Vincent Kliesch: Die Frequenz des Todes. Kritik | BUCHSZENE

Der Albtraum aller Eltern: Das eigene Baby verschwindet! Der forensische Phonetiker Hegel und die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge übernehmen in Vincent Klieschs „Die Frequenz des Todes“ den Fall.

Vincent Klieschs „Die Frequenz des Todes“ ist inspiriert von einer Idee Sebastian Fitzeks

4. Mai 2020 | Stephanie Pointner

Titelbild Die Frequenz des Todes

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Eine Mutter ruft verzweifelt den Notruf – ihr Baby ist verschwunden

Bei der Berliner Notrufzentrale geht der Anruf einer verzweifelten Mutter ein, dass ihr Baby verschwunden ist. Bevor nähere Informationen oder der Einsatzort abgeklärt werden, wird der Anruf abgebrochen. Der Mitarbeiter der Notrufzentrale leitet diesen mysteriösen Anruf an das Landeskriminalamt weiter, dort wird Kommissar Holder beauftragt sich der Sache anzunehmen. Für den erfahrenen Ermittler erhärtet sich der Verdacht, dass er einem großen organisierten Verbrechen auf der Spur ist. Da er allerdings mit den Ermittlungen nicht weiterkommt, kontaktiert er Matthias Hegel und bittet ihn um Hilfe.

Matthias Hegel, genannt „Auris“, übernimmt die Ermittlungen

Matthias Hegel ist forensischer Phonetiker und als solcher in der Lage kleinste Geräusche oder Veränderungen in der Stimme wahrzunehmen. Er hat jahrelang für die Polizei gearbeitet und sich deutschlandweit einen Namen gemacht. Derzeit sitzt er aufgrund des Mordverdachts an seiner Exfrau allerdings im Gefängnis. Er sichert Holder seine Unterstützung zu und wird dafür in den Hausarrest überstellt. Da Matthias Hegel aufgrund der Fußfessel seine Villa nicht verlassen kann und er zudem einen Maulwurf im LKA vermutet, bittet er die True-Crime-Podcasterin Jula um Hilfe.

Jula und Hegel kommen einer Verbrecherorganisation auf die Spur

Wie auch schon in „Auris“, dem ersten Band von Vincent Klieschs Jula-Ansorge-Serie, sichert Jula dem Phonetiker Hegel ihre Hilfe zu, da sie sich im Gegenzug Informationen über ihren tot geglaubten Bruder erhofft. Trotz gegenseitiger Skepsis tauschen beide ihre Ermittlungsergebnisse aus und stellen bald fest, dass sie einer weltweiten kriminellen Organisation auf der Spur sind, die vor nichts zurückschreckt. Entgegen aller Warnungen ermittelt Jula in einem gefährlichen Alleingang und gerät dabei nicht nur einmal in große Lebensgefahr. Zudem muss sie feststellen, dass vieles ganz anders ist als zunächst erwartet und Jula einmal mehr zu Hegels Marionette wird, da dieser seine ganz eigenen undurchschaubaren Pläne verfolgt.

Dieser Jula-Ansorge-Thriller basiert auf einer Idee von Sebastian Fitzek

Vincent Klieschs Thriller, der nach einer Idee von Sebastian Fitzek entstanden ist, hat mich sofort seinen Bann gezogen. Bereits im Prolog sorgen die Ängste der Mutter um ihr verschwundenes Baby für Gänsehaut. Da sich im gesamten Buch Kapitel rund um Jula, Hegel, die Kindesmutter Cecile und deren Mann Jonathan abwechseln, bleibt der Spannungspegel durchgehend nervenzerreißend hoch. Als Leser*in merkt man schnell, dass die einzelnen Charaktere, allen voran Jonathan, ihre eigenen Motive verfolgen und Geheimnisse haben, aber letztere offenbaren sich nur sehr langsam. Die anschließenden Auflösungen wirken dafür wie Paukenschläge und hallen lange im Gedächtnis nach.

Vincent Klieschs „Die Frequenz des Todes“ ist noch besser als Band 1

In „Die Frequenz des Todes“ werden nervenzerreißende Spannung, rasante Action, undurchschaubare Motive, schockierende Offenbarungen und überraschende Wendungen äußerst gelungen verbunden. Da auch die einzelnen Charaktere, allen voran die Hauptfiguren, überzeugen und ihre Gefühlswelt und Emotionen sehr greifbar und glaubwürdig erscheinen, ist Vincent Klieschs Werk ein perfekter Thriller. Dieser Teil der Serie hat mir sogar noch besser gefallen als der auch sehr gelungene erste Band „Auris“.

Trotz meiner Begeisterung habe ich leider auch zwei Kritikpunkte

Einerseits geraten, aufgrund von Julas Alleingängen, die anderen Protagonisten etwas in den Hintergrund. Dies hat mich vor allem bei Friedrich, Elyas und Paul gestört, da diese zwar immer wieder vorkommen, aber keine wichtige Rolle spielen. Auch Matthias Hegel („Auris“), nach dem der erste Band benannt ist, kommt mir persönlich im Mittelteil deutlich zu kurz, obwohl ich die Einblicke in die Arbeit eines forensischen Phonetikers äußerst interessant und faszinierend finde. Etwas unglaubwürdig erscheint mir zudem Julas Gespräch mit einer Mitarbeiterin der kriminellen Organisation. Diese bedroht Jula mit einer Waffe und kündigt an, die junge Podcasterin zu töten. Dennoch enthüllt sie Jula bereitwillig und sehr ausführlich alle Pläne und die Vorgehensweise der Organisation. Zudem werden das Schicksal von Julas Bruder und die Wahrheit über die Vergewaltigung, wie schon im ersten Band, erneut nur angeschnitten und nicht aufgeklärt. Wenn man die Hintergründe erfahren will, muss man somit hoffen, dass es einen weiteren Fall für Hegel und Jula geben wird. Aber bei derart gelungenen Thrillerreihen hofft und wartet man ohnehin gerne auf eine Fortsetzung.