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Jackie Kennedy und der Heilige Vater – Johanna Alba und Jan Chorin, Autoren der Papst-Krimis im Interview

2. November 2016 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten


Der Papst seilt sich heimlich aus Rom ab, um eine Weile als einfacher Dorfpfarrer an der Amalfiküste zu leben. Leider wird der Heilige Vater dort mit einem Mord konfrontiert und muss zum Ermittler werden. Johanna Albas und Jan Chorins neuer Papst-Krimi ist heiter und präsentiert uns eine Hauptperson, die viel mit dem aktuellen Papst gemeinsam hat. Ein Gespräch über eine erotische Affäre Jackie Kennedys mit einem Milliardär, über einen smarten jungen Privatsekretär und das Zölibat – und natürlich über den Vatikan: Ob er wirklich Telefongespräche von Papst-Krimi-Autoren mithört? Aber warum sonst sollte es in der Leitung knistern?


Frau Alba, Herr Chorin, Ihr vierter Papstkrimi „O sole mio!“ liegt vor. Wie gläubig sollte man für die Lektüre sein – bzw. sollte man es besser nicht sein?

Jan Chorin: Über unsere Papst-Krimis können sich Gläubige und Ungläubige freuen: Den Gläubigen macht es Spaß, dass die Heilige Mutter Kirche ein wenig auf den Arm genommen wird – und die Ungläubigen genießen das Gefühl, beim Lesen einen Kurztrip nach Rom zu unternehmen.

An was glauben Sie ganz persönlich?

Johanna Alba: Daran, dass Rom die schönste Stadt der Welt ist!

Jan Chorin: Unbedingt! Es gibt aber auch echte Glaubenskriege in unserer Beziehung. Johanna glaubt, dass der beste Caffè in Rom im „Tazza d’oro“ getrunken wird. Ich favorisiere eine andere Bar.

Johanna Alba: Letztlich sind Glaubensfragen eher eine Art ‚Hintergrundmusik“ in unseren Romanen. Es sind Kriminalkomödien – ein wenig wie Pater Brown, nur ermittelt diesmal der Chef höchstpersönlich. Natürlich kommen da auch Glaubensfragen zur Sprache. Aber meist geht es um sehr weltliche Angelegenheiten: Geldgeschäfte der Vatikan-Bank, die italienische Staatspleite, Immobilienspekulation in der Heiligen Stadt.

Sie starteten Ihre Serie 2010 mit „Halleluja!“. Da saß noch ein Bayer auf dem Heiligen Stuhl. Wieviel Johannes Paul, wieviel Benedikt, wieviel Franziskus und wieviel Phantasie steckt in Ihrem Helden Petrus?

Johanna Alba: Ich habe in Rom studiert und gleich neben dem Vatikan gewohnt. Da war Johannes Paul II. noch am Leben. Abends, wenn ich über den Petersplatz nach Hause ging, sah ich oft das Licht in seinem Arbeitszimmer. Aber unser Ermittler ist ein ganz anderer Typ: lebensfroh, weltoffen, gut gelaunt. Er interessiert sich für Fußball, für gutes Essen und liebt seine Heimstadt Rom. Mit Professor Benedikt hat er wenig zu tun. Franziskus passt schon eher als Parallele; er interessiert sich ja auch für Fußball und ist eher ein Seelsorger. Die älteren Leser werden sich noch an Johannes XXIII. erinnern – dem ähnelt unser Papst Petrus tatsächlich sehr.

Im aktuellen Band nimmt sich Papst Petrus eine Auszeit und lebt incognito als einfacher Priester in einer Gemeinde an der Amalfiküste, wo prompt sein Boccia-Partner Raffaele ermordet wird. Ein Papst als Ermittler ist ziemlich einzigartig. Schafft ein derart prominenter „Kommissar“ beim Erfinden der Geschichte Probleme? Hat er Vorteile gegenüber einem stinknormalen Detektiv?

Jan Chorin: Der Reiz unserer Geschichte besteht natürlich gerade darin: Die Person des Papstes im alltäglichen Leben schafft schon einmal viel Situationskomik und absurde Begegnungen. Aber auch der Gedanke, dass der Papst einmal ganz unauffällig und unerkannt als Dorfpfarrer an der Amalfiküste lebt, hat uns amüsiert. In Rom stehen einem Papst natürlich viele Türen offen, die normalen Detektiven verschlossen sind. Und er hat viele interessante Kontakte in der Ewigen Stadt … Auf Eingebungen von oben haben wir allerdings verzichtet – Petrus muss sich ganz allein durchschlagen, mit Köpfchen und Intuition.

