Über die Entstehung von: Dunkler Hass – Lesenswert | BUCHSZENE.DE

Sein Dienst untersucht jährlich 600 Todesfälle. Matthias Bürgel weiß also sehr genau, wovon er schreibt. In seinem Thriller „Dunkler Hass“ erzählt er von einem Serienkiller – eine Geschichte mit realem Hintergrund.

Syndikatskomplize Matthias Bürgel ist als Kriminalbeamter auf Todesfälle spezialisiert

8. Februar 2021 | Syndikat

Titelbild Dunkler Hass

©Marvellino Mikail shutterstock-ID 1271592283

Ich bin ein spätberufener Schreiberling

Geschrieben habe ich in meinem Job schon immer viel. Und ich meine wirklich viel! Strafanzeigen, Ermittlungsberichte, Aktenvermerke, Durchsuchungs- und Haftanträge, Vernehmungen und vieles andere. Würde man alle Seiten, die ich beschriftet habe, aneinanderlegen, könnte man vermutlich Deutschland damit zupflastern. Glaube ich.

Durch einen befreundeten Staatsanwalt ermutigt, kam ich erst spät zum Schreiben. 2015 verfasste ich meinen ersten Thriller – „Projekt Goliath“, dessen Manuskript ich Bastei Lübbe unterbreitet hatte. Nach wochenlangem Hin und Her wurde von der Verlagsleitung die Veröffentlichung von Projekt Goliath, wegen des „heiklen Themas“, letztlich abgelehnt.

Geduld besitze ich leider nur rudimentär. Ich habe mich dann nicht weiter bemüht, das Manuskript anderen Verlagen anzubieten, weshalb ich mich fürs Selfpublishing entschieden hatte. 2016 erschien Projekt Goliath bei Books on Demand (Norderstedt), 2017 folgte Akte Kronos, welche beide über mehrere Wochen unter den BoD-Bestsellern waren.

Ich saß im Garten und hätte mich beinahe an meinem Kaffee verschluckt, als mich im Mai 2018 der Verlag Bastei Lübbe mit seinem Anruf überraschte. „Ob ich gerade an einem Manuskript arbeiten würde?“

Tatsächlich hatte ich zu dieser Zeit begonnen einen Psychothriller zu schreiben. Mehr als sechsunddreißig Seiten waren allerdings noch nicht fertig. Man gab sich mit dieser Leseprobe und einem schnell zusammengeschriebenen Exposé zufrieden, das ich via Mail sogleich auf den Weg gebracht hatte. Zwei Wochen später flatterte mir der Vertrag für „Dunkler Hass“ ins Haus. Ich glaube, dass ich mich erst ab diesem Zeitpunkt als Autor fühlte.

Worum geht’s in „Dunkler Hass“?

Ein Serienkiller verschleppt junge Frauen, die er grauenvoll verstümmelt und tötet. Hilfesuchend wendet sich Kommissar Marius Bannert an den bekannten Fallanalytiker Falk Hagedorn, der nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Gemeinsam tauchen die beiden Kriminalisten nach und nach in die Psyche des Täters ein. Doch als sie beginnen, seine Motivation zu erahnen, holt der Killer zum Gegenschlag aus – und ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Meine Arbeit ist tägliche Inspiration

Als Kriminalbeamter beim Kriminaldauerdienst bin ich jeden Tag aufs Neue mit dem Tod und den menschlichen Abgründen konfrontiert. Der KDD meines Standortes bearbeitet jährlich 500-600 Todesfälle (Todesursachenermittlungen). Obwohl ich längst aufgehört habe die Todesfälle zu zählen, die ich schon bearbeitet habe, ist meine Neugier bei jedem einzelnen Fall, der mir begegnet, ungebrochen. Manchmal ertappe ich mich bei der Frage, ob sich der eine oder andere Fall für eine Story eignen würde.

