Iny Lorentz

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Iny Lorentz

20. Juni 2014 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Iny Lorentz über fintenreiche Frauen, die Macht der Liebe und ihren fesselnden neuen Historienroman „Die Kastellanin“.

 

Jörg Steinleitner:  Frau Lorentz, haben Sie schon realisiert, dass Sie zu einer der bestverkauften Schriftstellerinnen des Jahres geworden sind? Über 100.000 mal hat sich „Die Wanderhure“ verkauft und Platz 5 der Taschenbuch-Bestellerliste errungen, von Ihren anderen historischen Romanen gar nicht zu sprechen. Sie sind eine Starautorin.

Iny Lorentz:  Das hat mich völlig überrascht. Aber letztlich beeinflusst das nicht so. Es stört eher beim Arbeiten, denn nach dem Buch ist vor dem Buch. Ich möchte nicht, dass mich das ablenkt. Ich möchte weiterschreiben. Schreiben ist meine Passion.

Jörg Steinleitner:  Gibt es eine Rezeptur für Ihre historischen Romane?

Iny Lorentz:  Mir sind zwei Dinge wichtig: Ein gut recherchierter historischer Hintergrund und eine Nähe zur Person. Die Leser sollen die Personen nachempfinden, in sie hineinschlüpfen können.

Jörg Steinleitner:  Welche Recherchequellen nutzen Sie für Ihre vor allem im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit spielenden Bücher?

Iny Lorentz:  In der Regel Sachbücher über Geschichte, die man in der Buchhandlung kaufen kann. Natürlich auch das Internet und zum Beispiel die Bibliothek des spanischen Kulturinstituts. Auch wenn man die Sprache nicht kennt, kann man Jahreszahlen, Namen und Abstammungslisten lesen. Das ist sehr wichtig, um die Daten festzulegen und im Internet nachzurecherchieren. Aber ich lese ohnehin seit meiner Jugend historische Sachbücher und habe eine große Bibliothek. Aus jedem Sachbuch, das ich auch nur so zum Zeitvertreib lese, entwickeln sich neue Ideen.

Jörg Steinleitner:  Sie arbeiten hauptberuflich als angestellte Programmiererin bei einem großen Versicherungskonzern. Schreiben Sie Ihre 600-Seiten-Schmöker etwa nachts?

Iny Lorentz:  So ähnlich, abends oder ganz früh morgens. Und am Wochenende und im Urlaub im Wohnwagen – mit dem Notebook.

Jörg Steinleitner:  Gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen dem Beruf der Programmiererin und der Schriftstellerin?

Iny Lorentz:  Ja, das Schreiben. (lacht)

Jörg Steinleitner:  Auch in Ihrem neuesten Werk, „Die Kastellanin“, steht, wie schon in „Die Wanderhure“, die einstige Hübschlerin (Prostituierte) Marie im Mittelpunkt.

Iny Lorentz:  Ja, und dieses Mal geht es um die Liebe zu ihrem Ehemann. Sie ist seit zehn Jahren verheiratet und glücklich geworden mit ihm. Doch nun muss er in den Krieg. Was er nicht weiß, sie aber schon, dass er an der Seite eines Feindes in den Krieg zieht. Nach einiger Zeit erfährt sie, dass er zum Reichsritter ernannt wurde, also weit über seinen Stand hinaus aufgestiegen ist. Er war ja nur ein einfacher Wirtssohn. Als Marie erfährt, dass sie nach zehn Jahren endlich schwanger geworden ist, wird ihr die schreckliche Nachricht überbracht, ihr Mann sei nach einem Gemetzel mit den Hussiten verschollen.

Jörg Steinleitner:  Sofort beginnt ein veritabler Heiratsmarkt …

Iny Lorentz:  … diejenige, die ihr die Todesnachricht überbringt, versucht sie gleich mit dem eigenen Vetter zu verheiraten, um an Maries Geld zu kommen. Aber Marie reißt aus und bringt Ihr Kind auf einem Bauernhof zur Welt.

Jörg Steinleitner:  Sogar der Pfalzgraf am Rhein, der Ihr Vormund ist, versucht sie mit einem Gefolgsmann zu verheiraten.

Iny Lorentz:  Alle wollen ihre Reichtümer kassieren und ihr das Kind wegnehmen, um es zu einer echten Dame zu erziehen, denn eine ehemalige Wanderhure kann das doch nicht.

Jörg Steinleitner:  Aber Marie glaubt an die Macht der Liebe …

Iny Lorentz:  … und verkleidet sich als Marketenderin, um sich einem Kriegszug anzuschließen und herauszufinden, ob ihr Mann nicht doch noch lebt. Ihr Gefühl sagt ihr, dass da etwas nicht stimmt, da sie weiß, dass sein größter Feind ebenfalls an dieser Schlacht teilgenommen hat.

Jörg Steinleitner:  Und – ist Ihr Mann tot?

Iny Lorentz:  Das werden wir hier doch nicht verraten!

Jörg Steinleitner:  Marie ist eine moderne Heldin, „Beruf“ und Familie sieht sie wie viele Frauen auch in der Gegenwart als Einheit – ihr Kind hat sie …

Iny Lorentz:  … einfach auf den Kriegszug mitgenommen. Und fintenreich ist sie auch. Auf dem Kriegszug erreicht sie mit geschickten Tricks mehr als manch kämpfender Mann mit Gewalt.

Jörg Steinleitner:  Erotik spielt in Ihren Werken eine wichtige Rolle. Wie schreibt man prickelnd erotisch, ohne pornographisch zu werden?

Iny Lorentz:  Man muss über Sex sprechen wie über das Wetter. In meinen Romanen walze ich nichts aus, anatomische Einzelheiten kommen nur vor, wenn es für die Geschichte Sinn macht. Sex kommt nur vor, wenn er die Geschichte weiterbringt.

Jörg Steinleitner:  Wollen wir zum Schluss noch ein Geheimnis lüften? Verraten Sie unseren Lesern, wer sich hinter dem Pseudonym Iny Lorentz verbirgt?

Iny Lorentz:  Ja, Iny Lorentz, das ist eigentlich das Ehepaar Iny und Elmar. Wir sind seit 23 Jahren verheiratet. Und wir schreiben seit vielen Jahren zusammen.

Jörg Steinleitner:  Und das geht immer harmonisch zu?

Iny Lorentz:  Am Anfang gab es schon mal laute Diskussionen, aber wir haben uns eigentlich nie richtig in die Haare gekriegt.

Jörg Steinleitner:  Frau Lorentz, vielen Dank für das Gespräch.

Iny Lorentz
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Hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt sich ein Münchner Autorenpaar, dem mit „Die Wanderhure“ der Durchbruch gelang. Seither folgt Bestseller auf Bestseller.
Zur Biografie von Iny Lorentz

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