
© Natalie Müller
Liebe Leserinnen,
mein Name ist Natalie und ich bin freiberufliche Texterin.
Ich finde, wir Frauen lassen uns viel zu viel gefallen. Sicherlich hast du auch schon Sätze gehört wie: „Pssst sei ruhig. Zick´ nicht so viel rum, sonst findest du nie einen Ehemann. Sei lieb und brav – so, wie es sich für ein Mädchen gehört.“ Solche Aussagen passen prima ins Mittelalter, aber doch nicht in die heutige „moderne“ Zeit. Und doch begleiten uns solche Botschaften von Geburt an.
Kein Wunder, dass wir Frauen uns viel zu viel gefallen lassen, nur damit uns irgendwann ein Mann „ertragen“ kann und unser Boss uns nicht rauswirft. Was diese Zurückhaltung mit einem selbst anstellt, erfuhr ich die ersten 23 Jahre meines Lebens am eigenen Leib. So lange, bis es mir einfach reichte. Schon als Kind wurde mir eingeredet, dass ich nichts kann und nichts wert bin. Das zog sich durch bis in mein Berufsleben.
Ich begann eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin. Mobbing gegenüber uns Schülerinnen war an der Tagesordnung. Nach dem Examen blieb ich in diesem Beruf, obwohl er mir nie Freude bereitet hat. Getraut, etwas ganz Neues zu machen, habe ich mich nicht. Ich wusste ja nicht einmal, was ich anderes hätte machen können. Als Fachkraft war die Arbeitsatmosphäre nicht viel besser als zu meiner Ausbildungszeit. Neben dem Mobbing von Kollegen kamen nun noch die Führungskräfte und Patienten dazu.
Das alles ließ ich über mich ergehen. Hatte ich doch gelernt: Du musst still alles ertragen, sonst bist du nur eine nervtötende Zicke, die niemand leiden kann.
Aber irgendwann war ich es leid, der Fußabstreifer für alle zu sein. War es leid, meine Meinung nicht zu äußern, kein Verständnis zu bekommen und in meinen Bedürfnissen nicht ernst genommen zu werden. Ich setzte an zum Radikalschlag und änderte binnen drei Monaten alles: meinen Freundeskreis, meinen Wohnort, mein Denken über mich selbst, meine Ziele und Pläne.
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