Martin Walkers „Revanche“ im Bestseller-Check | BUCHSZENE

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Martin Walkers Krimi „Revanche – Der zehnte Fall für Bruno, Chef de police“ im Bestseller-Check

Revanche Martin Walker

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BUCHSZENE-Faktor:

Romantik


Komik

Weisheit


Gänsehaut


Unterhaltung


27. Mai 2018 | Tim Pfanner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Eine Frauenleiche, drapiert wie eine Venus. Ein uraltes Testament. Und ein gefolterter Mittelalterforscher. Martin Walkers Held Bruno, Chef de Police ermittelt wieder. Aber ist der Krimi auch gut?


Eine tote Frau, drapiert wie eine prähistorische Venusfigur

In „Revanche“, dem zehnten Fall für Bruno, wird der Chef de police zu einem außergewöhnlichen Tatort gerufen: Die Leiche der Frau liegt unterhalb einer zu einem Château des Périgord gehörenden Felsenklippe. Die Tote ist gekleidet in einen blauen Trainingsanzug, sie liegt auf dem Rücken, und der Kopf ist so extrem nach rechts verdreht, dass der Hals gebrochen sein muss. Auch der Körper der Frau weist mehrere Knochenbrüche auf. Fingerabdrücke zu nehmen, ist unmöglich, weil die Fingerkuppen ganz wund sind, vom Klettern – oder hat hier jemand Hand angelegt, um die Identifizierung zu erschweren? Die Frau war im dritten Monat schwanger. Neben ihrer Hand liegt ein Kuhhorn. Dies und die Pose der Frau erinnern an die Darstellung einer prähistorischen Venusfigur. Womit wir bei einem der Themen wären, um die Martin Walker in seinem neuen Krimi kreist: die Geschichte der Menschheit. An dieser Stelle könnte man bereits auf die Idee kommen, dass dieses Thema eine Nummer zu groß sein könnte für einen netten Roman aus Frankreichs Südwesten.

Anscheinend wollte das Opfer eine Inschrift an die Felswand sprayen

Aber zurück zum Opfer: Was genau ist mit der Frau geschehen? Hat sie sich das Leben genommen? Wurde sie hinabgestürzt? Als Bruno weit oben an der Felswand eine mit einer Spraydose angebrachte Inschrift entdeckt, bekommen die Ermittlungen des Chef de police eine konkretere Richtung. „IFTI“ steht da in gelbroter Leuchtfarbe. Diese Buchstabenfolge scheint es nur im Arabischen zu geben. Zum Beispiel in dem Wort Ifriqiya, dem alten Namen für Nordafrika. Wenn man sich das I am Schluss als unfertiges A vorstellt, könnte auch iftar gemeint sein, das Abendessen während des Fastenmonats Ramadan. Doch was hätte ein solches Wort an einer Burgmauer verloren? Um die Verwirrung zu komplettieren, findet Bruno heraus, dass Iftikhar so viel wie Stolz oder Ruhm bedeutet. Es folgen weitreichende Ausführungen über die Geschichte Arabiens, Jerusalems, Palästinas und Israels.

Bruno trinkt Champagner und bekommt eine Begleiterin in hohen Lederpumps

Zwischendurch kocht und isst Bruno allerlei französische Spezialitäten, was sich so elegant liest, dass man Appetit bekommt; und er trinkt in alter Bruno-Manier Champagner und Bergerac Rosé vom Chateau Haut Garrigue, Weißwein von Pierre Desmartins sowie den Clos Montalbanie, einen leichten Rotwein vom Chateau Tiregand, der wohl gut zum Kalbsragout passt. Erfreulich ist, dass man ihm eine junge Dame vom Justizministerium zur Seite stellt, die mit schwarzen Lederpumps anstöckelt, ihre Zähne sind so blendend weiß wie ihre Lippen rot sind. Aber Amélie Plessis entpuppt sich im Laufe der Geschichte als gar nicht so schlimm wie befürchtet, obwohl sie eigentlich entsandt wurde, um Brunos unorthodoxe Ermittlungsmethoden kritisch zu begutachten.

Hat der Todessturz einen sexuellen Hintergrund – oder einen religiösen?

Die Verbrechensaufklärung geht derweil weiter – in einem Tempo, das man bei allem Wohlwollen als behäbig, und auf einem Spannungslevel, das man als niedrig bezeichnen muss. Es stellt sich heraus, dass die Tote Jüdin war und dass ihr Tod tatsächlich mit einem Testament aus der Zeit der Kreuzfahrer zusammenhängt, vielleicht sogar mit einem Templerschatz. Man stößt auf einen Mittelalterforscher, der mit einer Foltermethode seines Fachgebiets gequält worden ist: eine Kerze unterm Gesäß sorgte für schmerzhafteste Verbrennungen. Bruno kommt auch noch auf die Idee, dass der Tod der Frau mit einem Pfadfinderlager unter jüdischer Schirmherrschaft zusammenhängen könnte. Aber wie passt da der Freitod einer Ex-Nonnen dazu, die sich mit einer Flasche Gin und Tabletten aus dem Leben verabschiedete und in ihrem Abschiedsbrief etwas von Missbrauchsfällen schreibt? Hat der Todessturz einen sexuellen Hintergrund oder doch eher einen religiösen?

Beim Action-Showdown am Ende schießt eine GIGN-Spezialeinheit scharf

Viel mehr soll hier nicht verraten werden, nur das noch: Am Ende von „Revanche“ inszeniert Martin Walker einen ordentlichen Showdown, bei dem sogar die GIGN, eine Spezialeinheit der französischen Gendarmerie – bei uns wäre das wohl die GSG9 – scharf schießt. Leider reißt diese Actionszene zum Schluss den Roman auch nicht mehr nach oben. „Revanche“ zählt zu den schwächeren Werken Martin Walkers. Dies festzustellen, schmerzt umso mehr, als der 1947 in Schottland geborene Autor, was die Eleganz seiner Sprache und die Souveränität seines Erzählens angeht, sich seit dem ersten Band gesteigert hat. Aber in Brunos zehntem Fall hat er sich einfach verhoben. So viel historisches Wissen wie in „Revanche“ an Leserin und Leser gebracht wird, würde man sich für manch gutes Sachbuch wünschen. Aber nicht für einen Krimi.

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