Hörbuch „Christoph Maria Herbst liest Tucholsky“ – Interview mit Christoph Maria Herbst

Hörbuch „Christoph Maria Herbst liest Tucholsky“ – Interview mit Christoph Maria Herbst

21. September 2015 | Interview: Jörg Steinleitner


Herr Herbst, Sie haben neben vielen anderen Hörbüchern auch Tommy Jauds „Vollidiot“, „Shaun das Schaf“ und „Die Straßenverkehrsordnung“ gelesen. Und nun Kurt Tucholsky. Was reizt Sie an seinen Texten?

Sie sind eine Mischung aus den von Ihnen genannten Büchern. Tucholsky kann derb sein, infantil, politisch. Er hat uns immer was zu sagen, und das auch heute noch, 80 Jahre nach seinem Tod. Mich begleitet er seit meiner Jugend. Schon in der Schule, in Kabarett-Projekten, begeisterte er mich mit seiner Schärfe, seiner Beobachtungsgenauigkeit, seinem anspruchsvollen Witz.

Wenn Sie es in zwei, drei Adjektiven ausdrücken müssten: Wie spricht man Tucholsky?

Schnörkellos, direkt, hochachtungsvoll.

Neben amüsanten Stücken, wie etwa dem über die neugierige Postbeamtin, die jeden Brief öffnet, finden sich auch nachdenkliche und herrlich bösartige auf Ihrer CD: In „Interview mit sich selbst“ lässt Tucholsky einen „Meister des Erfolgs“ sagen, man müsse sich beugen, Kompromisse machen im Leben, wenn man Erfolg wolle. – Sie sind sehr erfolgreich. Haben Sie sich auf dem Weg dorthin, wo Sie jetzt stehen, jemals gebeugt und Kompromisse gemacht?

Ich bin noch nie eingeknickt, hab mein Rückgrat nie an der Garderobe abgegeben. Dennoch bedarf es in meinem Beruf natürlich einer gewissen Begabung, im Team spielen zu können. Einer harten Auseinandersetzung muss am Ende mindestens der kleinste, gemeinsame Nenner folgen. Da beugt man sich dann schon, buckelt aber noch nicht.

Hat sich an Ihrer Einstellung dazu, was man für Erfolg tun muss, seit Ihren Anfängen als Schauspieler etwas verändert – immerhin waren Sie auch mal Bank-Azubi?

Sicher das Einzige, was ich mit Tucholsky gemein habe, ist der Versuch, als Jurist Fuß zu fassen. Das war nämlich der Plan nach der Banklehre. Zum Glück war mein Gefühl dafür, was ich eigentlich will, schon damals ganz gut ausgeprägt. Das ist ein Schlüsselmoment in meinem Leben. In sich hineinzuspüren, was man wirklich will, sich nicht korrumpieren lassen, sein Ego zuweilen in die Schranken verweisen – das schadet mir auch heute nicht.

Wenn Sie an Ihre Hörerinnen und Hörer denken: Was meinen Sie, welches ist die ideale Hörsituation, um Tucholsky, gesprochen von Herbst, zu genießen?

Beim Bügeln, mit einem Gläschen Wein, auf der Autofahrt … Spaß macht er immer.

Christoph Maria Herbst

Spätestens seit er die Hauptrolle in der Büro-Satire „Stromberg“ spielt, gehört Christoph Maria Herbst zum Comedy-Establishment. Aber auch als Hörbuch-Sprecher (u.a. Tommy Jauds „Millionär“) gilt der Grimme-Preisträger längst als feste…
Zur Biografie von Christoph Maria Herbst

Mehr zur Rubrik
Die Helden in Max Claros Roman „Drei Monate im August“ erleben turbulente Tage zwischen Fallschirmsprung, Lotterbett und Lebensrettung
Drei Monate im August

Interviews Slider posts | 20. April 2019 | Jörg Steinleitner

Sie heißen Tom und Pfiff und stürzen sich nicht nur als Fallschirmspringer in riskante Situationen, sondern auch als Schürzenjäger. Im Interview verrät Autor Max Claro, was ihn mit seinen beiden Helden verbindet.

Mike Friedrich und Mike Götze machen Hörbücher – im Interview erklären sie, wie das geht
Titelbild Die Media-Paten

Interviews Slider posts | 15. April 2019 | Jörg Steinleitner

Charlize Theron und George Clooney gehen bei den Media-Paten Mike Friedrich und Mike Götze ein und aus. Also jedenfalls die deutschen Stimmen dieser Stars. Ein Gespräch über die Kunst des Hörbuch-Machens.

Rhidian Brook im Interview über seinen Roman „Niemandsland“ und die Stars, mit denen er verfilmt wurde
Titelbild Niemandsland

Gewinnspiel-Archiv Interviews | 12. April 2019 | Jörg Steinleitner

Rhidian Brooks Roman „Niemandsland” spielt im Hamburg von 1946. Im Interview erzählt der Schriftsteller von der Verfilmung seines Werks mit Keira Knightley und seiner Familiengeschichte, auf der es basiert.

Bodo Janssen im Interview über „Die stille Revolution“ und „Stark in stürmischen Zeiten“, das er mit Anselm Grün schrieb
Titelbild Die stille Revolution und Stark in stürmischen Zeiten

Hörbücher Interviews | 12. April 2019 | Jörg Steinleitner

Er stand als Unternehmer am Abgrund. Bodo Janssen ging zu Anselm Grün ins Kloster. Im Interview über seine Werke „Die stille Revolution“ und „Stark in stürmischen Zeiten“ erzählt er, wie alles kam.