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Was für ein Skandal: Prof. Dr. Saraswati ist WEISS! Schlimmer geht es nicht. Denn die Professorin für Postcolonial Studies in Düsseldorf war eben noch die Übergöttin aller Debatten über Identität – und beschrieb sich als Person of Colour. Als würden Sally Rooney, Beyoncé und Frantz Fanon zusammen Sex Education gucken, beginnt damit eine Jagd nach „echter“ Zugehörigkeit.
Während das Netz gegen Saraswati hetzt und Demos ihre Entlassung fordern, stellt ihre Studentin Nivedita ihr intimste Fragen. Mithu Sanyal schreibt mit beglückender Selbstironie und befreiendem Wissen. Den Schleudergang dieses Romans verlässt niemand, wie ersie ihn betrat.
„Was für eine gnadenlos witzige Identitätssuche, die nichts und niemanden schont. Man ist nach der Lektüre nicht bloß schlauer – sondern auch garantiert besser gelaunt.“ (Alina Bronsky)
„‚Identitti‘ diskutiert Fragen von Herkunft und Identität, gibt BIPoCs [Black, Indigenous and People of Color] in der deutschen Literatur eine Stimme.“ Thomas Hummitzsch, Freitag, 18.02.21
„‚Identitti‘: der Titel knallt. Und knallig, da so gewagt wie witzig zugleich, ist auch der Roman selbst. Denn in dem befördert die studierte Kulturwissenschaftlerin eine der gewichtigsten Debatten unserer Zeit in den Schleudergang.“ Claudia Kramatschek, Deutschlandfunk Kultur, 13.02.21
„Ein Debatten-Roman, der gute Laune macht? Mithu M. Sanyal ist genau das gelungen. … ‚Identitti‘ zerpflückt literarisch die Fragen rund um Identitätspolitik – und nimmt sie gleichzeitig sehr unterhaltsam auf die Schippe.“ Laura Freisberg, BR2 Diwan, 14.02.21
„Das Romandebüt greift mitten hinein in die aktuellen Diskurse über Identitätspolitik und Rassismus. … Ein Coming-of-Age- und Campusroman, in dem Theorie-Collagen ins Märchen kippen, wobei die Handlung munter, unterhaltsam und sogarspannend ihrem schließlich versöhnlichen Ende entgegenstrebt.“ Ronald Düker, Die Zeit, 11.02.21
5 Fragen an Mithu Sanyal (QUELLE HANSER VERLAG)
Liebe Mithu Sanyal, Identitti erzählt von der Professorin Saraswati, die sich bei ihrer erfolgreichen Unikarriere als Person of Colour definiert hat – und plötzlich als weiß geoutet wird. Wie kamen Sie auf diese Geschichte?
2015 wurde die amerikanische Bürgerrechtsaktivistin Rachel Dolezal als Weiße geoutet. Der Fall ging damals durch alle Medien, vor allem durch alle sozialen Medien: Eine Weiße, die sich als Schwarze ausgab – das war so unfassbar, dass das Internet vor Entrüstung explodierte. Ich wollte damals unbedingt darüber schreiben – nicht über Dolezal, sondern über die vehemente Debatte, die mich in einer ganz merkwürdigen Form persönlich berührte –; und keinen kulturwissenschaftlichen Text, weil alle Sichtweisen so wahr waren und gleichzeitig so falsch. Nur ein Roman kann all diese sich widersprechenden Stimmen enthalten. Und die Idee eines umgekehrten Passings ist einfach eine großartige Geschichte.
Das sind ernste und wichtige Themen, wie schreibt man über sie?
Je ernster ein Thema ist, desto wichtiger ist es die, darüber lachen zu können. Für mich vollzogen sich die eindrucksvollsten Auseinandersetzungen mit Rassismus in Comedy Serien, wie in Goodness Gracious me, der ersten britisch-indischen Comedy. Bis dahin dachten die Engländer ja noch, dass indische Menschen halt keine Witze machen könnten. Comedians wie Meera Syal oder Shappi Khorsandi, die einen Cameo-Auftritt in meinem Roman hat, gaben mir eine Sprache, in der ich über meine Erfahrungen sprechen konnte – während vorher nur über Menschen wie mich gesprochen wurde. Sie gaben mir den Raum, auf Rassismus als ein merkwürdiges Phänomen zu schauen, und nicht als eine Struktur, die wahnsinnige Macht über mich hatte. Außerdem misstraue ich Literatur, die nicht zumindest ein bißchen Humor und Selbstironie hat.
Hauptfigur ist eine Studierende Saraswatis im Studiengang Postcolonial Studies in Düsseldorf, die sechsundzwanzigjährige Nivedita. Warum diese Erzählfigur, was bewirkt ihr Blick auf Saraswatis Fall?
Nivedita ist zusammen mit ihrer Kommilitonin Oluchi am tiefsten von Saraswatis Enthüllung getroffen. Beide empfinden diese als persönlichen Verrat, reagieren aber sehr unterschiedlich darauf. Während Oluchi sich öffentlich gegen Saraswati wendet, geht Nivedita zu ihr und versucht, von ihr zu erfahren: Warum? Insofern ist Nivedita die Anwältin der Lesenden. Sie stellt die Fragen, die wir Saraswati stellen wollen. Sie sucht in Saraswatis Wohnung nach Hinweisen auf ihre Geschichte. Und bis zum Ende wissen wir, weiß Nivedita nicht, ob das, was sie schließlich über die Beweggründe ihrer Professorin herausfindet, wirklich „die Wahrheit“ ist. Auf der anderen Seite ist Nivedita in ihrer besonderen Form von Saraswatis Betrug verletzt, weil sie die Erfahrungen gemacht hat, die sie nun einmal gemacht hat. Wir verarbeiten unsere Erfahrungen auf der Basis unserer persönlichen Geschichte. Deshalb erzählt das Buch in Rückblenden von Niveditas Leben, von ihrer komplexen und komplizierten Beziehung zu ihrer Cousine Priti, die den Vorteil hat, dass ihre beiden Eltern aus Indien kommen. Denn es ist Niveditas Lebensthema, dass sie als mixed race kid zwischen allen Stühlen sitzt und durch alle Kategorien fällt. In Saraswatis Seminar hat sie das erste Mal das Gefühl, richtig zu sein, so wie sie ist. Und dann ist plötzlich Saraswati nicht mehr die, für die Nivedita sie gehalten hat.
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