Volker Klüpfel und Michael Kobr

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Volker Klüpfel und Michael Kobr

20. Juni 2014 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten


Die Allgäuer Krimi-Könige Klüpfel und Kobr über Dämonen, Eckbänke und gemeinsame Übernachtungen im Hotelzimmer.

 

Jörg Steinleitner:  Herr Klüpfel, Herr Kobr, die Kluftinger-Krimis haben Sie zu Stars der Literaturszene gemacht. Wie glücklich macht Erfolg?

Volker Klüpfel:  Hm, dafür gibt es ja noch keine gültige Mess-Skala. In Punkten würde ich sagen: neun. (Zum Vergleich: Spülmaschine-Ausräumen rangiert etwa bei 1,5, Essengehen mit einer schönen Frau bei 11).

Jörg Steinleitner:  Von Musikbands kennt man das Problem: Nach einigen Jahren meint ein Mitglied, dass der ganze Erfolg eigentlich ihm allein zu verdanken ist, die Stimmung verdüstert sich, am Ende kracht’s. Ist bei Ihnen noch alles im Lot?

Michael Kobr:  Na klar, jeder weiß ja, dass der Erfolg nur ihm zu verdanken ist. Und wir können uns auch nicht verkrachen, denn wir mochten uns noch nie.

Volker Klüpfel:  Wir sind das Produkt eines Verlags-Castings, bei dem eine Autoren-Boygroup gesucht wurde.

Jörg Steinleitner:  Die Gallagher-Brüder von Oasis reden angeblich nur noch auf der Bühne miteinander. Waren Sie für Ihr neues Hörbuch „Rauhnacht“ wirklich zusammen im Tonstudio oder kamen Sie in getrennten Flugzeugen und Limousinen?

Volker Klüpfel:  Ich kam in meinem Flugzeug und meiner Limousine, Herr Kobr mit seinem Tretroller.

Jörg Steinleitner:  Proben Sie Ihre Lesung, bevor Sie ins Studio gehen? Wo machen Sie das… bei Ihnen, Herr Kobr, an der Eckbank?

Michael Kobr:  Nein, wir haben ein gemeinsames Büro im Keller, das ist mir auch lieber, als wenn der Volker in der Wohnung rumspringt. Wir proben ein bisschen und sind dann offen für alles, was passiert. Unsere Lesungen sind sozusagen ein „Work in Progress“.

Jörg Steinleitner:  Wer einmal auf einer Ihrer Lesungen war, ist begeistert, weil sich Ihre Auftritte so gänzlich von gängigen Lesungen unterscheiden. Sind Sie vor dem Auftritt nervös?

Michael Kobr:  Vor den ersten neuen Shows ist man schon angespannt. Wenn man aber 40, 50 mal mit dem gleichen Programm auf der Bühne gestanden ist, geht’s meistens. Und wir wissen inzwischen, dass wir uns auf unsere Spontaneität verlassen können. Irgendeinem fällt immer was ein, deswegen freuen wir uns auch, wenn Unvorhergesehenes passiert.

Jörg Steinleitner:  Klufti ist ja (auch) nicht der nervenstärkste gibt’s da irgendwelche überraschenden Gemeinsamkeiten zwischen ihm und seinen Erfindern?

Volker Klüpfel:  Sehr viele und zur Überraschung vieler Leser sind die wenig überraschend.

Jörg Steinleitner:  Wenn Sie auf Lesereisen sind: Schlafen Sie da wie die Fußballer der Nationalmannschaft in einem Doppelzimmer? Falls ja: Wie darf man sich das vorstellen?/Falls nein: Wieso nicht?

Volker Klüpfel:  Nein, das darf man sich nicht vorstellen.

Michael Kobr:  Das will man sich nicht vorstellen.

Volker Klüpfel:  Und überhaupt und nächste Frage!

Jörg Steinleitner:  Sie, Herr Klüpfel, sind aus dem Allgäu weggezogen nach Augsburg. Hat sich dadurch an Ihrem gemeinsamen Schreiben etwas geändert?

Volker Klüpfel:  Es erfordert ein wenig bessere Koordination. Ansonsten tut uns die räumliche Entfernung nur gut

Jörg Steinleitner:  Wie gehen Sie mit Ihrem Heimweh nach dem Allgäu um?

Volker Klüpfel:  Ich fahr hin!

Jörg Steinleitner:  Für seinen neuen Fall muss Kommissar Kluftinger während der Rauhnächte einen mysteriösen Todesfall in einem tief verschneiten Allgäuer Berghotel aufklären. Was hat es mit den titelgebenden Rauhnächten auf sich?

Michael Kobr:  Das sind die Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, denen man magische Kräfte zuschreibt. Angeblich können da die Tiere sprechen und die Tore zum Reich der Toten stehen weit offen … Frau Percht zieht mit ihren Dämonen übers Land und wehe dem, der ihr begegnet.

Jörg Steinleitner:  Sind Ihnen schon einmal solche Dämonen begegnet?

Volker Klüpfel:  Mein Dämon sitzt auf den Lesungen immer neben mir, gleiches gilt, glaube ich, für meinen Kollegen.

Michael Kobr:  Kein Einwand.

Jörg Steinleitner:  Wegen eines Schneesturms ist Kluftingers Hotel komplett von der Außenwelt abgeschirmt. Ist das für Sie selbst eine Horrorvorstellung oder strahlt das auch etwas Interessantes, Spannendes aus?

Michael Kobr:  Nein, das fände ich eine schöne Vorstellung. Einmal weg von allem Trubel, gemütlich in einem Hotel, während es draußen stürmt und schneit.

Jörg Steinleitner:  Haben Sie Platzangst?

Volker Klüpfel:  Sagen wir mal so: Ich nehme schon lieber mal die Treppe als den Aufzug.

Jörg Steinleitner:  Haben Sie sonst irgendwelche Ängste?

Michael Kobr:  Sicher aber das könnte man gegen uns verwenden, deswegen schweigen wir lieber.

Jörg Steinleitner:  Wenn Kluftingers Ehefrau ihren Mann zärtlich ansprechen will, nennt sie ihn „Butzele“, sonst eher ein Kosewort für einen Säugling. Ist das nicht eine furchtbare Respektlosigkeit dem ehrenwerten Kommissar gegenüber?

Volker Klüpfel:  Völlig richtig. Betrachten Sie es als Aufarbeitung eines selbst erlittenen Traumas.

Jörg Steinleitner:  Kluftinger begibt sich in Ihrem neuen Krimi auch auf eine Höllenfahrt mit dem Hörnerschlitten. Können Sie als Allgäuer Ureinwohner einem Ortsfremden solch ein Abenteuer empfehlen?

Michael Kobr:  Sie meinen, als Eingeborene? Nein, da lautet der Tipp ganz klar: Finger weg! Aber es gibt schöne Rodelbahnen, die man mit normalen Schlitten befahren kann.

Jörg Steinleitner:  Herr Klüpfel, Herr Kobr, vielen Dank für das Gespräch.

Volker Klüpfel und Michael Kobr
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Die beiden sind die Stars der deutschen Krimiszene. Jedes neue Hörbuch und Buch wird zum Bestseller und mit ihren Shows füllen sie Hallen wie den Zirkus Krone in München.
Zur Biografie von Volker Klüpfel und Michael Kobr

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