Lesley Kara: Das Gerücht. Buchkritik | BUCHSZENE

Eine Mutter zieht wegen ihres Kinds in ihre Heimat zurück. Aus sozialer Unbeholfenheit heraus setzt sie ein mörderisches Gerücht in die Welt. Lesley Karas „Das Gerücht“ ist ein packender Krimi.

Lesley Karas Debüt-Krimi „Das Gerücht” bereitet nervenzerfetzende Spannung

7. April 2020 | Redaktion

Das Gerücht

© bokmok/Shutterstock.com

Gewinnspiel:
Die 20 Gewinner von Lesley Karas „Das Gerücht“ stehen fest. Wer gewonnen hat, finden Sie hier heraus!


Eine junge, alleinerziehende Mutter und Immobilienmaklerin

Joanna ist alleinerziehend und lebt mit ihrem Sohn Alfie in London. Da der Grundschüler gemobbt wird und Joanna Schwierigkeiten hat ihre Arbeitszeiten und die Kinderbetreuung zu vereinen, beschließt sie in ihre Heimatstadt Flinsted zu ziehen. Auch ihre Mutter lebt in der Küstenstadt und unterstützt Joanna bei der Kinderbetreuung. Während sich die junge Mutter in ihre neue Arbeit als Immobilienmaklerin stürzt, wird Alfie auch in der neuen Schule ausgegrenzt. Joanna versucht Anschluss zu den anderen Müttern zu bekommen und dadurch neue Spielkameraden für Alfie zu finden.

Joannas soziale Unbeholfenheit führt zur Verbreitung eines Gerüchts

Aus diesem Grund unterhält sich Joanna vor der Schule mit den anderen Müttern und besucht zudem den örtlichen Buchclub und den Babysitterkreis. Ihre Bemühungen tragen bald Früchte und Alfie wird von den anderen Kindern immer öfter zum Spielen oder Geburtstagsfeiern eingeladen. Allerdings ist Joanna dadurch gezwungen im Kontakt mit den anderen Müttern zu bleiben. Sie wirkt sozial etwas unbeholfen und versucht unangenehme Gesprächsthemen zu vermeiden. So auch im Buchclub, weshalb sie ein zuvor gehörtes Gerücht verbreitet.

Eine berüchtigte Kindermörderin soll inkognito im Ort leben

Angeblich soll Sally McGowan, eine berüchtigte Kindermörderin, welche sich im Zeugenschutzprogramm befindet, in Flinsted leben. Dieses Gerücht zieht immer weitere Kreise und wird zunehmend ausgeschmückt. Schnell wird eine Frau im Ort verdächtigt Sally zu sein. Sie wird von der Bevölkerung angefeindet und angegriffen. Joanna schafft es nicht das Gerücht zu stoppen, ganz im Gegenteil heizt sie es sogar immer weiter an. Doch plötzlich dreht scheinbar die Gejagte den Spieß um und beginnt Joanna und Alfie zu verfolgen und zu bedrohen.

Selbst als Leser*in kann man sich der Macht des Gerüchts nicht entziehen

Im Laufe der Handlung wird Joanna immer mehr in den Sog des anfangs ganz harmlosen Gerüchts gezogen und reagiert zunehmend verängstigt auf ihr soziales Umfeld. Das geht sogar so weit, dass sie wahnhaft, beinahe schon paranoid, auf jeden Mitbürger von Flinsted reagiert. Dies ist allerdings nicht nur bei Joanna der Fall, auch als Leser*in fängt man an, jedes noch so belanglose Detail zu interpretieren, das Schlimmste zu ahnen und beinahe alle Protagonisten zu verdächtigen. Da sich auch immer wieder Kapitel aus Sicht der Mörderin und Zeitungsartikel im Buch befinden, wird die Spannung immer weiter gesteigert und am Ende ist sie tatsächlich beinahe nervenzerreißend.

Lesley Kara liefert eine ziemlich überraschende Auflösung

Die Auflösung kommt dann sehr überraschend, ist aber glaubwürdig. Bis hierhin konnte mich der Roman wirklich überzeugen, begeistern und mitreißen. Einzig der actiongeladene und fulminante Kampf auf Leben und Tod am Ende des Romans war mir persönlich etwas zu viel. Die Auflösung der Identität von Sally McGowan und ihre Version der Geschichte, hätten mir als Ende gereicht und wären meiner Meinung nach glaubhafter gewesen als der Kampf im Abrisshaus zwischen Sally und einer Angehörigen des ermordeten Kindes.

Man spürt die Angst der Hauptfigur beinahe am eigenen Leib

Lesley Karas Debüt „Das Gerücht“ stellt die gefährliche Entwicklung eines Gerüchts unfassbar gelungen dar und spielt dabei sehr raffiniert mit den Ängsten der Protagonisten und der Vorstellungskraft der Leser*in. Durch die Ich- Perspektive kann sich die Leser*in sehr gut in Joanna hineinversetzen und erfährt so die Ängste beinahe wie am eigenen Leib. Dies hat zur Folge, dass man auch als Leser*in verzweifelt versucht, Sally McGowan zu entlarven, um endlich den Bedrohungen ein Ende zu setzen. Besonders gut hat mir gefallen, wie im Laufe der Handlung der unbedacht erzählte Klatsch weiter ausgeschmückt wird und immer weitere Kreise zieht, bis er letztendlich nicht mehr zu stoppen ist und dies beinahe tödliche Folgen mit sich bringt.


Wir gratulieren den 20 Gewinnern von je einem Exemplar „Das Gerücht“:

Carmen Brunne aus Lauta
Hans-Joachim Löser aus Leipzig
Jacqueline Mahlo aus Lugau
Helmut Pfau aus Berlin
Anke Fuß aus Blankenfelde
Dagmar Leutritz aus Stade
Bärbel Steinke-Wettenfeld aus Ganderkesee
Jeannette Giambalvo aus Barsinghausen
Brigitte Dowiasch aus Langenberg
Stefan Riesener aus Oberhausen
Helga Licher aus Bramsche
Mickael Linzenich aus stolberg
Theresia Berens aus Arnsberg
Peter Weigelt aus Mömlingen
Ingrid Berlinghof aus Reilingen
Herwig Jurenka aus Plochingen
Birgit Anic aus München
Katrin Liedtke aus Bad Saulgau
Alexandra Waldon aus Tegernheim
Anna-Magdalena Bröckl aus Bad Mergentheim

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