„Ich habe auch ein Vater, Er ist Paul. Und ein klein Hund, sie ist Harmony.“
Ich liebe Frankreich. Nein, nicht wegen seines Präsidenten, obwohl der mich trotz seiner Streberhaftigkeit durchaus beeindruckt. Sondern weil ich einen Teil meiner Kindheit dort erlebt habe. Nun kommt ein neuer Grund hinzu: Meine Tochter möchte an einem Schüleraustausch teilnehmen und die Angebotsschreiben der potentiellen französischen Schüler sind in einem derart putzigen Deutsch geschrieben, dass man sie am liebsten alle bei sich zu Gast hätte. Florence zum Beispiel stellt ihre Familie so vor: „Ich habe eine Mutter, Sie ist Céline. Ich habe auch ein Vater, Er ist Paul. Dann habe ich ein Brüder, Er ist Jean und er ist 14 Jahre alt. Außerdem habe ich ein klein Hund, sie ist Harmony. Ich mag Videospielen, singen, tanzen, zeichnen reisen und viele anderes Sache.“
„Ich liebe kochen, aber ich bevorzuge die Freibäckerei.“
Oder Sébastien, der nach eigener Auskunft „rock liebt“ und in dessen Stadt es viele Berge gibt „und wir können Ski laufen. Wenn du interessiert bist, nimmt mit mir Kontakt“! Denise liebt kochen, „aber ich bevorzuge die Freibäckerei.“ Dies alles stelle ich mir mit französischem Akzent gesprochen vor und dann schlägt mein Herz vor Glück Purzelbäume. Natürlich auch bei Elaine, die sich wie folgt vorstellt:
„Ich bin vergeßlich und nicht ruhig. Ich esse alles, aber ich Schinken nicht essen.“
„Meine Familie und meine Freunde sagen, dass ich aufgeschlossen, Großzügig und engagiert bin. Ich bin spontan, sprachbegabt und unternehmunglustig, aber ich bin vergeßlich und nicht so ruhig. Später, möchte ich Rechtsanwältin werden, also würde ich gerne Jura studieren. Ich habe große Lust, diesem Austausch zu machen, aber ich habe etwas Angst, weil es das erste Mal ist. Niemand raucht zu Hause und ich habe keine Haustiere. Ich esse alles, aber ich Schinken nicht essen. Ich passe mir sehr gut an, du musst nichts anderes für mich vorbereiten. Wenn du zu mir kommst, kannst du mich zu meinen Aktivitäten begleiten.“
„Mein Vater hat etwa 40 verschiedene Geschmäcke.“
Meine ganze Kindheit mochte ich keinen Schinken – und: Sind wir nicht alle ein bisschen vergesslich und haben Angst vor Neuem? Bei Corine würde ich am liebsten mit der kompletten Familie einen Austausch machen. Sie hat einen Bruder (Philippe, 6) und eine Schwester (Lili, 11) und sie sieht die Geschwister durchaus kritisch, denn: „Sie machen Zirkus und auch spielt meine Schwester Flöte. Wir haben eine Katze und meine Schwester mag sie sehr. Mein Vater ist Eishersteller und meine Mutter ist Deutschlehrerin. Mein Vater hat etwa 40 verschiedene Geschmäcke. Meine Eltern rauchen nicht.“ Einen Vater, der die Anzahl seiner Geschmäcke so präzise benennen kann, würde ich gerne kennenlernen. Das einzige Problem mit Corine ist, dass sie gerne rudert und einen Austauschpartner finden möchte, der dies auch tut.
„Ich hoffe, daß man den Austausch zusammen machen wird!“
Forsch und fröhlich ist auch die Posaune spielende Marie unterwegs: „Ich mag meine Freunden, lesen, schreiben, hören Music und Deutsch und Deutschland naturlisch! Ich könnte vom September bis Dezember kommen und du kämest, wenn du den Rest des Jahres willst! Ich hoffe, daß man den Austausch zusammen machen wird!“ Das hoffe ich auch. Naturlisch! Und es lebe der Konjunktiv!
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