Ihre Beschreibungen der Schauplätze sind so genau wie malerisch. Wieviele Urlaube haben Sie dort verbracht, um die Atmosphäre so gut einfangen zu können? Was macht den besonderen Reiz dieser Region Italiens aus?

Johanna Alba: In Rom, wo die ersten drei Bände spielen, sind wir sehr oft. Wir haben dort Freunde und reisen regelmäßig dorthin.

Jan Chorin: Die Amalfi-Küste, Handlungsort des aktuellen Bands „O sole mio!“, kennen wir ebenfalls aus eigener Anschauung: Eine wunderbare Steilküste, einerseits südlich-heiter, andererseits pathetisch und erhaben. Wir haben eine Landschaft ausgewählt, die nicht ganz so bekannt ist wie etwa die Toskana.

Der vom Papst zu lösende Kriminalfall in „O sole mio!“ taucht tief ein in die schillernde Vergangenheit der Amalfiküste: Eine angebliche Affäre zwischen Jackie Kennedy und dem Auto-Milliardär Gianni Agnelli spielt auch eine Rolle. Wieviel Wahres ist dran an dieser Hintergrundstory?

Johanna Alba: Im Sommer 1962 hat Jackie einige Wochen an der Küste verbracht. Sie lernte Agnelli kennen, verbrachte viel Zeit auf seinem Boot und wurde ständig mit ihm gesehen. Die meisten Biographen gehen davon aus, dass der Flirt recht weit ging.

Jackie und Gianni, das klingt auch nach Sex und Erotik. Meinen Sie, Ihr neuer Krimi ist zu schlüpfrig für einen amtierenden Papst oder wäre Franziskus die Lektüre durchaus zu empfehlen?

Jan Chorin: Schlüpfrig sind die Bände eigentlich nicht – eher geht es um Emotionen: Padre Francesco, der smarte junge Privatsekretär, versteht sich sehr gut mit der klugen und attraktiven Pressesprecherin Contessa Giulia. Natürlich steht der Zölibat zwischen ihnen. Und Petrus selbst, der in Rom eine äußerst zickige Haushälterin hat, freundet sich an der Amalfi-Küste mit der dortigen Pfarrhaushälterin Marietta an.

Der Vatikan hat den Ruf, sich sehr stark in alles einzumischen, was seine Angelegenheiten betrifft. Ganz ehrlich: Schreibt an Ihren Krimis die katholische Kirche mit?

Jan Chorin: Na schön – jetzt können wir es ja zugeben: Unsere Namen sind nur Pseudonyme – dahinter verbirgt sich der Chef der Schweizer Garde, der seine Einblicke in den Vatikan-Kosmos literarisch verarbeiten möchte …

Johanna Alba: Wir kennen natürlich viele Insider – und auf diese Weise schreibt die Kirche indirekt mit. Aber wir haben nie erlebt, dass die Kirche sozusagen offiziell an uns herangetreten ist. Obwohl wir für etwas Vatikan-Klatsch sehr offen wären – schließlich soll die Serie noch weitergehen.

Knistert es gelegentlich in Ihrer Telefonleitung? Haben Sie das Gefühl, Sie werden abgehört?

Johanna Alba: Als Franziskus gewählt wurde, hatten wir kurz das Gefühl: Jetzt kopieren sie uns! Ein weltoffener, freundlicher Bischof mit Fußball-Interessen, dessen Schwester ein Restaurant betreibt – alles genau wie bei uns! Möglicherweise haben wir im Konklave unsere Romane herumgereicht und beschlossen: So einen wollen wir auch!

Johanna Alba und Jan Chorin

Ehe Johanna Alba Kulturjournalistin, Kunsthistorikerin und Schriftstellerin wurde, hat sie unter anderem in Rom studiert, wo sie in einer Künstler-WG gleich hinter dem Vatikan wohnte. Heute schreibt sie für verschiedene…
Zur Biografie von Johanna Alba und Jan Chorin

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