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ISBN 978-3-86476-190-4

132 Seiten

€ 18,00

„Das Böse wird abgewatscht und das Gute glücklich!“ Peggy Wolf im Interview über Fantasie, Werte, das Schreiben und ihr Märchenbuch „Der Wunsch des Blumenelfs“.

Mit „Der Wunsch des Blumenelfs“ legt Peggy Wolf ihr erstes Märchenbuch vor

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Frau Wolf, Sie haben mit „Der Wunsch des Blumenelfs“ ein Märchenbuch geschrieben. Sicherlich nicht wenige Menschen könnten der Ansicht sein, Märchen seien etwas Altmodisches. Vermutlich vertreten Sie da eine ganz andere Meinung?

Da vermuten Sie ganz richtig, denn Märchen sind zeitlos. Das ist eines der Charakteristika, die diese Geschichten ausmachen. Sie passen somit in jede Zeit oder in keine. Altmodisch, nein, das kann ich nicht sagen.

Was können Märchen, was andere Texte nicht vermögen?

Sie bieten Trost. Das Böse bekommt immer eine Watschen, das Gute wird glücklich. Was willst Du mehr? Märchen fragen nichts, sie beantworten auch keine Fragen, sie sind der Ursprung des modernen Storytellings und dienen einzig der Geschichte, die den Umständen der Darstellung – den Charakteren – entspricht. Orte, Zeit und andere lineare Komponenten sind aussagegebunden und nur zu diesem Zweck Teil der Geschichte. Diese handeln oft von archetypischen Akteuren oder symbolischen Orten, die mit Situationen der Ohnmacht oder der Ungerechtigkeit zu kämpfen haben. Situationen, die jeder mal im richtigen Leben erlebt hat und sich wahrscheinlich eine Hexe, Drachen oder ein Wunder dann sehr gewünscht hätte. Und darüber nachzudenken, dazu regen Märchen an und auch zum Nacherzählen.

Hatten Sie beim Schreiben der elf Erzählungen eine bestimmte Leser- bzw. Zuhörerschaft im Kopf?

Nein, jeder, der lesen kann, sollte Märchen lesen. Und alle, die noch nicht lesen können, sollten Märchen vorgelesen bekommen, und alle, die nicht mehr lesen können, sollten Märchen hören. Ich würde mich freuen, wenn ich mit meinem Märchenbuch die Fantasie aller anregen könnte.

Welche Mittel setzen Sie dazu ein?

Am ehesten Sprache. Am besten eine, die der Kindheit entspricht oder Kindheitserinnerungen weckt. Damit meine ich nicht sowas aufgesetztes Altbackenes, sondern so, als kramte jemand in seiner Schatztruhe oder fände auf dem Dachboden den Schreibtisch aus Kindertagen, in dessen Schublade noch ein irgendwie vergessenes Märchenbuch liegt.

„Der Wettkampf der Hasen“ ist die erste Geschichte in Ihrem Buch. Es geht darin um einen Wettlauf, der am Ende alle Hasen gewinnen lässt …

„Der Wettkampf der Hasen“ ist eine trickreiche Erzählung. Sie gibt vor, von einem Wettlauf zu berichten, dieser wird jedoch nur kurz abgehandelt. Da könnten Lesende beleidigt sein. Bei näherem Hinsehen sollte der Titel dazu einladen, darüber nachzudenken, worin der Wettkampf der Hasen besteht. Denn Hasen können untereinander offenbar ganz schön heftig streiten. Aber am Ende behalten sie das Wesentliche im Blick. Und darauf kommt es bei einem Wettkampf doch an, oder?

Im Märchen „Der arme Schuster“ geschieht sogar ein Wunder …

Ha, ha, der arme Schuster ist schon ein überaus furchterregender Chef. Den wünscht sich wirklich niemand. Und: Da braucht es nichts Geringeres als ein Wunder. Kennt doch jeder aus der Arbeitswelt.

Die Moral der Schuster-Geschichte ist es, dass der ehrliche und freundliche Lehrling belohnt wird. Welche Werte wollen Sie damit transportieren und warum?

Es geht um Moral, aber auch um Wirtschaftskonzepte wie Nachwuchsförderung, Sei-nett-zu-Deinem-Lehrling-er-wird-mal-Dein-Konkurrent, Gebietsschutz. Dies in Märchensprache und -form verpackt, kommt ohne viel Brimborium aus. Das gefällt mir am meisten.

Welche tiefere Bedeutung steckt in Ihrer Titelgeschichte „Der Wunsch des Blumenelfs“, die von einem Elfen und einem Käfer handelt, dem der Elf einen Wunsch erfüllen muss, um weiterleben zu dürfen?

