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Herr Götze, Herr Friedrich, es muss sich fantastisch anfühlen, wenn im eigenen Tonstudio Charlize Theron, George Clooney und Marlon Brando ein- und ausgehen!
Mike Götze (MG): Ja, das tut es. Aber das wirklich Tolle daran ist, dass alle Synchronsprecher ganz normale Menschen sind, mit denen man über ganz profane Dinge wie Urlaub, Kinder etc. sprechen kann. Am Telefon ist es dann nochmal was anderes. Da hört man ja die Stimme pur und hat kein Gesicht. Da habe selbst ich manchmal noch das Gefühl, mit Bruce Willis persönlich zu sprechen.
Wie schafft man es, derart prominente Synchronsprecher und Schauspieler von einer Agentur zu überzeugen?
Mike Friedrich (MF): Wir betreiben seit 2007 unsere Sprecheragentur mit angeschlossenen Tonstudios und vertreten unsere Sprecherinnen und Sprecher seitdem in allen Belangen rund ums Sprechen. Sie sollen das machen, was sie am besten können: vor dem Mikrofon schauspielern, Hörbücher einlesen, Werbung sprechen. Wir kümmern uns um den Rest. Wir haben das Vertrauen unserer Synchronschauspieler und das spricht sich rum.
MG: Wir betreuen ja auch viele Großkunden aus dem deutschsprachigen Raum, teilweise direkt, teilweise über Agenturen. Die meisten brauchen Sprachaufnahmen mit bekannten Stimmen für Werbung im TV, Online, Radio oder Kino. Auch intern kommen viele unserer Sprecher*innen zum Einsatz, sei es die Weihnachtsfeier bei Daimler Benz oder ein Mitarbeiter-Event einer Versicherung. All diese Anliegen müssen im Interesse der Sprecher*innen verhandelt, betreut und produziert werden, immer unter Berücksichtigung der verschiedenen Ansprüche und Arbeitszeiten.
Arbeiten Sie auch für Fernsehsender?
MG: Ja, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz. Diese Sender und deren diverse Sparten-Kanäle bestücken wir mit unserem Sprecherteam. Sei es die Besetzung der Stationvoice oder die verschiedenen Trailer, die pro Sender zum Einsatz kommen.
Aber Sie haben ja längst nicht nur Hollywoodstars im Angebot?
MF: Stimmt. Unsere Agentur betreut rund 3.000 Sprecher*innen. Davon sind ca. 1.000 professionelle deutsche Sprecher*innen, die restlichen 2.000 verteilen sich auf Native Speaker. Hier arbeiten wir zu 99 Prozent mit Muttersprachlern aus den jeweiligen Ländern. Oft ist es nämlich so, dass z.B. ein Italiener, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt, nicht mehr hundertprozentig so klingt, wie ein Sprecherkollege, der tatsächlich noch im Heimatland wohnt.
Und all diese tollen Sprecher*innen kann man dann bei Ihnen auch für Hörbücher buchen?
MG: Ja, natürlich! Aber es gibt auch Sprecher*innen in unserer Agentur, die für Hörbuchaufnahmen nicht zur Verfügung stehen. Es ist schon eine besondere Kunst, fünf Stunden am Stück still zu sitzen und ausdrucksstark vorzulesen. Aber wir wissen genau, wer Lust und besonders viel Freude an dieser Arbeit hat. Von daher sprechen wir auch schonmal eine Empfehlung an unsere Kunden und Verlage aus.
Einer Ihrer Spezialbereiche ist zudem die Hörbuchproduktion. Was sind für Sie die Hörbuch-Highlights, die in Ihren Studios aufgezeichnet wurden?
