Gefährliche Shades of-Lektüre. Kolumne & Buchtipps | BUCHSZENE

Krankenschwester Gerda M. versus US-Präsident – Sie fordert Schockbilder für Bücher

Schockbücher für Bücher - Steinleitners Woche Kolumne

21. Februar 2017 | Kolumne: Jörg Steinleitner


Lesen ist brandgefährlich. Diese Erkenntnis wird einmal mehr durch ein brisantes Beispiel aus deutschen Betten untermauert: Leserin Gerda M. machte unfreiwillig Bekanntschaft mit Handschellen. Welche Schlussfolgerungen hieraus zu ziehen sind, was amerikanische Studenten dazu vermelden und weshalb dies auch den neuen Präsidenten angeht, all dies lesen Sie hier.

„Mein Mann fesselte mich mit Handschellen ans Bett.“

Leserin Gerda M., Krankenschwester und zweifache Mutter aus Braunschweig bittet mich, ihr warnendes Schicksal öffentlich zu machen: Ihr Mann Hubert habe „Shades of Grey“ auf ihrem Nachttisch gefunden, es sich reingezogen und sie am nächsten Tag überwältigt und mit Handschellen ans Bett gefesselt. Welche Behandlung Hubert ihr danach angedeihen habe lassen, sei zu intim und schrecklich, als dass Gerda dies öffentlich kundtun wolle. Nur so viel, Ihr Ehemann habe, ehe es losging, gesagt: „Du sollst enge Bekanntschaft machen mit meinem besten und liebsten Stück – nenne es eine tiefe Freundschaft auf Du und Du.“ Gerda M. halte dies für ein Zitat, sie sei sich aber nicht sicher.

„Hubert denkt, mir gefällt das, aber dem ist nicht so.“

Nun möchte die umsichtige Gerda M. andere Buchbegeisterte schützen und in aller Deutlichkeit auf die Gefahren vorbehaltlosen Buchkonsums hinweisen: „Lesen ist gefährlich, Herr Steinleitner“, schreibt sie in einer Handschrift, die so gepflegt ist, dass sie nur von einer Krankenschwester stammen kann. „Hubert denkt, mir gefällt das mit den Handschellen, aber dem ist nicht so. Auch schmückt er seinen Dings neuerdings mit einem Ring. Ein Ring, finde ich, gehört an den Finger!“

Feuerwehr London: „Immer mehr Männer hängen in Toastern fest.“

Dieser Ring-Hinweis erinnert mich nahtlos an eine Gefahrmeldung der Londoner Polizei: Seit „Shades of Grey“ erschienen ist, so die Retter, müssten ständig Männer von Penisringen befreit werden, manche hingen sogar in Toastern fest. Als mich Gerda M.‘s Brandbrief erreichte, fiel mir indes ein Zeitungsartikel ein, den ich vor einiger Zeit in mein Archiv des Wissens aufgenommen hatte. Darin teilte die Süddeutsche Zeitung mit, amerikanische Studenten hätten gefordert, man müsse das, was man bei Zigarettenschachteln längst mache, auch bei Büchern einführen: deutliche Warnhinweise, die auf die Gefährlichkeit des Produkts hinwiesen. Schockbilder. Horrorfotos. Von in Handschellen, Ringen und Toastern festhängenden Krankenschwestern respektive deren Huberts.

„Der neue Präsident wird uns schocken.“

Ich – und damit spreche ich vermutlich nicht nur Gerda M. aus dem Munde – finde, dass diese amerikanischen Studenten, die dies fordern, Recht haben! Leider wurde diese so intelligente wie berechtigte Anregung noch unter dem letzten Präsidenten hervorgebracht, der wie wir heute wissen, in vielerlei Hinsicht nicht die Größe des neuen hatte. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Der neue Präsident wird für Sicherheit sorgen. Auch bei Büchern. Er wird uns schocken.

E.L. James

Grey - Fifty Shades of Grey von Christian selbst erzählt

ISBN 978-3-442-48423-2

640 Seiten, € 14,99

Goldmann

Daniel Boger

Schlossöffnung - So öffnen Sie jede Tür

ISBN 978-3739239194

84 Seiten, € 9,50

BoD

Jana Herbst

Highheels, Herz & Handschellen

ISBN 978-3-426-21520-3

350 Seiten, € 12,99

Feelings

Jörg Steinleitner
Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.
Zur Biografie von Jörg Steinleitner

Jörg Steinleitner
Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.
Zur Biografie von Jörg Steinleitner

Mehr zur Rubrik
Von einem Auto, das auf der Autobahn selbständig die Türen öffnet und von einem, das Hochzeiten sabotiert
Titelbild Kolumne Steinleitners Woche sabotierende Autos

Steinleitners Woche | 12. Juli 2019 | Jörg Steinleitner

Autos springen nicht an und machen Dinge, die wir nicht wollen, z.B. bei strömendem Regen die Fenster öffnen. Sie verhindern Hochzeiten und stellen uns vor Rätsel. Jörg Steinleitners Kolumne über Autos, die einen zur Verzweiflung bringen – mit passenden Buchtipps!

Erst wollte Jörg Steinleitner nicht GNTM anschauen, aber dann konnte er doch nicht widerstehen
Steinleiteners Woche GNTM anschauen

Steinleitners Woche | 15. Mai 2019 | Jörg Steinleitner

Unser Kolumnist kannte Germany’s Next Topmodel nur vom Hörensagen. Doch seine Kinder brachten ihn dazu, mitzugucken. Und er verfiel ins Staunen. Es ist eine Sendung über Haltung und für Sprachbegeisterte.

Ein großer eBook-Händler wird im Juli die digitalen Bibliotheken seiner Kund*innen leerräumen
eBook-Händler schließt im Juli

Steinleitners Woche | 26. April 2019 | Jörg Steinleitner

Verlieren auch Sie Ihre digitale Bibliothek? Im Sommer ist es für viele eBook-Fans so weit. Unser Kolumnist Jörg Steinleitner macht sich Gedanken über Bücherdiebe und zukunftssichere Privatbibliotheken.

Sieben Gründe, weshalb die Briten auf keinen Fall die Europäische Union verlassen dürfen
Titelbild Steinleitners Woche Brexit

Steinleitners Woche | 20. März 2019 | Jörg Steinleitner

Kommt der Brexit? Unser Kolumnist findet, dass die Briten die EU auf keinen Fall verlassen dürfen. Schon allein der Herrensocken wegen. Sieben Gründe, wieso ganz schnell ein neues Referendum hermuss.