Die Inspiration zu „Dunkler Hass“

Tatsächlich hat mich ein reeller Fall, wie er sich vor einigen Jahren zugetragen hat, zu „Dunkler Hass“ inspiriert, wenngleich die Tat aus einer anderen Motivation verübt wurde. Während meines Studiums hatte ich im Fachbereich Psychologie die Gelegenheit ein Semester lang Vorlesungen zu „Sexuellen Devianzen“ zu besuchen. Einiges davon findet sich in „Dunkler Hass“ wieder. Aber lest selbst …

Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten

Manchmal gärt und reift eine Geschichte, ein Plot, wochenlang in meinem Kopf. Fast noch länger beschäftigen mich die handelnden Figuren. Vielschichtig sollen sie sein, interessant, unvorhersehbar, authentisch.

Ich finde es schade, wenn oftmals die Ermittler*innen als völlig kaputte Existenzen überzeichnet werden.

Falk Hagedorn, der Fallanalytiker aus „Dunkler Hass“, hat mich lange beschäftigt. Er sollte eine Geschichte, eine Vergangenheit haben, eine Person mit Ecken und Kanten – einfach ein interessanter Charakter eben, mit dem ich mich selbst auch ein Stück weit identifizieren kann. Mag sein, dass auch er ein paar Klischees erfüllt.

Ich denke, dass mir mit Falk Hagedorn ein Seriencharakter gelungen ist, der seine Ermittlungen in „Schrei nach Rache“ wieder aufnimmt. „Schrei nach Rache“ ist am 28.08.2020 als eBook bei Bastei Lübbe erschienen.

Wenn ich schreibe, bin ich sehr diszipliniert

Mein Beruf, Familie, Kinder, Enkel, Haus und zwei Hunde fordern mich sehr. Ich muss mir tatsächlich Tage frei schaufeln, die ich nur zum Schreiben nutze. Da kann es dann durchaus sein, dass mein Wecker um 05.30 Uhr klingelt und ich mich, nach zwei Tassen Kaffee, an den Laptop setze und in die Tasten haue – natürlich bei ständigem Kaffeenachschub.

Wo ich schreibe, ist für mich gar nicht so wichtig. An manchen Tagen oder besonders schwierigen Kapiteln, ziehe ich mich in mein Büro zurück, weil ich dann einfach absolute Ruhe brauche. Sonst schreibe ich dort, wo ich mich gerade wohl fühle. Im Garten, im Esszimmer oder auf der Couch im Wohnzimmer.

Ich bin süchtig nach sauren Zungen …

Während des Schreibens nasche ich gerne. Da kann es schon mal sein, dass da ein Plastikeimer mit sauren Zungen steht. Wenn die Zunge dann rau und blutig ist, wird Feierabend gemacht.

… und nach guter Musik

Gerne lasse ich mich durch gute Musik inspirieren. Den Kopfhörer auf den Ohren, läuft oft unterschwellig ein guter Sound. Viele Kapitel zu „Schrei nach Rache“ sind mit Filmmusik von Hans Zimmer entstanden.

Schlecht recherchierte Fakten in einem Buch machen mich fuchsig 

Deshalb nehmen Recherchearbeiten bei mir viel Zeit in Anspruch. Es kann schon mal sein, dass ich mich verkorkst kniend über den Badewannenrand beuge, um zu sehen, ob meine Leiche das überhaupt kann. Oder dass ich mich in einen Rollstuhl setze, um zu testen ob und wie man damit Treppenstufen überwinden kann. Für „Schrei nach Rache“ durfte ich auf dem Pilotensitz eines Airbus A320 platznehmen, während mir ein befreundeter Pilot ausführlich die Instrumente und die Abläufe im Cockpit erklärte. Nein – natürlich nicht während des Fluges.

Dank meines Jobs habe ich einen großen Fundus an Spezialisten, die ich dankenswerterweise ausquetschen darf. Rechtsmediziner, Staatsanwälte, Richter, Strafverteidiger, Ärzte, Chemiker, Psychologen, Archäologen, Anthropologen, Biologen und einen Haufen anderer -logen .

Leider warte ich schon seit einigen Wochen auf einen Gesprächstermin bei einem Thanatopraktiker. Wie war das gleich mit der Geduld?

Von Matthias Bürgel

 

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