
© Esther Pueyo shutterstock-ID:1051397909
Herr Ani, in Ihrem neuen Roman „Der Narr und seine Maschine“ bekommt Ihr Ermittler Tabor Süden den Auftrag, einen Schriftsteller wiederzufinden, der beschlossen hat, zum Schatten oder sogar ganz unsichtbar zu werden. Gehen wir zu weit, wenn wir vermuten, dass Sie in dieser Geschichte so viel von Ihrem Schreiben und Leben, Denken und Fühlen offenbaren wie nie zuvor?
Vermutlich ist dies mein persönlichstes Buch bisher. Nicht in einem autobiografischen Sinn, aber die Themen, die in der Geschichte verhandelt werden, und die Art, wie sowohl Süden als auch der Schriftsteller Hallig darüber sprechen, kommt mir sehr nah. Ich erkenne mich in ihren Worten und Gedanken wieder.
Was verbindet Sie mit dem fiktiven Schriftsteller Cornelius Hallig Ihres Romans – es ist doch sicher nicht nur die Marke Ihrer ersten Schreibmaschine?
Mit Hallig, dem Autor, verbindet mich wenig, außer, dass wir beide dem Wortwerk huldigen. Ich habe zum ersten Mal eine Schriftsteller-Figur auftreten lassen, habe mich vorher nie getraut. Man neigt dazu, autobiografisch zu werden …
Besitzen Sie die „grüne mechanische Monica-Schreibmaschine“ noch?
Die grüne Monica ist fit wie nie, manchmal schreibe ich auf ihr, und es ist eine Freude.
Haben Sie – wie Ihre Hauptfigur Cornelius Hallig – auch eine Pistole?
Waffenbesitz ist verboten, deswegen …
Apropos: Wie gefährlich sind Schriftsteller in der heutigen Zeit – mit oder ohne Pistole?
Schriftsteller sollen nicht gefährlich sein, sondern ihre Arbeit so gut wie möglich machen.
Ihre Geschichte spielt mit Schriftsteller-Identitäten. Insgesamt sind es mindestens drei, denen wir begegnen: Cornelius Hallig alias Georg Ulrich, der Amerikaner Cornell George Hopley-Woolrich und Sie selbst. Was hat es mit diesem Woolrich auf sich?
Woolrich ist ein großer Kriminalschriftsteller, ich verehre ihn, ich lese ihn immer wieder, er ließ sich nie unterkriegen, er war ein mutiger Mann.
Woolrich schrieb in seiner Biographie, er habe nur versucht, den Tod zu betrügen und eine Zeitlang die Dunkelheit zu überwinden. Inwiefern fühlen Sie sich in solchen schwermütigen Gedanken zuhause?
Diese Gedanken sind für mich nicht schwermütig, sie sind klar und real und sollten Teil von uns allen sein.
Beim Lesen von „Der Narr und seine Maschine“ musste ich immer wieder an Paul Austers Geschichten denken. Wie Sie ist er ein Meister im Spiel mit den Identitäten und Schatten. Ist Paul Auster eine Assoziation, mit der Sie etwas anfangen können?
Der Vergleich gefällt mir sehr. Zeitweise habe ich Austers Geschichten und Bücher geradezu verschlungen, ein toller Autor. Muss ihn unbedingt mal wieder lesen.
Der Titel „Der Narr und seine Maschine“ bezieht sich auf den Schriftsteller und seine Schreibmaschine. Muss der Schriftsteller Narr sein?
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