Karl Olsberg: Das Freu. Kritik von Frau Bluhm | BUCHSZENE

Mafalda ist begeistert: Der Fortunator macht glücklich. Doch das Glück hat eine Kehrseite. Kann das Mädchen die Menschen wachrütteln? Karl Olsbergs „Das Freu“ handelt von sozialen Medien und dem Glück.

In Karl Olsbergs „Das Freu“ versucht ein Mädchen die Menschen glücklicher zu machen

23. Oktober 2019 | Frau Bluhm

Titelbild Der Freu

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Frau Bluhm liest „Das Freu“: 5 von 5 Blu(h)men

5 Blumen Frau Bluhm liest


Der Fortunator ist eine Art hochmoderner rosaroter Glücks-Brille

Als Mafaldas Vater von einer Geschäftsreise zurückkehrt und einen Fortunator für sie im Gepäck hat, ist das Mädchen zunächst absolut begeistert. Diese hochmoderne rosarote Brille soll alle, die durch sie schauen, glücklicher machen, indem sie ihre Realität anpassen, optimieren und vereinfachen. Für Mafalda kommt der Fortunator genau zum richtigen Zeitpunkt, denn nach dem Umzug vermisst sie ihre Freunde und ihren Vater. Zu ihrer Stiefmutter Eva findet sie keinen Zugang.

Zunächst scheint die Menschheit glücklicher zu werden, aber dann …

Schon bald streift Mafalda dank dem Fortunator mit ihrem kleinen virtuellen Kater Kasimir durch virtuelle Realitäten und auch die Schule fällt ihr wegen der Mithilfe des Fortunators leichter. Schon bald werden die Fortunatoren auch in Deutschland zur Massenware und werden in allen Lebensbereichen eingesetzt. Die Menschheit scheint glücklicher, doch Mafalda erkennt als einzige, dass es nur ein scheinbares Glück ist, dem die Menschen frönen – und dass die Wirklichkeit viel interessanter ist als zunächst gedacht.

Karl Olsbergs „Das Freu“ spiegelt unseren Umgang mit Social Media

Karl Olsberg schafft mit seinem Kinder- bzw. Jugendroman „Das Freu“ eine Metapher für den modernen Umgang mit Technologie und sozialen Medien. Anhand von Mafaldas Beispiel erklärt er bildhaft und poetisch, wie Menschen wegen ihrem falschen Umgang mit sozialen Medien und moderner Technologie vereinsamen und so kranker und kranker werden. Als Sinnbild für den realen Umgang mit den täglichen schönen Dingen setzt Olsberg das Freu, das Mafalda durch neugieriges Stöbern im Nachbargarten entdeckt.

Das Freu ist ein Naturgeist, der Menschen mit reiner Seele erscheint

Das Freu ist ein kleiner, blauer Naturgeist, der nur den Menschen erscheint, die ihre Seele reinhalten und ganz bei sich bleiben. Es kann sich in jedes Tier und Gegenstand verwandeln und hat ein einziges Ziel vor Augen: die Menschen zu erfreuen. Das Beste am Freu ist: Wenn man versucht es mit jemandem zu teilen, dann verdoppelt es sich. Geteilte Freude ist eben doppelte Freude.

Aber Achtung: Es gibt neben dem Freu auch ein Ärg, das wütend macht

Doch aufgepasst! Nimmt man jemandem ein Freu weg, dann verwandelt es sich in ein rotes Ärg, das die Menschen wütend macht und ihnen die Einfühlsamkeit raubt. Auch die Ärgs verdoppeln sich leider, wenn man sie an jemanden weitergibt. Bald schon ist Mafalda die einzige, die erkennt, dass die Fortunatoren, die doch eigentlich Glück in die Welt bringen sollten, das Gegenteil bewirken, weil die Menschen schlecht mit der ihnen geschenkten Technik umgehen. So macht sich das Mädchen auf, um bei der True Happiness Corporation nach Heilung für die Menschheit zu suchen.

Warum auch Erwachsene den Roman vom Freu lesen sollten

Karl Olsberg findet einen wunderbaren Ton, um dieses sehr aktuelle Thema in eine leicht zu lesende und unterhaltsame Geschichte zu packen. Ich würde mir wünschen, dass viele Erwachsene sein Buch mit ihren Kindern lesen, denn die Botschaft, die hinter dieser Metapher steckt, ist für uns „Große“ fast noch wichtiger als für die „Kleinen“. Denn wir sind es ja, die ihnen den Umgang mit den Medien nahebringen. Besonders gut gefällt mir dabei, dass der Autor die moderne Technik keinesfalls verteufelt. Er macht lediglich deutlich, dass wir selbst dafür verantwortlich sind wie wir sie einsetzen. Der Unterricht in der Schule wird beispielsweise durch die Fortunatoren viel abwechslungsreicher und interessanter für die Kinder. Schule zum Anfassen! Doch die Nebenwirkungen im täglichen Miteinander geben ein großes Negativbeispiel ab.

Wir sollten uns ein Beispiel an diesem mutigen Mädchen nehmen

Ich persönlich habe die Reise mit Mafalda und dem Freu sehr genossen. Die Gedanken dieses mutigen Mädchens sind inspirierend. Dass sie das Rauschen in den Bäumen und das Summen der Bienen allemal lieber mag, als die neueste App auf ihrem Fortunator, finde ich gut. Wenn ich manchmal in der Stadt unterwegs bin und sehe wie das Kommunikationsverhalten der Menschen sich auf das Wischen auf dem Smartphone und das Schreiben von WhatsApp-Nachrichten reduziert hat, so möchte ich es am liebsten Mafalda nachtun und das ein oder andere kleine Freu unter die Leute bringen. Wir sollten uns ein Beispiel an diesem mutigen Mädchen nehmen.

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Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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