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Frau Berger, Frau Tall, Ihr Roman „Heiliger Gummistiefel“ erzählt die Geschichte einer jungen, ungeschickten Realschullehrerin.
Bea: Genau. Susi Schniebel erwischt ihren Freund Jochen in flagranti mit der vollbusigen Nachbarin Peggy. Als wäre das noch nicht genug des Üblen, leistet sie sich auf einer großen Benefizveranstaltung ihrer Schule eine landesweite Blamage im Radio. Susi steht haarscharf vor der Suspendierung. Die ersehnte Verbeamtung rückt in weite Ferne und ihr Leben ist plötzlich ein einziger Scherbenhaufen. Susi braucht jetzt vor allem eines: Ablenkung!
Tina: Zum ersten Mal im Leben lässt sie es so richtig krachen. Es kommt, wie es kommen muss und endet in einem Filmriss. Susi erwacht am nächsten Morgen völlig verwirrt auf der Bordtoilette eines Reisebusses. Dieser ist voller Senioren auf dem Weg in ein Karmelitenkloster in der Oberpfälzer Pampa. Die Tatsache, dass sie nichts anderes am Leib trägt, als ein überdimensioniertes Peniskostüm, macht die Situation nicht gerade leichter. Da ist die Katastrophe vorprogrammiert.
Sie haben Ihren neuen Roman „Heiliger Gummistiefel“ zu zweit geschrieben. Aber jede Autorin hat doch ihre eigene Art und Weise, Ideen auf Papier zu bringen. Wie schreibt man zu zweit?
Bea: Bevor wir überhaupt anfangen konnten, haben wir monatelang an der Story herumgetüftelt bis sie uns rund erschien. In der heißen Phase war es dann ein ständiges „Text hin und her schieben“. Dazu haben wir uns über eine Dropbox verbunden. Lücken und Unklarheiten haben wir dann telefonisch geklärt. Solche Gespräche konnten dann schon mal bis weit nach Mitternacht dauern.
Tina Tall: Wir haben gemeinsam die Idee entwickelt, die Charaktere und natürlich den Plot. Eine von uns hat dann den Rohtext geschrieben, während die andere für die Feinheiten zuständig war. So bekamen wir schon in der Entstehungsphase einen einheitlichen Zungenschlag hin. Zur Überarbeitung sind wir dann beide gemeinsam in Klausur gegangen.
Gibt es da auch mal Streit oder Meinungsverschiedenheiten?
Tina: Selbstverständlich gibt und gab es die, und nicht immer kamen wir gleich zu einer einvernehmlichen Lösung. Aber letztlich steht das Projekt im Vordergrund. Und da uns nicht nur die Arbeit, sondern auch eine Freundschaft verbindet, können wir uns dann doch immer prima einigen.
Bea: Wenn zwei Köpfe an ein und derselben kreativen Sache arbeiten, gehen die Meinungen über die Umsetzung schon mal auseinander. Und wenn diese beiden mitunter auch noch recht unterschiedliche Ansichten und Lebensgewohnheiten haben, dann wird es richtig spannend. Wir haben das ganz einfach gelöst: Unsere Unterschiede betrachten wir als Bereicherung. Wir beleuchten den Blickwinkel des anderen und denken dann zumindest mal drüber nach. Ohne diese Vorgehensweise wären diverse Szenen im Buch gar nicht erst entstanden.
Im „Heiligen Gummistiefel“ geht es turbulent, mitunter skurril zur Sache. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Tina: Im Team zu arbeiten ist einerseits eine Herausforderung, andererseits herrlich kreativ. Wenn die eine nicht weiterkam, steuerte die andere einen Gedanken bei, so dass das Rad immer in Bewegung blieb. Da sprudeln die Ideen! Die Lachanfälle, die wir dabei hatten, sind kaum noch zu zählen.
Bea: Allein muss man sich oft vieles aus den Fingern saugen. Zu zweit kommen die humorvollen Geistesblitze viel leichter daher. Viele Details zum „Heiligen Gummistiefel“ entstanden auch im Rahmen der Recherche im Kloster Reisach, das als Vorlage für den Handlungsort diente. Kleinigkeiten, wie etwa die Wutader auf der Stirn des cholerischen Schuldirektors Fürst, der unsere Protagonistin, die Lehrerein Susi Schniebel, der Schule verweist, entspringen tatsächlich eigenen Erfahrungen. Wenn man im Schreib-Flow ist, fließen diese automatisch mit ein.
„Heiliger Gummistiefel“ spielt größtenteils in einem Kloster. Wieviel Realität steckt in Ihrer Geschichte?
Bea: Den Grundriss des Vorbilds in Reisach haben wir übernommen. Es kann sein, dass wir bei der Küche und beim Speisesaal etwas geflunkert haben, aber wir mussten eine Reisegesellschaft verköstigen. Da hatten wir keine andere Wahl. Auch am Tagesablauf der dort lebenden Mönche haben wir uns weitgehend orientiert. Die echten Padres haben natürlich keinerlei Ähnlichkeit mit denen aus unserer Geschichte … Sie sind viel Cooler. Zwei davon haben sogar einen Motorradclub gegründet: die „Karmelitos“. Man kann sich denken, dass die bisherigen Motorradsegnungen dort spektakulär gewesen sind.
Tina: In unserem Roman steht unter anderem die Existenz des Klosters auf dem Spiel. An allen Ecken und Enden bröckelt die Fassade, und der Verfall ist nicht mehr aufzuhalten. Das haben wir eins zu eins so vom Karmelitenkloster Reisach übernommen. Auch dort kämpften die Mönche jahrelang um den Erhalt der Gebäude. Diesen Kampf haben sie vor Kurzem aufgegeben. Die Karmeliten haben das Kloster verlassen. Es steht jetzt leer, und keiner weiß, was daraus nun werden soll.
Es gibt einige Figuren, die der Protagonistin Susi Schniebel den Aufenthalt im Kloster erschweren. Andere geben ihr Rätsel auf. Was zeichnet diese Persönlichkeiten aus?
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