
Herr Maurer, in Ihrem neuen Roman „Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel“ passiert etwas Unglaubliches: Kommissar Jennerwein findet sich in einem fremden Körper wieder. Wollen Sie damit die Grenzen der Kriminalliteratur neu ausloten?
Das tue ich doch schon seit Jahren! In diesem vierzehnten Fall von Kommissar Jennerwein vielleicht am konsequentesten und offensichtlichsten. Jennerwein steht nicht nur unter Mordverdacht, er scheint auch gar nicht mehr er selbst zu sein. Was will man mehr.
An einer Stelle heißt es: „Das Sommerkleid von Suse Drittenbass knirschte, als ob sich ein großer Trauerzug über einen kieselbestreuten Friedhofsweg quälen würde, Leichenwagen inklusive.“ Herr Maurer, bitte verraten Sie uns, welche Getränke Sie zur Inspiration trinken, um derart virtuose Opfergattinnenbeschreibungen zustande zu bekommen.
Meist genügt ein Glas frisches Quellwasser.
Jennerwein liest in einem Buch über Wahrnehmungsstörungen, dass fast jede Geistesgröße irgendeinen psychischen Defekt gehabt hat. Ganz unter uns, Herr Maurer: Sie – als prominenter Bestsellerautor und literarische Geistesgröße – unter welcher psychischen Störung leiden Sie?
Ich leide unter dem Zwang, Buchstaben nach bestimmten, geheimnisvollen Regeln aneinanderzureihen, so dass sie am Schluss noch einen Sinn ergeben.
Irgendwann, wenn wir tief drin sind in Ihrer Geschichte, begibt sich Jennerwein in die Obhut zweier mächtiger Organisationen: der Mafia und der katholischen Kirche. Welche der beiden Organisationen ist gefährlicher?
Ich werde den Teufel tun, es mir mit der Mafia zu verderben, indem ich sage: die katholische Kirche ist gefährlicher!
Woran merkt man, dass auch in Ihrem Alpenkurort Mafia und Vatikan sehr aktiv sind?
Ganz einfach: In allen Andenkenläden gibt es sowohl vom derzeitigen Papst wie vom Mafiaboss Padrone Spalanzani Schneekugeln. In einer Schneekugel sitzen sogar beide drin.
Wie halten Sie, Herr Maurer, es mit der Kirche – und der Mafia?
Nun, was soll ich sagen: Ich bin mit beiden aufgewachsen.
In Ihrer Crime-Story spielt auch eine gewisse Irene Dandoulakis eine nicht unbedeutende Rolle. Sie ist Griechin und hat eine Affäre mit dem Mann, dessen Körper Jennerwein durch die Welt trägt. Für Jennerwein ist dies eine brisante Situation – andererseits auch eine erotische Chance. Was macht er daraus?
Wie so oft kann er aus Zeitmangel rein gar nichts daraus machen. Er muss ja den Fall lösen.
Wieso ist Jennerwein eigentlich so unerotisch?
Oh! Jetzt sind Sie auf das bisher ungelüftete Geheimnis des Erfolgs meiner Bücher gestoßen! Mein Rezept: Der Hauptheld darf nicht erotisch sein. Jedenfalls nicht allzu sehr.
In „Bei Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel“ nehmen Sie häufig Bezug auf Geschehnisse aus den vergangenen dreizehn Jennerwein-Fällen. Wenn Sie so einen Rückblick in die Geschichte einweben – müssen Sie dann in den Vorgängerbänden nachsehen, was in welchem Band passiert ist oder wissen Sie das stets auswendig?
Ich gebe es zu: Bei so viel Vorgängerbänden muss ich natürlich schon nachschlagen. Vielleicht liegt es aber auch an meinem vorgerückten Alter, dass ich die schlappen 6.000 Seiten Gesamttext nicht mehr auswendig parat habe. Und wie war Ihre Frage nochmals?

Für den Chat bitte einloggen