Heymann aus Hamburg
Books are different. Buchhandlungen sind es auch. Sie sollten es zumindest sein. Die Buchhandlungen, die wir Ihnen jetzt ab September 2016 regelmäßig alle vier Wochen als „Buchhandlung des Monats“ vorstellen und empfehlen werden, sind es: Sie bringen auf beeindruckende Weise Bücher und Menschen zusammen. Anders als bei Loriot, wo schon mal „plötzliche Regenfälle zum Betreten einer Buchhandlung zwingen können“. Da stolpert, während heftige Schauer niedergehen, ein derangierter, durchnässter, knollennasiger Zeitgenosse mit halbgeöffnetem Regenschirm durch den Eingang orientierungslos auf ein Regal mit Klassikern zu. Selten wurde das gespaltene Verhältnis des modernen Menschen zu seiner Buchverkaufsstelle ironischer und genauer in Worte und Zeichen gefasst. Wo doch heute in einer Buchhandlung nicht nur wegen eines plötzlich einsetzenden schweren Wetters Schutz gesucht wird.
Die Buchhandlung als geistige Schutzhütte
Für nicht wenige Leser ist, bewusst oder unbewusst, „ihre“ Buchhandlung zu einer Art geistiger Schutzhütte geworden. Nicht im Sinne von „Rückzugsort“, sondern als individuelle Stätte der Begegnung, der unmittelbaren Kommunikation, des Austauschs von Informationen. Ein Ort, an dem sich geistige Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz mit buchhändlerischer Kompetenz und Ordnungswillen verbinden. Der in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt Werte wie Überschaubarkeit, Berechenbarkeit, Sicherheit und Vertrauen vermittelt. Kann doch schon das erste Betreten einer Buchhandlung, ob mit oder ohne Regenschirm, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein, der Freude an Büchern, an Menschen, an der Welt. Wo, wenn nicht hier, kann man sie für sich erklärbar machen? Die Lieblingsbuchhandlung – das ist eine Wundertüte voller Möglichkeiten, ein wichtiger Ort, ein Stück geistiger Heimat. Und wer, wie in diesen Buchhandlungen, ernsthaft, respektvoll und verantwortungsvoll mit dem Medium Buch als geistiger Ware umgeht, für den werden immer Menschen und persönliche Beziehungen, nicht Algorithmen und Datenstrukturen im Mittelpunkt stehen. „Es ist ein Gerücht“, heißt es in „Das Lavendelzimmer“ von Nina George, „dass sich Buchhändler um Bücher kümmern. Sie kümmern sich um Menschen.“ Buchhändler und Buchhandlungen sind gerade heute die Knotenpunkte ganz realer, echter sozialer Netzwerke. Oft sind es inhabergeführte, mittelständische Familienunternehmen, die – ohne dabei ihre Online-Präsenz als zweites Standbein zu leugnen oder gar außer Acht zu lassen – nach dieser Maxime erfolgreich agieren und funktionieren. Auch online.
Im Rahmen unserer neuen Aktion „Buchhandlung des Monats“ werden wir Ihnen nicht nur einige dieser richtungsweisenden Unternehmen vorstellen, sondern die jeweilige Buchhandlung bei allen Buchpräsentationen auf „buchszene.de“ über vier Wochen auch als Online-Shop anbieten. Noch besser, Sie besuchen diese Buchhandlungen einmal vor Ort. Wie die Buchhandlung, mit der wir unsere Aktion heute beginnen wollen.
Heymann in Hamburg
Traditioneller Buchhandel auf der Höhe der Zeit
Die Buchhandlung „Heymann“ ist, wie auch die Stadt Hamburg, mehr als nur eine Reise wert. Heymann betreibt, wie von Hanseaten nicht anders zu erwarten, mit seinen vierzehn Buchhandlungen in der Metropolregion Hamburg traditionellen Buchhandel auf der Höhe der Zeit. Mit Christian Heymann, der zusammen mit seiner Schwester Heike Heymann-Rienau das alteingesessene Familienunternehmen leitet, sprach Jörg Steinleitner.
Herr Heymann, Sie sind einer der wichtigsten Buchhändler in Norddeutschland. Warum sind Sie gerne Buchhändler?
Weil es einfach ein schöner Beruf ist, weil ich Bücher liebe, gerne lese und diese Begeisterung auch gerne weitergebe.
Wie muss eine inhabergeführte Buchhandlung heute agieren, um bei Lesern und am Markt erfolgreich zu sein?
Als Buchhändler tragen wir natürlich Verantwortung für das Buch. Eine geistige Ware, dessen Zukunft eng mit der unsrigen verbunden ist. Schon vor Jahren haben wir uns daher die Frage gestellt: Wie reagieren wir auf einen rasant sich verändernden Buchmarkt, wie auf eine neue Generation von Lesern und Buchkäufern? Unsere Antwort fiel klar aus: Wir müssen uns auf das besinnen, was wir wirklich können. Das ist Bücher verkaufen und aussehen wie eine Buchhandlung, nicht wie ein Gemischtwarenladen. Dazu gehört ein klares Profil – buchhändlerische Kompetenz, kulturelles Engagement, Unverwechselbarkeit. Genau darauf konzentrieren wir uns jetzt.
Wie machen Sie das?
Sie betreten unsere Läden und haben sogleich das Gefühl: Hier bin ich in einer Buchhandlung! Das setzt sich mit unseren Mitarbeitern fort: Sie sind kompetent, sie haben Spaß an der Literatur, am Umgang mit Kunden, am Verkaufen. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist unser kulturelles Engagement, sind Veranstaltungen und Lesungen – von Großveranstaltungen für über 1.000 Menschen bis hin zu kleineren Lesungen und „Live-Events“ vor Ort. Das erschöpft sich nicht ausschließlich im Literarischen, sondern geht vom Livekochen über das Basteln mit Kindern bis zum Häkeln und Stricken mit unseren Kunden. Fast alles, was man machen kann und wozu es Bücher gibt, das machen wir in unseren Buchhandlungen gerne auch live – mit unseren Kunden. Sie sollen wissen, dass sich ein Besuch bei uns immer lohnt. Nach dem Motto: „Ich gehe mal rein zu Heymann, es könnte ja was los sein! Und wenn nicht, bin ich zumindest in einer tollen Buchhandlung gewesen.“ Fundament des Ganzen ist und bleibt natürlich unser buchhändlerisches Sortiment – das Wissen um das, was unsere Kunden gerne lesen und lesen würden.
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