cusslers und Robin Burcells Abenteuerroman „Der Schatz des Piraten“

Der Schatz des Piraten - Clive Cussler, Robin Burcell

shutterstock @ Axel Alvarez Bild-ID: 374197087

6. April 2018 | Frau Bluhm


In einem Antiquariat beginnt in Clive Cusslers und Robin Burcells Fargo-Roman „Der Schatz des Piraten“ eine Jagd, die um die halbe Welt führt. Frau Bluhm hat das Buch nicht zu 100 Prozent überzeugt.


Frau Bluhm liest „Der Schatz des Piraten“: 3 von 5 Blu(h)men


„Der Schatz des Piraten“ liefert ein Abenteuer der besonderen Art

Schon mehrfach habe ich hier von meiner mangelnden Abenteuerlust erzählt. Wenn ich schon an Turbulenzen im Flugzeug, überfüllte Strandabschnitte und Verständigungsschwierigkeiten denke, wird mir übel. Von den möglichen Gefahren einer Lebensmittelvergiftung will ich gar nicht erst anfangen. Schön für solch minimal risikofreudige Menschen wie mich, wenn man die ganze Welt vom Lesesessel aus bereisen kann. Und mit den Schatzsuchern Remi und Sam Fargo in Clive Cusslers und Robin Burcells „Der Schatz des Piraten“ erwartet einen dann noch mal eine Reise der ganz besonderen Art.

Die Jagd führt von Amerika über die Schlangeninseln bis nach England

Eigentlich wollte das abenteuerlustige Schatzsucherehepaar einfach nur mal einen ganz gewöhnlichen Urlaub machen. Doch die Reise, die in San Francisco ihren Ausgang nimmt, entwickelt sich schon bald zum Horrortrip: Auf der Suche nach einer seltenen Originalausgabe eines Piratenbuchs stolpern die beiden in das Antiquariat von Gerald Pickering und seinem Kater Mr. Wickham. Was als simpler Einkauf geplant ist, entwickelt sich zum Alptraum, als der alte Buchhändler just in diesem Moment von einer Gruppe maskierter Männer überfallen wird. Obwohl sowohl der Buchhändler, als auch die Fargos annehmen, dass das Piratenbuch bis auf den ideellen Wert wertlos ist, scheint wohl doch noch mehr dahinter zu stecken, als auf den ersten Blick wahrnehmbar. Und die Fargos wären nicht die Fargos, wenn sie die Herausforderung, die ihnen das Schicksal bietet, nicht annehmen würden. Und so beginnt ihre Jagd einmal rund um den Globus. Eine Jagd, die sie von Amerika über brasilianische Schlangeninseln bis nach England führt. Dabei sitzen ihnen die Verfolger immer im Nacken und mehr als einmal finden sie sich in einer schier unlösbaren Situation wieder. Wer wird den sagenumwobenen Schatz von König Johann finden?

Das Ehepaar Fargo ist eine moderne Version von Indiana Jones

Ohne es zu wissen, begab ich mich beim Lesen mitten hinein in die schon weltweit etablierte Reihe um das Ehepaar Fargo. Zum achten Mal gehen die beiden nun bereits gemeinsam auf Schatzsuche. Alles in allem könnte man die beiden zu Recht als moderne Versionen von Indiana Jones bezeichnen. Per Smartphone und Skype sind sie jederzeit in Verbindung mit ihrem Rechercheteam in den USA. Mit scheinbar unbegrenzten Mitteln ausgestattet (Sam Fargo wurde reich durch den Verkauf einer selbstentwickelten Maschine) und eigenem Privatjet gondeln sie um die Welt, um Schätze zu finden, die bisher kein anderer gefunden hat. Das Sympathische dabei: Nie behalten sie den Gewinn einer Expedition für sich selbst, sondern spenden sie an wohltätige Organisationen oder Museen. Was die beiden aber mehr als alles andere unverwechselbar macht: Sie kennen keine Furcht. Als Ex-Soldat beherrscht Sam Fargo sowohl den Nahkampf, als auch jede Schusswaffe; und als studierte Historikerin steht ihm Ehefrau Remi in ihrem Forscherdrang um keinen Deut nach. Für Protagonisten in einem Abenteuerroman natürlich ein sehr erstrebenswertes Persönlichkeitsmerkmal, mir als Leser war es aber fast schon etwas viel des Guten. Klar, einem Schatzsucherroman verzeiht man unerschütterliche Nerven und Überlebenskunst, aber ein wenig mehr fürchten hätte sich der eine oder die andere schon können, denn mit der fehlenden Angst, machte sich auch irgendwann fehlende Spannung breit. Eine Extremsituation geht über in die nächste, ein Nahtoderlebnis folgt auf das andere. Bei Remi und Sam steigt nicht mal der Ruhepuls, beim Leser dann leider auch irgendwann nicht mehr. Nervenkitzel: Fehlanzeige. Schade.

Ein bisschen mehr Tiefgang und Spannung wäre nicht schlecht gewesen

Eine weitere Sache, die mich im Lesefluss leider total gestört hat, waren ein paar wirklich grobe Schnitzer der deutschen Übersetzung. Wahrscheinlich bin ich pingelig, aber es hat mich nun mal gestört. „SUV“ zum Beispiel, ist mittlerweile ein so gängiger Begriff in der deutschen Sprache in Film und Literatur, man muss es nicht als „das“ SUV bezeichnen.
Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau, denn der Abenteuerroman macht auch Vieles richtig. Ein bisschen mehr Tiefgang und Spannungsbogen wäre nicht schlecht gewesen, aber von Indiana Jones hätte ja auch keiner tränenreiche, emotionale Ergüsse erwartet. „Der Schatz des Piraten – Ein Fargo-Roman“ ist ein Buch, das man gut und gerne einfach mal zwischendurch lesen kann. Die Welt vom Lesesessel aus bereisen eben.

Katharina Bluhm
Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf…
Zur Biografie von Frau Bluhm

Katharina Bluhm
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