Ursula Poznanski im Interview – über die Toskana, das Schreiben und ihren Thriller „Aquila“

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Ursula Poznanski im Interview – über die Toskana, das Schreiben und ihren Thriller „Aquila“

Aquila - Ursula Poznanski

Hintergrund: Shutterstock © Eriks Z Bild-ID: 519525322; Autorenfoto: Jeff Mangione | © Loewe Verlag GmbH

5. Februar 2018 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten


Wie entsteht ein Thriller von Ursula Poznanski? Warum spielt ihr aktueller Bestseller „Aquila“ in Siena? Und was wäre, wenn Ursula Poznanski plötzlich das Handy abhanden käme? Die Autorin im Interview.


Frau Poznanski, Ihr neuer Thriller „Aquila“ spielt in Siena. Welche Verbindung haben Sie zu dieser Stadt?

Ich bin ein großer Fan der Toskana und war mehrmals in Siena – die Atmosphäre, die Geschichte und die Traditionen dieser Stadt haben mich vom ersten Mal an fasziniert.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine junge Deutsche, die in der malerischen toskanischen Stadt studiert und eines Tages ohne Gedächtnis, Handy und eingesperrt in der eigenen Wohnung aufwacht. Bei ihrem Laptop wurde auch noch der Akku ausgebaut, so dass Nika – obwohl sie sich mitten in Siena befindet – von der Außenwelt abgeschnitten ist. Nachdem Nika sich aus der Wohnung befreit hat, beginnt für sie eine verstörende Suche in Sienas mittelalterlichen Gassen und sogar in den Katakomben unter der Stadt. Waren Sie selbst für Ihre Recherchen auch im „unterirdischen“ Siena unterwegs?

Nein, das hat terminlich leider nicht geklappt, aber es gibt sehr viele Fotos und auch einen Lageplan dieser „Bottini“, die habe ich ausführlich zu Rate gezogen. Den Ausflug unter die Erde hole ich aber vielleicht noch mal nach.

Nika sieht sich mit mysteriösen Botschaften, Gedächtnisfetzen und unerklärlichen Blutspuren konfrontiert. Sehr geschickt entwickeln Sie so Ihre Geschichte mit den klassischen Mitteln des Psychothrillers. Wie wichtig waren Ihnen beim Schreiben die einzelnen Schauplätze?

Die Schauplätze waren einer der Hauptgründe, warum ich Siena als Handlungsort gewählt habe; die Symbolik der Contraden in die Rätsel rund um die zwei Tage einzuweben, die Nika „verloren“ hat, war von Beginn an sehr verlockend.

Was war zuerst: Die Idee, einen in Siena spielenden Thriller zu schreiben oder die Geschichte eines Gedächtnisverlusts?

Zuerst war die Idee des Zettels mit den mysteriösen Botschaften und dem damit verbundenen Gedächtnisverlust. Der nächste Gedanke war dann, dass es für die Hauptfigur viel schwieriger sein würde, der Sache auf die Spur zu kommen, wenn sie sich in einem Land befindet, dessen Sprache sie nur rudimentär spricht. Und da war dann der Schritt zu Siena nicht mehr groß.

Haben Sie einen persönlichen Lieblingsort in Siena?

Die Piazza del Campo ist schon ein großer Favorit, wenn ich einen einzelnen Ort herauspicken müsste, aber ich finde es auch besonders reizvoll, durch die kleinen Gassen zu streifen und überall auf spannende historische Details zu stoßen. Wahrscheinlich ist die Altstadt als Ganzes ein Lieblingsort für mich.

Nika empfindet es als höchst verunsichernd, dass ihr Handy weg ist. Wie wichtig ist für Sie Ihr Handy? Machen Sie es, während Sie schreiben oder während anderer Tätigkeiten aus?

Es wird immer wichtiger, nicht nur in seiner Funktion als Telefon sondern auch als Terminkalender, Adressbuch, Computer für unterwegs, Zeitvertreib … ich wäre auch ziemlich aufgeschmissen, wenn mein Handy plötzlich weg wäre, deshalb bin ich ziemlich gründlich mit den Cloud-Backups.

Wenn Sie einen neuen Roman schreiben: Haben Sie bestimmte Jahresabläufe und Tagesabläufe, in denen das Buch nach und nach entsteht?

Nein, da gibt es keine fixen Regeln. Ich gebe meist ein Buch im Februar ab und eines im August/September; wie ich mir die Arbeit einteile, hängt jeweils von den Umständen ab. Das trifft auch auf die Tagesabläufe zu – ich habe keine festen Schreibzeiten.

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?

Die Unabhängigkeit. Dass man aus dem Nichts eine neue Welt erschaffen kann. Arbeiten, ohne dass jemand einem auf die Finger sieht. Und das besondere Gefühl, wenn die Geschichte anfängt, sich gewissermaßen selbst zu schreiben. Das passiert nicht allzu oft, aber wenn, ist es toll.

Und was das Schwierigste?

Dass einem eben niemand auf die Finger sieht. Man muss ziemlich gut darin werden, sich selbst zu disziplinieren und auch dann schreiben, wenn man gerade überhaupt keine Lust darauf hat.

„Aquila“ besteht aus einem ziemlich raffinierten Plot, der am Ende perfekt aufgeht. Wussten Sie zu Beginn des Schreibens schon ganz genau, welches die einzelnen Herausforderungen und Zumutungen sein würden, denen Sie Ihre Heldin aussetzen würden?

Nicht ganz genau, aber in groben Zügen. Viele Details ergeben sich erst während des Schreibens, zumindest bei mir. Ich plane zwar, aber nur die wichtigsten Punkte im Plot. Der Rest entsteht dann spontan. Für mich persönlich ist das genau die richtige Mischung.

Können Sie nach all den unheimlichen Situationen, die Sie für Siena erfunden haben, noch entspannt dort Urlaub machen oder hat sich Ihr Verhältnis zur Stadt verändert?

Absolut entspannt. Ich kann recht gut zwischen Realität und Fiktion unterscheiden, speziell dann, wenn die Fiktion aus meiner eigenen Feder stammt.

Wird Ihr nächster Roman wieder im Ausland spielen? Von was wird er handeln?

Er spielt irgendwo im deutschen Sprachraum, eine genaue geografische Verortung ist diesmal nicht wichtig. Worum es geht? Um einen Jugendlichen, der bei einem schweren Motorroller-Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma erleidet und zur Rehabilitation in eine abgelegene Kurklinik geschickt wird. Wo er eigentlich lernen soll, wieder zu laufen und zu sprechen, aber stattdessen kann er plötzlich ganz andere Dinge.

Ursula Poznanski
Ursula Poznanski

Geboren 1968 in Wien, studierte sich Ursula Poznanski einmal quer durch das Angebot der dortigen Universität, bevor sie nach zehn Jahren die Hoffnung auf einen Abschluss begrub und Medizinjournalistin wurde.
Zur Biografie von Ursula Poznanski

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Ursula Poznanski
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Geboren 1968 in Wien, studierte sich Ursula Poznanski einmal quer durch das Angebot der dortigen Universität, bevor sie nach zehn Jahren die Hoffnung auf einen Abschluss begrub und Medizinjournalistin wurde.
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