Da geht es ums Schenken und um das Erhalten von Geschenken. Und was das bedeutet. Für die eine wie für die andere Seite. Es ist ein bisschen wie der tiefere Sinn von Weihnachten, aber es geht um Leben und Tod. Na ja, vielleicht geht es dabei zu Weihnachten ja auch manchmal.

Was macht für Sie ein gutes Märchen aus?

Kürze, Sinn, Hoffnung und Trost. Und manchmal auch ein wenig Rache.

In Ihrem Buch sind kleine schwarz-weiße Illustrationen. Bitte erzählen Sie ein wenig, was es damit auf sich hat.

Ja, die Illustrationen von Svetla Filipova … sie passen so unglaublich gut. Ich hatte, als ich die Märchen für das Manuskript zusammenstellte, die Idee, unbedingt Illustrationen haben zu wollen. Ich habe lange überlegt wie diese aussehen könnten. Schließlich habe ich Svetla kennengelernt – wahrscheinlich bedingt durch einen sehr, sehr guten Zauber – und habe ihr von meinen Einfällen erzählt. Und Svetla hat dann diese Vorstellungen auf so wunderbare Art umgesetzt. Ich war manchmal richtig gänsehäutig wie stimmig die Bilder zu den Märchen passen. Und wenn ich jetzt so durch das Buch blättere, dann muss ich sagen: Erst diese Illustrationen haben aus der Textsammlung ein Buch werden lassen. Und was für ein hübsches.

Gibt es Märchen-Autoren, die Sie besonders inspirieren?

Da müssen wir etwas unterscheiden: Volksmärchen sind Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden und in allen Ländern der Welt vorkommen. Sie haben keinen Verfasser – oft ist nicht einmal der Ursprung der Geschichten bekannt, aber diese Geschichten sind zu Sammlungen zusammengeführt worden, die wir kennen, so wie die von Giambattista Basile, Charles Perrault, Marie-Catherine d’Aulnoy oder die der Gebrüder Grimm. Außerdem gibt es Kunstmärchen. Die haben einen Literaturschaffenden als Ursprung. Viele namhafte Schreibende haben Märchen herausgebracht, so Hans Christian Andersen, ETA Hoffmann, Theodor Fontane, Charles Dickens, Thomas Mann, Gerhard Hauptmann, Hermann Hesse, Ernst Jünger, Willi Meinck, Fred Rodrian, Franz Fühmann, Michael Ende. Ich habe viele davon gelesen und bin am meisten davon beeindruckt, welche Vielfalt an Wendungen und Wundern immer wieder möglich sind.

Mit „Acker auf den Schuhen“ und „Weißes Land“ haben Sie auch zwei Romane verfasst. Ist das Märchenschreiben ähnlich wie das Romane-Schreiben?

Nein, das Märchenschreiben ist Vergnügen, Romane zu schreiben ist ultraharte Arbeit. Struktur, Disziplin und Psychologie – also eher Schwitzen, statt Happyness. Der Gewinn bei der Arbeit macht sich an anderen Dingen aus. Beim Märchen geht es um den Sinn der Geschichte. Beim Romaneschreiben muss die Geschichte den Sinn erkennbar machen. Bei Märchen gilt: Der Weg ist das Ziel. Bei Romanen ist aufzupassen, dass das Ziel nicht im Weg steht.

Sie schreiben seit vielen Jahren und geben auch Schreibseminare. Was bedeutet Ihnen das Erfinden von Geschichten?

Tja, am ehesten meinen Bildern im Kopf Raum zu geben. Ich bin da ganz eigennützig. Und leider auch furchtbar produktiv. Das muss mal alles irgendwohin. Das wäre sonst nicht gesund.

Gibt es in Ihrem Märchenbuch eine Geschichte oder einen Helden, den Sie besonders mögen?

Ja, ich mag den Esel aus der Geschichte „Der Löwe, der ein Esel sein wollte“ besonders gern. Ich denke da an zahlreiche Urlaube, des Gepäcks beraubt, der Glückseligkeit abhold, Sonnenbrand oder Schlimmeres – und wie schön ist es dann, einen Freund zu finden, der alles regelt. Und der noch dafür sorgt, dass es ein Schiff nach Hause gibt. Denn dort ist es ja doch am schönsten. Wobei die Geschichte bleibt.

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ISBN 978-3-86476-190-4

132 Seiten

€ 18,00

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Jörg Steinleitner

Geboren 1971, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule. Er veröffentlichte rund 25 Bücher für Kinder und Erwachsene. Steinleitner ist seit 2016 Chefredakteur von BUCHSZENE.DE und lebt mit Frau und drei Kindern am Riegsee.

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