Home >> Magazin >> Interviews >>

Alfred Schlicht stellt sich in seinem Buch „Gehört der Islam zu Deutschland?“ einer brisanten Frage

Gehört der Islam zu Deutschland?

Shutterstock: © Michael Wick - Bildnummer: 480444499

14. August 2017 | Interview: Bernhard Berkmann | Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten


Islamwissenschaftler Dr. Alfred Schlicht, selbst verheiratet mit einer Migrantin, im Interview über „Gehört der Islam zu Deutschland?“ Wir konfrontieren ihn mit dem Vorwurf der Islamophobie.


Herr Dr. Schlicht, welche Antwort geben Sie auf die Frage, mit der Sie Ihr Buch betitelt haben?

Das Buch richtet sich gerade an diejenigen, die glauben, diese Frage sei mit einem simplen ‚ja’ oder ‚nein’ zu beantworten. Ich präsentiere in meinem Buch umfangreiches Material, das helfen kann, der Beantwortung der Frage nach der Kompatibilität des Islam mit unserer modernen Gesellschaft näher zu kommen.

In Ihrem Buch ist viel von islamischer Gewalt die Rede – warum?

Das Gewaltpotenzial, das in Koran und Sunna sowie in der politischen Theorie und im Völkerrecht des Islam angelegt ist, das sich in der Geschichte des Islam entfaltet hat und bis heute fortbesteht, ist ein wichtiger Faktor. Es ist von entscheidender Bedeutung für die Grundfrage meines Buches. Vor dieser Tatsache die Augen zu verschließen, ist kontraproduktiv.

Setzen Sie sich nicht dem Vorwurf der Islamophobie aus?

Unbestreitbare Fakten aufzuzeigen, hat nichts mit Islamophobie zu tun. Mehrheitsmuslime stellen ja die meisten Opfer des islamischen Extremismus. An ihnen begehen wir Verrat, wenn wir islamistische Gewalt verharmlosen, wenn wir beschwichtigen und schönfärben, wo wir Grenzen setzen sollten und unsere rechtsstaatlichen Normen und Werte schützen und durchsetzen müssten. Vorwürfe habe ich von beiden Seiten bekommen – von Islamhassern ebenso wie von Islamapologeten. Dies zeigt mir, dass ich mit meinem Buch richtig liege.

Sie haben bisher vor allem Bücher zur Geschichte der arabischen Welt geschrieben – warum jetzt auf einmal ‚Islam in Deutschland’?

Durch die Flüchtlingskrise von 2015 hat eine gefährliche Polarisierung stattgefunden. Auf der einen Seite brennende Flüchtlingsunterkünfte, Naziparolen und Rechtsruck – auf der anderen Seite Flüchtlingsromantik, naive Islamophilie und Verharmlosung der Gefahren, die vom Islam ausgehen. In dieser Lage schien mir eine sachliche, faktenbasierte Behandlung der Frage sinnvoll und nötig. Deshalb schien es mir auch unerlässlich, alle Aussagen im Buch mit Belegen und Quellenangaben zu untermauern.

Welches Fazit ziehen Sie?

Auf der einen Seite gibt es ein islamisches Gewaltpotenzial, soziale Abschottung mancher Muslime und Integrationsresistenz. Auf der anderen Seite gibt es moderne Muslime, die zu einem fruchtbaren Element unserer Gesellschaft geworden sind. Die reformierten, aufgeklärten Muslime müssen helfen, ihre konservativen Glaubensgenossen an einen Islam heranzuführen, der mit dem modernen Deutschland kompatibel ist. Islamische Parallelgesellschaften dürfen nicht geduldet werden. In Bayern etwa ist die Integration von Muslimen gut gelungen. Meine Prognose ist deshalb vorsichtig positiv.

Alfred Schlicht
Alfred Schlicht

Der promovierte Islamwissenschaftler Alfred Schlicht hat viele Jahre im Nahen Osten, u.a. in Kairo, Beirut, Sanaa und Amman, sowie in den USA gelebt.
Zur Biografie von Alfred Schlicht

Share this post:
Alfred Schlicht
Alfred Schlicht

Der promovierte Islamwissenschaftler Alfred Schlicht hat viele Jahre im Nahen Osten, u.a. in Kairo, Beirut, Sanaa und Amman, sowie in den USA gelebt.
Zur Biografie von Alfred Schlicht

Share this post:
Mehr zur Rubrik
Mit einem Pandabär das Glück des Gelassenseins lernen
Aljoscha Longs & Ronald Schweppes „Bao, der weise Panda und das Geheimnis der Gelassenheit“
Titelbild Bao, der weise Panda und das Geheimnis der Gelassenheit

Interviews | 6. November 2017 | Jörg Steinleitner

Kann uns ein Pandabär den Weg zu mehr Lebensglück zeigen? Der Psychologe Aljoscha Long und der Meditationslehrer Ronald Schweppe finden schon. Und erklären im Interview wie’s geht.

Ein fröhliches Buch über Krebs – geht das?
Jens Wawrczeck interpretiert Jesper Wung-Sungs todtraurigen und dabei urkomischen Roman „Weg mit Knut!“
Weg mit Knut

Interviews | 27. Oktober 2017 | Jörg Steinleitner

Kultsprecher Jens Wawrczeck über sein neues Hörbuch, dem Unglaubliches gelingt: „Weg mit Knut!“ erzählt feinfühlig die ergreifende Geschichte eines krebskranken Jungen und ist dabei urkomisch.

Das Attentat von Berlin – BKA ermittelt
Ein Attentat in Berlin und ein BKA-Mann, den Afghanistan einholt – Falko Löffler über „Tiefe Saat“
Titelbild Tiefe Saat Falko Löffler

Bücher gewinnen Gewinnspiele (aktiv) Interviews | 27. Oktober 2017 | Bernhard Berkmann

Was hat es mit dem Attentat von Berlin auf sich? Gibt es eine politische Verschwörung? Falko Löffler im Interview über seinen Thriller „Tiefe Saat“ und seinen Ermittler, BKA-Mann Peter Sander.

So feiert Jörg Maurer Weihnachten – intime Einblicke
Jörg Maurers Weihnachtsbuch „Stille Nacht allerseits“ ist witzig, reich an Wissen und ein bisschen böse
Jörg Maurer

Interviews Jörg Maurer Spezial | 23. Oktober 2017 | Jörg Steinleitner

Wie verbringt ein Alpenkrimi-König den Heiligabend? Was stört ihn an „Stille Nacht“? Und welche Weihnachtskarten gehen gar nicht? Jörg Maurer beantwortet Jörg Steinleitners unverschämte Fragen.

Nach oben Zurück zur Übersicht