MF: Ehrlich gesagt ist für uns immer genau das Buch ein Highlight, das wir gerade vertonen. (Mike Friedrich lacht) Aktuell nehmen wir für Hörbuch Hamburg das Buch „Das Spiel des Barden“ auf, eine 28-stündige Fantasygeschichte, an der elf verschiedene Sprecher beteiligt sind. Da ist es schon ein Highlight, allen Verlags- und Sprecherwünschen gerecht zu werden. Aber wir haben es geschafft und sind mittendrin und sehr gespannt, wie sich das Endergebnis anhört. Tolle Bücher waren zum Beispiel „Der Bruder“ von Joakim Zander, gelesen von Ulrike Hübschmann, „Das Kartell“ von Don Winslow, gelesen von Dietmar Wunder oder auch „Chateau Mort“ von Alexander Oetker, gelesen von Frank Arnold.
Gibt es Sprecher, mit denen Sie besonders häufig zusammenarbeiten?
MF: Es gibt durchaus ein paar Sprecher*innen, die öfter bei uns lesen als andere. Das liegt einfach daran, dass es Sprecher gibt, die hervorragende Hörbuchsprecher sind, dies sehr gern machen und fast täglich lesen. Zudem haben viele dieser Sprecher*innen eine große Anhängerschaft, Fans, die Hörbücher kaufen, weil diese von ihrem Lieblingssprecher gelesen werden. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für den Verkauf der Bücher.
MG: Ein gutes Beispiel hierfür ist Detlef Bierstedt, u.a. die deutsche Synchronstimme von George Clooney. Ein toller Sprecher, der praktisch fehlerfrei liest und neben seiner Beliebtheit bei den Hörbuchfans auch für eine Produktion viele Vorteile mitbringt. Dank seiner geringen Fehlerquote haben wir als Studio wenig Nacharbeit in der Postproduktion. Das ist für uns natürlich sehr gut, auf der anderen Seite erhöht es die Qualität der Gesamtproduktion, da kaum editiert werden muss.

Was macht einen guten Hörbuch-Sprecher aus?
MF: Für das Publikum sicherlich der Klang der Stimme und wie es der oder die Sprecherin schafft, den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Da muss eine Geschichte glaubhaft erzählt und Spannung erzeugt werden, den verschiedenen Charakteren muss Leben eingehaucht werden.
MG: Für uns als Studio sind aber auch andere Faktoren wichtig: Wie textsicher ist der Sprecher, wie oft verliest er sich pro Seite und wie lange hält er am Stück durch? Es gibt tatsächlich Kollegen, die prima vista lesen. Nicht, weil sie keine Lust haben, das Buch vorzubereiten, sondern weil sie sich in die Geschichte fallen lassen wollen, ohne das Ende zu kennen. Andere lesen das Buch vorab zweimal durch und machen sich in jedem Satz Notizen. Beides ist legitim – schlussendlich muss man sagen, dass ein gut vorbereitetes Buch in der Produktion oft reibungsloser läuft.
Was mögen Sie am Hörbuch als Medium?
MF: In unserer heutigen Zeit ist alles sehr hektisch und viele Menschen haben einen durchgetakteten Tagesablauf. Da bleibt wenig Zeit, um ein Buch in die Hand zu nehmen und selbst zu lesen. Wenn man aber nicht auf Literatur verzichten möchte, ist das Hörbuch ein wunderbares Medium, um mit wenig Zeit Literatur zu genießen bzw. sich weiterzubilden. Ein Hörbuch ist zu weiten Teilen ein Nebenbei-Medium – das ist ein Vorteil gegenüber dem klassischen Buch.
Egal, ob beim Autofahren, beim Bügeln oder zum Einschlafen, vielen Menschen eröffnet das eine völlig neue Welt. Hörbücher werden ja auch gerne beim Joggen oder früh in der U-Bahn gehört.
MG: Und – ganz wichtig: Das Hörbuch-Hören entspannt!
Wie läuft so eine Hörbuchaufnahme bei Ihnen ab?
MG: Wir bekommen meist eine Anfrage per E-Mail oder telefonisch, ob wir Zeit und Lust haben, einen bestimmten Titel zu produzieren. Manchmal hat der Verlag schon alles mit dem Sprecher geklärt, manchmal nicht. Wir kümmern uns darum, passende Aufnahmetermine zu finden und die Produktion durchzuplanen.

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