Ich habe mich sehr, sehr, sehr auf „Glitterschnitter“ gefreut
Was habe ich falsch gemacht? Oder hat vielleicht doch auch Sven Regener etwas falsch gemacht? Diese beiden Fragen gehen mir durch den Kopf, wenn ich über seinen neuen Roman „Glitterschnitter“ nachdenke. Womöglich war es ein Fehler, dass ich mich so sehr auf diese neue Frank-Lehmann-Geschichte gefreut habe. Vermutlich ist es von allen Romanen der, auf den ich mich seit Erscheinen des letzten Sven-Regener-Werks am meisten gefreut habe. Und nun das:
Frank Lehmann, Karl Schmidt, Erwin Kächele, Raimi und Ferdi
Gut, auch in „Glitterschnitter“ begegnen wir der umwerfend sympathischen, weil wunderbar unperfekten Truppe um Frank Lehmann, den Künstler Karl Schmidt, den aus Württemberg stammenden Gschäftlesmacher und Kneipier Erwin Kächele, H.R. Ledigt, den Musikproduzenten Raimund und Ferdi, P. Immel und den anderen seit den 1980er-Jahren in Berlin Gestrandeten. Auch ist Kreuzberg immer noch angenehm irr und von Punks bevölkert. Personal und Kulisse stimmen also. Aber irgendwie fehlt es dieses Mal an der Geschichte. Und das macht die Lektüre ein wenig zäh.Reicht es für den Erfolg einer Band, ihr eine Bohrmaschine zu verpassen?
Natürlich hat Sven Regener sich eine Story ausgedacht. Die geht in etwa so: Charlie, Ferdi und Raimund wollen mit der neu gebildeten Formation „Glitterschnitter“ einmal mehr musikalischen Ruhm einfahren. Dazu haben sie sich ein Klangarrangement ausgedacht, das zusätzlich zu Schlagzeug und Synthesizer eine Bohrmaschine integriert. Das damit verbundene Problem umreißen ziemlich eindeutig die zwei Fragen: Wer will das hören? Und: Wie kriegt man Publikum? Es entsteht ein ziemlich kühner Plan, der darin besteht, die Punks mit Dosenbier zu bestechen.H.R. Ledigt baut eine IKEA-Musterwohnung auf – als Kunstwerk
Dazu gibt es noch eine Kunststory: H.R. Ledigt hat nämlich die phänomenale Idee, eine IKEA-Musterwohnung detailgetreu nachzubauen – als Kunstwerk. Was Wiemer, der ihn vermarkten soll, für schwer verkäuflich hält. Ihm wäre ein Gemälde lieber. Klar, dass das für heftige Diskussionen sorgt. Allerdings für nicht so heftige Diskussionen wie die Sache mit dem Milchkaffee.Irgendwann kam die Zeit, da gab es Milchkaffee aus Schalen zu trinken
Glitterschnitter
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